13.01.2016 - 02:02 Uhr

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Einmal Prinzessin sein

Judith Reischl
Brautmoden Spieler
Brautmoden Spieler

Lenningen/Hohenstadt. „Ich habe ein Prinzessinnenparadies – kein Brautmodengeschäft“, lacht Yvonne Spieler. Ursprünglich aus Schopfloch stammend, hat Yvonne Spieler ihr Brautmodenfachgeschäft nach


Yvonne Spieler mit Brautschuhen weiß und eingefärbt
Yvonne Spieler mit Brautschuhen weiß und eingefärbt

Hohenstadt auf die Schwäbische Alb verlegt. Und wer die Stufen in den 1.  Stock nach oben steigt, und wem sich die Tür öffnet, dem entfährt beim ersten Blick in den hellen Raum ein staunendes „Ohh“ – überwältigend ist die weiße Pracht, die sich hier auftut.

„So ist das immer“, sagt Schneidermeisterin Yvonne Spieler. „Der erste Eindruck ist immer überwältigend. Aber die Braut kann ja in Ruhe aussuchen und probieren. Und ich bin ja auch da: Ich sehe die Braut an, und weiß genau, welche Kleider von der Figur her zu ihr passen“.

Doch es ist ein ganz besonderes Erlebnis, Brautkleider anzuprobieren. Das kann man nämlich nicht allein. Für eine moderne junge Frau ist es seltsam, sich einkleiden zu lassen. Doch die Kleider wiegen drei bis fünf Kilogramm, es gibt auf dem Rücken Korsagen, Schnürungen und viele Knöpfe. „Einfach die Arme nach oben und ins Kleid eintauchen“, rät Yvonne Spieler und hilft bei der Anprobe. Hinten die Schnürung geschlossen, die Schleppe ausgebreitet, und aus der Frau in Jeans wird tatsächlich eine Prinzessin. Man steht gleich aufrechter da, fühlt sich ganz anders, königlicher. Da die Kleider extra bestellt werden, sollte jede Braut sechs bis neun Monate vor der Hochzeit ihr Traummodell auswählen.

Ganz schlichte Brautkleider kosten ab 400 Euro. Doch je mehr Perlen, Spitze, je aufwendiger die Verarbeitung und das Material, dann kann ein Traumkleid auch auf 1 000 Euro kommen. Was zuerst viel erscheint, relativiert sich, wenn man etwas genauer hinschaut. „Die Brautkleider sind fair im Preis“, sagt Yvonne Spieler. Für ein Kleid wird viel Stoff benötigt: etwa zwölf Meter Oberstoff, je nach Modell 10 bis 20 Meter Tüll und zehn Meter Futter. „Die Spitze, Glasperlen und Pailletten werden von Hand appliziert“, erklärt Yvonne Spieler. Dazu kommen drei bis vier Anproben, und dann die Zeit, die die Schneidermeisterin braucht, um Länge und Größe zu ändern. So kommen, mit der ersten Anprobe, schnell sechs Stunden Arbeitszeit für Yvonne Spieler zusammen.

Sie hat ein Auge für die Proportionen der Bräute, kennt die Kleider und sieht so sehr genau, was die Braut am besten kleiden wird. „Die Braut muss mehrere Kleider anprobieren, spüren, wie sie sich fühlt. Ich erzähle die Besonderheiten jedes Kleides. Ich habe für jede Figur das richtige Brautkleid da, ob in Größe 44 oder 36. Auch für Schwangere findet sich das passende Modell.“

Auch im praktischen Umgang mit den ungewohnten Kleidern lässt Yvonne Spieler ihre Prinzessinnen nicht im Stich. „Ich zeige den Bräuten auch, um ihnen die Angst vor dem Kleid zu nehmen, wie man tanzt, wie man mit dem Reifrock auf die Toilette geht oder ohne peinliche Zwischenfälle vor dem Altar kniet“.

In ihren Räumlichkeiten hat Yvonne Spieler auch an alles andere gedacht: Es finden sich Strümpfe, Strumpfbänder, eine Auswahl an Satinschuhen, die später eingefärbt werden können, für den perfekten Haarschmuck kleine Rosen, sogenannte „Curlies“, die wie bei Sisi ins Haar gedreht werden, Diademe, Schleier, Hüte, und sogar passende Dessous, . . . Keine Braut muss von Laden zu Laden jagen oder unpersönlich im Internet bestellen.

Für die Schneidermeisterin Yvonne Spieler ist ihr „Prinzessinnenparadies“ ein Traum, den sie sich neben ihrer Hauptarbeit in einem Büro erfüllt: „Das Strahlen der Bräute an ihrem Hochzeitstag gibt mir unglaublich viel Kraft und Freude“.

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