Konzert des Schwäbischen Kammerorchesters in der Marienkirche in Bissingen
Hochkarätige junge Solisten

Bissingen. Die Bissinger Marienkirche platzte am Sonntagabend fast aus allen Nähten. Der Verbund aus 
sinfonischer Klasse und hochkarätigen jungen Solisten, den das Konzert des Schwäbischen Kammerorchesters im Gotteshaus der Seegemeinde zu bieten hatte, verfehlte seine Wirkung nicht und wurde mit regem Publikumsandrang belohnt.

Mit Jonathan Müller als Solist in Leopold Mozarts Konzert für Trompete, Streicher und zwei Hörner setzte das Schwäbische Kammerorchester unter der Leitung von Matthias Baur ein frühklassisches Werk an den Beginn eines stilistisch kontrastreichen Programms. Warum Jonathan Müller – mehrfach preisgekrönter Solist, Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und Mitglied im Gustav-Mahler-Jugendorchester sowie im Orchestra Mozart unter Claudia Abbado – bereits in jungen Jahren einen so kometenhaften Aufstieg nehmen konnte, wurde von Beginn an klar. Hier schien einfach alles zu stimmen: eine facettenreiche, nach Belieben changierende Bandbreite der Artikulation, ein geschmeidiger und hochkultivierter Ton, der sich weder in Kraftmeiereien flüchten noch hinter Kapriolen verstecken muss, vielmehr in schlanker, klangschöner Sanglichkeit ganz im Dienst der musikalischen Interpretation aufging.

Künstlerische Qualitäten, hinter denen die Darbietung von Franz Steiff nicht nachstand, der den Solopart in Antonio Vivaldis Winter-Konzert aus den „Vier Jahreszeiten“ übernahm. Das Schwäbische Kammerorchester als klangmalerisch schillernden Begleitapparat im Rücken, meisterte er den virtuosen Violinpart mit zupackender Grandezza, furioser Akkuratesse und einer hochsensiblen Klanggebung.

Die 1965 entstandenen Magnificat-Variationen für Piccolo-Trompete und Streichorchester aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Bernhard Krol standen als ein für Musiker wie Hörer gleichermaßen gewichtiger Brocken in der Mitte der Programmfolge. Krol – im Jahr 1920 in Berlin geboren – lebt heute in Ostfildern und kann auf eine langjährige Tätigkeit als Hornist beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart sowie auf ein umfangreiches kompositorisches Werk zurückblicken, in dem insbesondere geistliche Werke großen Raum einnehmen. Hörerfahrungen, wie man sie mit der Musik des 20. Jahrhunderts etwa an Werken eines Paul Hindemith erüben kann, mögen den Zugang zu Krols groß angelegter Variationenfolge erleichtert haben, denen der Komponist ein Zitat des Magnificats von Johann Sebastian Bach zugrunde gelegt hat und im Verlauf des Stücks kaleidoskopartig aufscheinen lässt. Ein weiterer großer Auftritt für Jonathan Müller, der in den dicht gewobenen Atmosphären seine beachtliche Ausdrucksvielfalt unter Beweis stellen konnte. Eine reizvolle Herausforderung auch für das Orchester, das dem kontrapunktisch verschlungenen Tonsatz größtenteils mit bemerkenswerter Souveränität und gestalterischem Geschick begegnete.

Gekonnt spürte das Schwäbische Kammerorchester dem historisch bewegten Lauf kontrapunktischer Tradition mit Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll weiter nach, bevor die Künstler mit Antonio Vivaldis Konzert für zwei Trompeten, Streicher und Basso continuo zu einem glanzvollen Finale einläuteten. Mit seinem Bruder Jonathan solistisch auf Augenhöhe musizierend, dem konzertanten Dialog zu berückender Brillanz und Pracht verhelfend, ergänzte hier Benjamin Müller die solistische Phalanx und sorgte mit seinen Musikerkollegen für eine von barocker Motorik impulsierte Abrundung eines großartigen Konzerts, das keine Wünsche offen ließ. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen und lang anhaltendem Applaus.