09.11.2011 - 01:53 Uhr

Share | | | |

Ralf Sach plant Wiederbelebung der Kirchheimer Jugendsingschule

Andreas Volz

Kirchheim. Eine langjährige und wichtige Kirchheimer Institution möchte Bezirkskantor Ralf Sach Anfang nächsten Jahres wiederbeleben: die Jugendsingschule. 1968 von

Ernst Leuze gegründet, sei die Jugendsingschule irgendwann wieder eingestellt worden, sagt Ralf Sach im Gespräch mit dem Teckboten. Die Gründe für das Ende dieser Einrichtung sind ihm nicht ganz klar. „Aber viele Menschen in meinem Umfeld sprechen mich immer wieder auf die Jugendsingschule an. Ich habe den Eindruck, jeder zweite oder dritte in Kirchheim kann einen Bezug dazu aufweisen.“ Selbst etliche Kollegen, die mittlerweile längst als Kantor professionell mit Kirchenmusik und Chorgesang zu tun haben, seien einst aus der Kirchheimer Jugendsingschule hervorgegangen.

Wenn er selbst Anfang Januar mit der neuen Kirchheimer Jugendsingschule beginnt, dann geht es Ralf Sach dabei um eine „umfassende musikalische Ausbildung“. Dazu gehören Einzelstimmbildung, die chorische Stimmbildung, Chorarbeit, aber selbstverständlich auch das Notenlesen. Und das Ziel ist alles andere als bescheiden: „Es ist nicht so, dass wir uns da alle an der Hand nehmen und schmissige ,Hits für Kids‘ singen. Ich will irgendwann eine Kinderkantorei haben, mit der ich eine Schütz-Motette singen kann – und zwar richtig gut.“

Mit dem Wort „Kinder“ umschreibt Ralf Sach die Zielgruppe viel besser als mit dem Begriff „Jugendsingschule“. Beginnen möchte er bereits mit kleinen Nachwuchssängern im Kindergartenalter. Bei der ersten Gruppe denkt er an Vier- bis Sechsjährige und bei der zweiten an Sieben- bis Neunjährige. Wer die umfassende musikalische Ausbildung durchlaufen hat, kann und sollte natürlich auch als Jugendlicher noch weiterhin im Chor mitsingen. Aber der Einstieg in die Ausbildung kann beinahe nicht früh genug beginnen. Zur Kinderstimmbildung wird in Kirchheim eigens eine Stelle für eine Fachkraft geschaffen. Friederike Hoffmann vom Stuttgarter Staatstheater ist selbst eine ausgebildete Sängerin. Sie wird sich um die Stimmbildung der Kirchheimer Kinder kümmern.

Die Vorteile der frühen musikalischen Ausbildung liegen für Ralf Sach auf der Hand: „Singen und Musik allgemein haben eine wichtige Bedeutung für die Synapsen.“ Dadurch würde sich nicht nur die schulische Leistungsfähigkeit erhöhen, sondern auch die Intelligenz. Zur Singschule gehören auch Atemtraining und Übungen, um zur Ruhe zu kommen. Im Chor geht es schließlich noch darum, sich in der Gruppe einzuordnen und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. „Und trotzdem ist es wichtig, dass man im Chor sein eigenes Ich nicht aufgibt und dass man auch Verantwortung übernimmt.“

Dass die Kinder in der Jugendsingschule überfordert sein könnten, glaubt Ralf Sach nicht. Im Gegenteil: Er verweist auf erfolgreiche und renommierte Einrichtungen wie die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben oder die Christophorus-Kantorei Altensteig: „Die Leiter sagen, dass die Jugendlichen ein Interesse an einer fundierten Ausbildung haben. Die Kinder wollen gefordert werden.“ In gewisser Weise zeige ja auch „Deutschland sucht den Superstar“ – wenn auch in einem eher fragwürdigen Rahmen –, dass Kinder und Jugendliche bereit sind, sich fordern zu lassen: „Die wissen auch, dass das Leben hart sein kann.“

So weit wie bei den „Casting-Shows“ soll es bei der Jugendsingschule freilich nicht gehen. Im Hintergrund steht ja der konstruktive Aufbau eines jugendlichen Vokalensembles. Und zu diesem Zweck soll es auch möglichst kindgerecht zugehen. Als Probenort hat Ralf Sach die Kirchheimer Auferstehungskirche gewählt, weil es dort die besten räumlichen Voraussetzungen gibt – unter anderem auch für altersgemäße Beschäftigungen in Pausenzeiten.

Musikalische Kinder- und Jugendarbeit gibt es natürlich innerhalb der evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Kirchheim schon. Aber Ralf Sach sieht die künftige Kinderkantorei nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten. An der Thomaskirche beispielsweise bewege sich der Kinderchor viel stärker „in einem spielerisch-popularmusikalischen Bereich“, als das für die Jugendsingschule geplant ist.

Der Beginn der Jugendsingschule ist für den ersten Freitag nach den Weihnachtsferien vorgesehen, also für den 13. Januar. Gelernt und geprobt wird freitagnachmittags von 16  bis 18 Uhr in zwei Gruppen, die sich jeweils abwechselnd mit Stimmbildung und mit der Chorarbeit, also mit dem Einüben eines Stücks, beschäftigen. Vorgesehen ist auch ein pauschaler Kostenbeitrag der Eltern in Höhe von 25 Euro pro Monat. Anmeldungen nimmt Bezirkskantor Ralf Sach telefonisch unter der Nummer 0 70 21/93 73 77 oder per E-Mail an die Adresse r.sach@evki-kirchheim.de entgegen. Telefonisch oder per 
E-Mail beantwortet er auch alle weiteren Fragen, die Eltern zur Jugendsingschule haben.

Artikel kommentieren
Share | | | |