Überraschung in Coburg: Die Luftpistolenschützen des TSV Ötlingen sind deutscher Vizemeister. Erst im Finale wurden die erstmals seit sechs Jahren wieder im DM-Endkampf stehenden Ötlinger vom SGi Waldenburg gestoppt, unterlagen in einem der spannendsten Finals der 13-jährigen Bundesligageschichte nur knapp mit 2:3.
Wilfried Weiss
Coburg. Alles was Krach machte hatten die in den roten Vereinsfarben gedressten mehr als 60 Fans aus Ötlingen mitgebracht, um ihr Quintett zum Sieg zu peitschen – Tröten, Plastikrohre und Rasseln, alles war aufgeboten. Das Team der Trainer Erwin Singvogel und Herbert Rieke war besonders motiviert. „Wir haben viele Jahre gewartet, um wieder bei den Finalwettkämpfen dabei zu sein. Nach der knapp verpassten Meisterschaft 2004 wollten wir es in diesem Jahr schaffen“, so Abteilungsleiter Joachim Poppek. Gesagt, getan: In der Coburger Dreifachturnhalle „Am Anger“ schlugen sich die Rübholz-Schützen hervorragend. Keiner der Gegner war in der Lage, die Ötlinger am Einzug ins Finale zu bremsen.
Vier spannende Viertelfinalbegegnungen konnten die Zuschauer in Coburg verfolgen. Die Ötlinger eröffneten gegen den SSV Fahrdorf die Wettkämpfe, besiegten die Schleswig-Holsteiner klar mit 5:0. Der für Ötlingen an Position eins gesetzte Vize-Europameister Mauro Badaracchi lieferte sich ein heißes Duell mit dem schwedischen Meister Anders Bonander. Nach 30 Schuss lag der Ötlinger in Führung, konnte diesen Vorsprung bis zum 387:385-Endstand halten. Den ersten Punkt zum Ötlinger Sieg lieferte Leo Braun, der seinen Gegner Stefan Vollertsen klar mit 378:373 besiegte. Souverän gestaltete auch Markus Geipel seinen Wettkampf gegen Erich Moll. Der an Position vier startende Ötlinger untermauerte mit einem klaren 379:372-Sieg die Ötlinger Ambitionen. Nachdem die Ötlinger Nummer fünf, Stefan Scharpf, einen Rückstand von sechs Ringen nach 20 Schuss wieder wettgemacht hatte, war der Ötlinger Erfolg gesichert. Mit 371:368 konterte Scharpf seinen Gegner Konstantin Naumow. Den letzten Punkt zum eindeutigen Erfolg der Ötlinger steuerte Patrik Lengerer mit einem 375:368-Sieg gegen Sven Freier bei.
In der ersten Halbfinalbegegnung zwischen den Rübholz-Schützen und den Kelheimern besiegten die Ötlinger den SV Kehlheim nach einem an Spannung nicht zu übertreffenden Wettkampf mit 3:2. An Position eins setzten die Ötlinger den Olympiasieger von 1996, Roberto di Donna, ein. Er lieferte sich mit Monika Karsch einen Wettkampf, den er von Anfang an dominierte. Die drei Ringe Vorsprung nach der Hälfte der Begegnung baute er bis zum Schluss auf acht Ringe aus und gewann mit der Weltklasseleistung von 386:378. Auch Leo Braun, der als Erster seinen Wettkampf beendete, zeigte mit 382 Ringen eine hervorragende Leistung. Seine Gegnerin Munkhbayar Dorjsuren kam auf 371 Ringe. Den dritten Punkt für Ötlingen holte sich Patrik Lengerer gegen Christoph Schultheiß mit einem 380:377-Sieg. Markus Geipel vergab mit den letzten Schüssen einen weiteren Einzelpunkt für Ötlingen. Dennoch können sich seine 373 Ringe sehen lassen. Sein Gegner Tobias Piechaczek erreichte einen Zähler mehr. Nicht zufrieden mit seinem Ergebnis von 365 Ringen war Achim Rieger, der gegen Jasna Sekaric den zweiten Punkt an Kelheim abgeben musste.
Das Finale war erreicht. Jetzt ging es gegen den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Waldenburg und Bremen-Bassum, das die Waldenburger mit 5:0 entschieden. Im kleinen Finale um die Bronzemedaille besiegten die Kelheimer Bremen-Bassum mit 3:2. Im Wettkampf um die Silber- und Goldmedaille traten die Ötlinger am Mittag an. Leo Braun an Position drei für Ötlingen aufgestellt, beherrschte seinen Gegner Andreas Heise von Beginn an. Nach zwei Serien führte er bereits mit zwei Ringen, baute diesen Vorsprung aus und siegte am Ende mit 378:376. Obwohl die Ötlinger Nummer zwei, Patrik Lengerer, gegen Abdullah Ustaoglu zur Hälfte der Partie mit zwei Ringen im Rückstand lag, gab er die Partie nicht verloren. Zwei gute Abschlussserien mit 97 und 93 Ringen brachten bei einem Endstand von 382:381 für Lengerer den zweiten Ötlinger Punkt. Stefan Scharpf und Jörg Kobarg konnten trotz heftiger Gegenwehr nicht verhindern, dass ihre Partien gegen Wolfgang Renner und Michael Heise verloren gingen. Scharpf verlor mit 370:376, Kobarg hatte mit 365:368 das Nachsehen. Die Entscheidung über den Gesamtsieg und damit über den Titel musste in der Paarung eins fallen. Hier trafen die beiden Weltklasseschützen Mauro Badaracchi (Ötlingen) und Vladimir Gontcharov (Waldenburg) aufeinander. Beide kennen sich aus vielen Begegnungen sehr genau, sodass hier ein Auf und Ab in der Führung für höchste Spannung sorgte. Zwei Ringe lag der Ötlinger nach 30 Schuss zurück und versuchte alles, um in der letzten Serie den Waldenburger Vorsprung zu übertreffen. Zwei „Zehner“ mit den letzten beiden Schüssen hätten den Ötlinger Sieg bedeutet, eine Zehn zum Stechen gereicht. Der 39. Schuss war eine Neun, alle Ötlinger warteten sehnsüchtig auf eine letzte Zehn. Allerdings wurde auch dies nur eine Neun. Damit waren den Waldenburgern der Sieg und der Titel nicht mehr zu nehmen.
Dennoch: Für Ötlingen bedeutet diese Silbermedaille einen großen Erfolg. Der Traum von der Meisterschaft hat sich in diesem Jahr zwar nicht erfüllt, lässt aber die Hoffnung auf eine neue gute Saison 2010/11 mit der erneuten Chance auf die Meisterschaft nicht sterben.
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