15.07.2013 - 02:02 Uhr

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Beziehungen aufbauen und Begeisterung wecken

Zum vierten Mal vergaben die Evangelische Landeskirche Württemberg und die Evangelische Akademie Bad Boll den Württembergischen Fundraisingpreis. Unter den Gewinnern: die Evangelischen Kirchengemeinden Kirchheim und Oberlenningen.

daniela Haussmann

Bad Boll. Vielgestaltig und erfolgreich betreiben evangelische Kirchengemeinden in Württemberg Fundraising. Mit ausgeklügelten Konzepten und pfiffigen Aktionen wird versucht, Dienstleistungen, Geld- und Sachmittel zu beschaffen für einen bestimmten Zweck. Ob Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen oder staatliche Stellen für öffentliche Zuwendungen, mit Fundraising sollen Förderer, Spender und Unterstützer für ein Projekt gewonnen werden. Die Methoden reichen von der Kontaktarbeit via Telefon über die persönliche Beziehungsarbeit bis zu Unternehmenskooperationen oder Patenschaften.

Was sich mit Fundraising bewirken lässt, zeigte das „gut beDACHt“-Fundraising-Team der Evangelischen Kirchengemeinde Oberlenningen. Die Sankt Martinskirche weist erhebliche Schäden an den Dachtragwerken auf, wie Teammitglied Sebastian Baumann erklärte. Ein Gutachten dokumentierte Risse im Mauerwerk und Zerstörungen an den tragenden Holzbauteilen durch Witterungseinflüsse, Pilze und Insekten. Die Instandsetzung muss laut Baumann unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgen. „Die Kosten dafür belaufen sich auf 400 000 Euro“, so Baumann. „200 000 Euro müssen aus Spenden, Zuschüssen und Eigenmitteln finanziert werden.“

Um die Kirchengemeinde zu unterstützen, bildeten Sebastian Baumann, Andrea Leitner, Bettina Schulmeyer, Stefan Maurer und Klaus Schall ein Fundraising-Team. Am 28. Juli 2012 fiel der Startschuss für eine Veranstaltungsreihe, die Menschen unterschiedlicher Altersgruppen ansprechen und auf die anstehenden Sanierungsarbeiten aufmerksam macht. Mit jedem neuen Event fanden die Ehrenamtlichen neue Unterstützer. „Außerdem waren die Besucher wichtige Multiplikatoren“, sagte Baumann. „Sie trugen dazu bei, dass unser Projekt mit jedem neuen Event bekannter wurde.“

Darüber hinaus initiierten die Ehrenamtlichen des „gut beDACHt“-Teams auch den Verkauf von Vesperbrettchen, Dosenwurst und Sekt. Diese Artikel tragen das Logo des Fundraising-Teams, das auch die Umrisse der Sankt Martinskirche zeigt. „Die Brettchen und auch die Wurst wird uns gespendet“, erzählte Sebastian Baumann. „Das ist für uns eine große Unterstützung. Den Verkauf organisieren wir über Läden, die uns damit unter die Arme greifen.“ Zwischenzeitlich hat das Team 189 000 Euro eingenommen. Das Engagement ist auf zwei Jahre festgelegt und die Beteiligten sind sicher, dass sie bis 2014 die noch fehlenden 11 000 Euro eingenommen haben. Für sein Engagement erreichte das „gut beDACHt“-Team in der Kategorie „Gesamtkonzept“ den dritten Platz. Das Preisgeld in Höhe von 400 Euro fließt in das Sanierungsvorhaben.

Das Fundraising-Team der Kirchheimer Martinskirche errang in der Kategorie „Einzelmaßnahmen“ den ersten Platz. Werner Dresel, Pfarrer Jochen Maier, Silvia Rath, Wolfgang Eckel und Rotraut Laskowski erhielten ein Preisgeld in Höhe von 1 200 Euro. Genau wie die Ehrenamtlichen aus Oberlenningen setzten sie sich unter 26 eingereichten Projektbewerbungen durch. Um die Dachsanierung der Kirchheimer Martinskirche zu finanzieren, galt es für die Kirchengemeinde 100 000 Euro aufzubringen. Unter dem Motto „Martin sucht Dach-Paten“, verkaufte die Kirchengemeinde Quadratmeterflächen des Daches zum Preis von 48,50 Euro. „Dadurch wurde die große Herausforderung in überschaubare und zur Beteiligung anregende Einzelteile zerlegt“, berichtete Pfarrer Jochen Maier.

Werner Dresel vom Fundraising-Team der Kirchheimer Martinskirche erzählte, dass zwischenzeitlich 57 Prozent der Dachfläche einen Paten gefunden haben. „Die Aktion wurde äußerst professionell aufgezogen“, wie Laudator und Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup betonte. Geworben wurde für die Aktion mit Prospekten, einem Spendenbaum, 13 000 Miniatur-Martinskirchen für Kleinstspenden aller Gemeindemitglieder, mit Patenschaftsurkunden, einem Großplakat an der Kirche, mit Presseberichten und Aufstellern in Geschäften. Zwischenzeitlich sind Werner Dresel zufolge mehr als 100 000 Euro zusammengekommen. Doch damit endet das Engagement nicht, wie er betonte. „Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, denn es stehen noch weitere Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe an“, so Dresel. „Das Mauerwerk, die Fenster und auch die Innenräume der Kirche müssen noch instand gesetzt werden, daher geht die Arbeit mit neuen Aktionen weiter.“

Martin Kastrup, der zugleich auch Finanzdezernent der Evangelischen Landeskirche Württemberg ist, betonte in seiner Laudatio, dass die Qualität der Bewerbungen mit den Jahren signifikant gestiegen sei: „Fundraising hat sich tatsächlich vom vermeintlichen Zauberwort zur realisierbaren Zukunftsformel entwickelt. Und zwar, weil Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen systematisch an dem Fundraising-Dreisprung arbeiten: Beziehungen aufbauen, Begeisterung wecken, zur Beteiligung einladen.“ So gelinge es in eindrucksvoller Weise, Projekte mithilfe von Spendern, Stiftern und Sponsoren zu realisieren.

Pfarrer Helmut Liebs, Fundraisingbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Württemberg, erklärte, dass die Mittel-Akquise in Zeiten knapper Kassen immer wichtiger werde. Der Fundraisingpreis solle das Engagement der Ehrenamtlichen wertschätzen, sie motivieren weiterzumachen und anderen Mut machen, selbst Fundraising zu betreiben. Werner Dresel und Sebastian Baumann waren sich sicher, dass der Preis auch dazu beiträgt allen Förderern zu zeigen, dass sie ein nachhaltiges Projekt unterstützen.

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