17.02.2017 - 02:17 Uhr

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Jugendliche informieren Gleichaltrige über ihren Beruf

Messe In der Kirchheimer Stadthalle wimmelt es nur so vor jungen Menschen. Über 60 Firmen präsentieren sich mit ihren Auszubildenden und werben für ihr Gewerbe. Von Iris Häfner

Eine bunte Mischung an Berufsarten gab es bei der Infomesse für Schüler in der Kirchheimer Stadthalle. So warb beispielsweise die Gastronomie für sich oder das Malergewerbe. Fotos: Carsten Riedl
Eine bunte Mischung an Berufsarten gab es bei der Infomesse für Schüler in der Kirchheimer Stadthalle. So warb beispielsweise die Gastronomie für sich oder das Malergewerbe. Fotos: Carsten Riedl

Dichtes Gedränge herrscht im Foyer der Kirchheimer Stadthalle kurz nach 10  Uhr. Ausschließlich Mädchen warten darauf, dass sich die Tür öffnet. Als es so weit ist, gehen die jungen Frauen anfangs etwas zögerlich durch die mittlerweile zum 21. Mal stattfindende Berufsinfomesse. An den Tischen sitzen junge Menschen, kaum älter als sie selbst, und warten darauf, angesprochen zu werden. Sie sind allesamt Auszubildende in den unterschiedlichsten Branchen: Industrie, Dienstleister, Handwerk und Handel.

Berufsinfomesse in der Kirchheimer Stadthalle am 16.02.2017, bitte vorab KOnktaktaufnahme, Nummer im Anhang. Schön wäre Bild mit Reportage. Vormittags sind die Mädchen im Fokus, nachmittags die Jungs.
Berufsinfomesse in der Kirchheimer Stadthalle am 16.02.2017, bitte vorab KOnktaktaufnahme, Nummer im Anhang. Schön wäre Bild mit Reportage. Vormittags sind die Mädchen im Fokus, nachmittags die Jungs.

Eine Nähmaschine steht auf dem Tisch, Blickfang sind jedoch ein glitzerndes Abendkleid und ein edler Herrenanzug, schön auf einem Ständer drapiert. Die beiden jungen Frauen stehen Rede und Antwort, wenn es um ihre Arbeit als Schneiderin geht. In unmittelbarer Nachbarschaft sitzt ein bestens gelaunter Gebäudereiniger, der zur Überraschung vieler erklärt, dass Putzen durchaus ein ernst zu nehmender Ausbildungsberuf ist. Die Scheu vor dem uniformierten Beamten schwindet recht schnell, vor dem Stand der Polizei bildet sich gar eine Traube von interessierten Mädchen.

Die Jungs haben es am Morgen schwer, die Mädchen für die klassischen Männerberufe wie Sanitärinstallateur, Werkzeug- oder Industriemechaniker, Elektroniker oder Maurer zu begeistern. Wesentlich einfacher haben es da die angehenden Friseurinnen, Bank- und Industriekauffrauen. Die Mädchen sitzen beisammen und unterhalten sich über die Berufe. Gekonnt flicht eine der Auszubildenden an einem eigens mitgebrachten Modell nebenher einen speziellen Zopf. Insgesamt 60 Betriebe aus der Region rund um die Teck präsentieren sich und ihre Ausbildungsmöglichkeiten den Schülern, die nicht nur aus Kirchheim, sondern auch aus dem Weilheimer und Lenninger Raum kommen.

Am Nachmittag wendet sich das Bild, jetzt sind die Jungs am Zug. Auch zahlreiche junge Flüchtlinge nutzen die Chance, sich zu informieren. „Wir machen bewusst die Geschlechtertrennung. Die Hemmschwelle bei den Jugendlichen ist dann nicht so groß“, ist die Erfahrung von Wolfgang Schinko vom KiZ (Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit) im Bohnauhaus. Organisiert wird die Berufsinfomesse von den Mitgliedern der Jugendagentur Kirchheim-Nürtingen: KiZ, Brückenhaus, Stiftung Tragwerk und Mehrgenerationenhaus Linde. Finanzielle Unterstützung gab es durch den Europäischen Sozialfonds und die Stadt Kirchheim stellte die Stadthalle kostenlos zur Verfügung.

„Die Messe ist was ganz Besonderes. Die Gespräche können auf Augenhöhe stattfinden - von Jugendlichem zu Jugendlichem. Das findet man selten“, sagt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer kurzen Begrüßung. Möglichst alle Schulabgänger sollten eine Ausbildung machen. „Das brauchen wir für das Gelingen unserer Gesellschaft“, erklärt sie im Hinblick auf künftigen Rentenzahler. Zudem sei die jetzige Generation in der glücklichen Lage, dass Fachkräfte dringend gesucht und gebraucht werden. Diese Chance sollten die Jugendlichen unbedingt wahrnehmen.

Und dann ist da noch die Zimmerin im zweiten Ausbildungsjahr. Sie sticht in ihrer traditionellen Kluft mit strahlend weißem Hemd aus der Masse hervor. Die zierliche junge Frau schwärmt regelrecht von ihrem Beruf. „Schon immer wollte ich was mit Holz machen“, erzählt sie. Zunächst absolvierte sie Praktika in Schreinereien, doch spätestens nach drei Wochen war ihr die Arbeit zu fad, zu sehr „klein, klein“. Jetzt ist sie glücklich auf den Dächern unterwegs oder baut Holzdecken und Treppen in Häusern ein.

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