08.09.2015 - 02:02 Uhr

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Lernen mit dem „Auto von morgen“

Außer beim Fahrradfahren gibt es auch beim Autofahren einen spürbaren Trend zur Elektromobilität – bis hin zum Modellprojekt „e-Fahrschule“. Die Kirchheimer Verkehrsfachschule hat gestern im Beisein von Verkehrsminister Hermann das Projekt vorgestellt, das nicht nur schädliche Emissionen, sondern auch die Zahl der Fahrstunden verringern helfen soll.

Andreas Volz
Landtagsabgeordneter Andreas Schwarz, Verkehrsminister Winfried Hermann, VPA-Geschäftsführer Rolf Dautel-Haußmann und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker begutachten ein fahrschultaugliches Elektroauto. Auf dem unteren Bild testet Andreas Schwarz den Fahrsimulator der VPA in der Kirchheimer Hahnweidstraße.Fotos: Jean-Luc Jacques
Landtagsabgeordneter Andreas Schwarz, Verkehrsminister Winfried Hermann, VPA-Geschäftsführer Rolf Dautel-Haußmann und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker begutachten ein fahrschultaugliches Elektroauto. Auf dem unteren Bild testet Andreas Schwarz den Fahrsimulator der VPA in der Kirchheimer Hahnweidstraße.Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Es genügt nicht, eine neue Technologie auf den Markt zu bringen. Man muss auch die Menschen an die Technik heranführen“, sagt Rolf Dautel-Haußmann, Geschäftsführer der Verkehrsfachschule (VPA). Vor zwei Jahren, zu Beginn der „e-Fahrschule“, sei die Technologie noch längst nicht in allen Bereichen einsatzfähig gewesen: „Es war gar nicht so leicht, fahrschulgerechte Elektrofahrzeuge zu finden.“

Verkehrsminister Winfried Hermann in KirchheimBesichtigung der Verkehrspädagogischen Akademie Kirchheim/Teck (VPA) in der Hahnweidstraße 101
Verkehrsminister Winfried Hermann in KirchheimBesichtigung der Verkehrspädagogischen Akademie Kirchheim/Teck (VPA) in der Hahnweidstraße 101

Inzwischen hat sich das deutlich verbessert, sodass Projektleiter Christian Huck vom Weiterbildungszentrum Ulm über beachtliche Erfolge der acht aktiv beteiligten Partnerfahrschulen berichten konnte: „Insgesamt sind jetzt rund 500 Fahrstunden auf Elektroautos absolviert worden, was schon allein bei der Ausbildung zur CO2-Minderung beiträgt.“ Zusätzlich sei angedacht, die Zahl der Fahrstunden um rund 30 Prozent zu verringern. Das soll dadurch geschehen, dass sich die Fahrschüler im Elektroauto zunächst einmal voll und ganz auf den Straßenverkehr konzentrieren können, anstatt sich von Schwierigkeiten mit Kupplung und Schalthebel irritieren zu lassen. Der Umstieg auf ein Auto mit Verbrennungsmotor und Schaltgetriebe kommt später, sodass die Fahrschüler am Ende einen „vollwertigen“ Führerschein erhalten, der nicht nur auf Automatikautos beschränkt ist.

Für Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann ist das eine wichtige Weichenstellung auf dem Weg zu einer „nachhaltigen Mobilität“, die umwelt- und ressourcenschonend sein soll, die Klima und Menschen so wenig wie möglich belastet. Immerhin hat der Grünen-Politiker erkannt, dass die Menschen in unterschiedlichen Situationen auf unterschiedliche Transportmittel angewiesen sind: „Es geht nicht alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Manchmal braucht man auch einen Zug, ein Auto oder ein Flugzeug.“

Winfried Hermann will deshalb auch keinen Kampf gegen das Auto führen: „Wir werden immer viele Autofahrer haben in Baden-Württemberg.“ Das Auto lasse sich nicht abschaffen. Allerdings müssten sich Wirtschaft und Politik Gedanken machen, wie es sich erreichen lässt, „dass das Auto von heute nicht mehr das Auto von morgen ist“. Die Wirtschaft habe in den vergangenen 15 Jahren viel Geld in die neue Technologie investiert. Inzwischen gebe es bereits 30 verschiedene Elektroauto-Modelle von deutschen Herstellern.

Nun gehe es also darum, die Elektromobilität gesellschaftlich und kulturell zu verankern. Allzu schnell werde das aber nicht vonstattengehen, meint Winfried Hermann und erinnert an ein anderes Phänomen: „Es hat ungefähr 50 Jahre gedauert, bis sich in Deutschland die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man gar nicht selber schalten muss, sondern automatisch schalten lassen kann.“

Entsprechend langsam steige bis jetzt auch die Zahl der Elektroautos an. Immerhin hätten sich die Fahrzeuge beim „Reichweitenproblem“ stark verbessert. Politik und Wirtschaft seien nun gefordert, die Infrastruktur der Ladestationen auszubauen. An die Fahrlehrer in der VPA gewandt, fügte der Verkehrsminister noch hinzu, dass sie bei ihren Fahrschülern außer für die Verbreitung der Elektromobilität auch für „mehr Miteinander, mehr Gelassenheit und weniger Stress“ im Straßenverkehr sorgen mögen. Dadurch lasse sich vielleicht auch die Zahl der Verkehrstoten noch weiter senken.

Der Kirchheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz mahnte an, dass der Strom für Elektrofahrzeuge aus erneuerbaren Energiequellen stammen sollte. An der „e-Fahrschule“ lobte er insbesondere, dass sie einen wichtigen Beitrag für die Ökologie leiste. Wie die gesamte Elektromobilität sorge sie einerseits dafür, dass CO2 eingespart wird, und andererseits dafür, „dass es auf unseren Straßen leiser zugeht“.

Info

Die Verkehrsfachschule in Kirchheim (VPA) – früher einmal Verkehrspädagogische Akademie – ist einer von bundesweit neun Standorten für die Ausbildung von Fahrlehrern. Wichtige Informationen zum Beruf und zur Ausbildung finden sich im Internet unter der Adresse www.fahrlehrer-karriere.de. Die Kirchheimer Verkehrsfachschule ist unter der Adresse www.vpa.de zu finden.

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