17.02.2017 - 02:17 Uhr

Share | | | |

MECplus besetzt mit Spezialprodukten lukrative Nischen

Unternehmensnachfolge Owener Unternehmen hat sich nach dem Tod des Geschäftsführers 2012 neu aufgestellt.

Ralf Bachofer und Karin Waldow haben MECplus in Owen gemeinsam mit ihren 30 Mitarbeitern wieder auf Erfolgskurs gebracht.Foto: Carsten Riedl
Ralf Bachofer und Karin Waldow haben MECplus in Owen gemeinsam mit ihren 30 Mitarbeitern wieder auf Erfolgskurs gebracht.Foto: Carsten Riedl

Owen. MECplus in Owen hat - unverschuldet - turbulente Zeiten hinter sich. Inzwischen ist das Unternehmen in ruhigerem Fahrwasser gelandet und befindet sich auf Wachstumskurs - unter anderem dank innovativer Spezialprodukte in kleiner Stückzahl, die in enger Abstimmung mit den Kunden entwickelt werden.

2000 hat das Unternehmen die Arbeit aufgenommen. Es handelte sich damals um die komplette Mechanik, die von Leuze electronic ausgelagert worden war, wie die geschäftsführende Gesellschafterin Karin Waldow berichtet. Ihr Mann Karsten war Mitbegründer von MECplus. 2008 kam der erste große Rückschlag in Form der Wirtschaftskrise, und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen eine neue große Produktionshalle bezogen hatte.

Als 2011 „richtig gute Zahlen“ geschrieben wurden, kam es im Sommer 2012 zur ganz großen Katastrophe: Völlig unerwartet starb Karsten Waldow. Karin Waldow musste lange nach einem Betriebsleiter suchen, der das nötige Know-how mitbrachte. Anfang 2014 stieg schließlich Ralf Bachofer mit in die Geschäftsleitung ein. Mit ihm war der technische Betriebsleiter gefunden.

Die Firma wurde neu ausgerichtet, Lean-Prinzipien wurden eingeführt. Kurze Produktionszeiten sind ein weiteres Markenzeichen. Der Kundenkreis ist breit gestreut. Rund 120 aktive Kunden zählt das Unternehmen. Der Jahresumsatz liegt derzeit bei etwa vier Millionen Euro. Ralf Bachofer führt den Erfolg vor allem auf die 30 Mitarbeiter zurück: „Die müssen das ja auch wollen und mitmachen. Wenn die nicht gewesen wären, hätten wir die ganzen Umstellungen nicht geschafft.“ Karin Waldow sieht es ähnlich - vor allem im Blick auf die schwierige Zeit nach dem Tod ihres Mannes: „Die Mitarbeiter sind damals fast alle geblieben. Alle haben gesagt, wir machen einfach weiter.“

Zu den besonderen Produkten und Entwicklungen im Portfolio gehört derzeit unter anderem die Fertigbearbeitung von Elektronikgehäusen für Steuergerätesoftware, die vor allem in Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen.

Diese Gehäuse werden in Owen ebenso in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt wie beispielsweise ein Stereoskop für Sehtestlösungen. Das Besondere an diesem Gerät ist, dass es nicht beim Optiker oder beim Augenarzt zum Einsatz kommt, sondern beim Orthopäden: „Man kann mit diesem Test Fehlhaltungen erkennen, die sich durch Einlagen korrigieren lassen“, erklärt Karin Waldow. Die Produktion dieses Geräts soll sich jetzt von hundert auf dreihundert pro Jahr verdreifachen. Es sind solche Spezial-Lösungen, die trotz vermeintlich geringer Stückzahlen den derzeitigen Erfolg des Unternehmens ausmachen.

Eine andere Geschichte ist die mit dem neu entwickelten Gerät für die Virologe-Diagnose in Veterinär-Laboren: Es geht darum, jeweils fünf Beads (kleine Kügelchen) abzuzählen und zu portionieren. Bis vor kurzem machten das noch Laborangestellte von Hand. In Zukunft geht es maschinell - dank MECplus. Auch in diesem Fall handelt es sich nicht um ein Massenprodukt, aber eben doch um eine Entwicklung, mit der sich dauerhaft viel Geld einsparen lässt. Die Nischen, in denen sich MECplus niederlässt, mögen zwar klein sein. Aber sie sind lukrativ für denjenigen, der sie zu besetzen weiß.Andreas Volz

Artikel kommentieren
Share | | | |