28.01.2013 - 02:02 Uhr

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Orgel trifft auf Radio-Hits

Barock - Kirchenorgel meets Jazz, in der Oberlenninger Martinskirche mit Beni Alkier
Barock - Kirchenorgel meets Jazz, in der Oberlenninger Martinskirche mit Beni Alkier

Lenningen. Dass eine Pfeifenorgel zu mehr gut ist als nur die altehrwürdigen, klassischen Kompositionen zu spielen, ist Orgel-Fans sicherlich nicht neu. Wurden doch zu


Brigitte Gerstenberger

allen Zeiten Klavier- und Orchesterwerke auf die Orgel transkribiert. Und so gibt es schon seit Jahrzehnten immer wieder experimentierfreudige Musiker, die Jazz und Blues, Rock und Pop, mit dem Spielen der Kirchenorgel verbinden.

Zwar gehen auch hier die Meinungen auseinander: Was dem einen als Sakrileg erscheint, ist für den anderen einfach genial. Daher war es überaus erfreulich, dass Bezirkskantor Ralf Sach und seine Schüler Beni Alkier mit seinem Gesang, David Alkier am Keyboard, und Jochen Leitner am Schlagzeug musikalisch gegen den sonst üblichen Kirchenorgel-Strich gebürstet, generationsübergreifend musizierten. Ideenreich arrangierte Stücke, talentvoll vorgetragen bei einem Benefizkonzert zugunsten der nicht mehr aufschiebbaren Dachsanierung der Sankt Martinskirche in Oberlenningen.

Wenngleich aus der Sicht von Ralf Sach die Orgel kein Museumsstück darstellt, so ist es doch gewiss nicht alltäglich, die Königin der Musikinstrumente mit „Radio-Hits“ zu kombinieren, insbesondere wenn es sich dabei um die historische Haußdörfer-Orgel von 1739 handelt. Die ausgewählten Songs stammen überwiegend von dem kanadischen Sänger, Schauspieler und mehrfachen Grammy-Preisträger Michael Bublé sowie von dem deutschen Pop- und Jazzmusiker Roger Cicero. Michael Bublé, unter anderem beeinflusst von Paul Anka und dessen Hits der 50er Jahre, interpretiert Standards aus der Swing-Epoche ebenso wie Klassiker der Rock-Ära. Stilistisch bedient sich auch Roger Cicero, Sohn des 1997 verstorbenen Jazzpianisten Eugen Cicero, bei der Swingmusik der 1940er und 1950er Jahre und kombiniert diese mit modernen deutschen Texten. Bei den einzelnen Titeln brachte Beni Alkier bravourös sein gesangliches Talent zu Gehör. Prickelndes Gänsehautfeeling gab es bei seiner Interpretation von Bublés „Hold on“ (2009), ganz zur Freude der Zuhörer, die mit viel Applaus das besondere Konzert würdigten.

Die Texte der Pop-Songs sind bestimmt geeignet, in der Kirche einen Platz zu finden. Aus der Sichtweise von Ralf Sach versuchen sie doch durchaus, wichtige Glaubensfragen auch junger Menschen zu beantworten. In „Tabu“ (2009) von Roger Cicero geht es um Beziehungsprobleme, sein Album „Männersache“ (2006) behandelt den Geschlechterkampf, landete auf Platz drei der deutschen Charts und verkaufte sich über eine Million Mal.

In musikalischer Hinsicht gelang dem Trio, das durch Jochen Leitner am Schlagzeug rhythmisch bestens unterstützt wurde, ein fabelhaftes Konzert, mit durchaus groovigen Momenten. Wenngleich zuweilen das virtuose Orgelspiel von Ralf Sach, das sich durch reizvolle Arrangements auszeichnete, durch die Lautstärke des Schlagzeugs übertönt wurde, so muss das musikalische Kirchenexperiment auf jeden Fall als gelungen angesehen werden. Und es bleibt zu wünschen, dass solche anregenden Konzerte in den altehrwürdigen Kirchengemäuern der Region künftig häufiger zu hören sind.

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