11.01.2017 - 02:02 Uhr

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Autofahrer berappen weiterhin nichts

Parkgebühren Der Kirchheimer Gemeinderat lehnt es mehrheitlich ab, für das Parken auf dem Ziegelwasen Geld zu verlangen. Die Stadt hatte mit Einnahmen von über 40 000 Euro pro Jahr gerechnet. Von Andreas Volz

Parken auf dem Kirchheimer Ziegelwasen bleibt kostenlos - auch auf dem vorderen Teil, für drei Stunden mit Parkscheibe.Foto: Carsten Riedl
Parken auf dem Kirchheimer Ziegelwasen bleibt kostenlos - auch auf dem vorderen Teil, für drei Stunden mit Parkscheibe.Foto: Carsten Riedl

Eine Art Glaubensfrage hat der Kirchheimer Gemeinderat eindeutig entschieden: Das Parken auf dem Ziegelwasen soll auch weiterhin kostenlos möglich sein. Der Alternative, für das maximal dreistündige Parken in den vorderen fünf Parkreihen künftig zwei Euro zu verlangen, haben die Ratsmitglieder mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit eine klare Abfuhr erteilt.

Grundlage der Debatte waren die neuen Wohnmobilstellplätze im hinteren Teil des Ziegelwasens. Die Nutzung dieser Stellplätze hätte fünf Euro kosten sollen – zu bezahlen am Parkscheinautomat, der für die vorderen Parkreihen installiert worden wäre. Eigens für die Wohnmobile einen solchen Automat aufzustellen und dann nur fünf Euro zu verlangen, würde sich nicht rechnen.

Die zwei Euro für das auf drei Stunden befristete Parken in den ersten fünf Reihen würden sich für die Stadt Kirchheim allerdings sehr wohl rechnen: Mit Einnahmen von mehr als 40 000 Euro pro Jahr hatte die Stadt hier vorsorglich kalkuliert. In Zeiten der Haushaltskonsolidierung und der damit einhergehenden „Streichkonzerte“ sind zusätzliche Einnahmen ein Stichwort, auf das viele Ratsmitglieder durchaus positiv reagieren.

In diesem Fall war es aber nur die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß, die sich für einen „guten Beitrag zur Haushaltskonsolidierung“ starkmachte. Zwei Euro für drei Stunden seien schließlich nicht allzu viel Geld, „das kann man sich leisten“.

Andreas Kenner (SPD) dagegen bemühte die Psychologie der Autofahrer, für die der kostenlose Ziegelwasen einen bedeutenden Effekt habe: „Die Leute parken dann gleich auf dem Ziegelwasen und kurven nicht erst vier Mal durch die angrenzenden Wohngebiete.“ Letzteres wäre die unausweichliche Folge, würden die Autofahrer auf dem Ziegelwasen zur Kasse gebeten werden. Auch ohne Aussicht auf Erfolg würden sie dann zunächst anderswo nach kostenlosen Parkplätzen suchen. Klares Bekenntnis Andreas Kenners: „Wir sagen, an dieser Stelle Kirchheims kostet das Parken nichts.“

So sah das auch Ralf Gerber (Freie Wähler): „Wir können nicht die Leerstände in der Innenstadt beklagen und dann auf dem Ziegelwasen Parkgebühren erheben. Wenn wir das machen, brauchen wir uns über die Zukunft der Innenstadt keine allzu großen Gedanken mehr zu machen – oder eben ganz andere.“ Viel besser, als Parkgebühren auf dem Ziegelwasen zu verlangen, wäre es, die Lastwagen und Anhänger wegzubekommen, die im hinteren Teil, für den man keine Parkscheibe braucht, dauerhaft abgestellt sind. Die restlichen freien Parkplätze an dieser Stelle seien nämlich meistens schon am frühen Morgen voll belegt – „von Menschen, die in der Innenstadt arbeiten“.

Die große Mehrheit der Ratsmitglieder teilte Ralf Gerbers Meinung, dass es der Stadt Kirchheim gut tue, „noch einen freien Parkplatz zu haben“. Deshalb ist der Parkscheinautomat jetzt vom Tisch. Lediglich die Gebühren für Wohnmobile müssen steigen.

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