09.03.2010 - 14:30 Uhr

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„Die Akkus sind voll aufgeladen“

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Drei Spiele stehen in der Handball-Bezirksliga noch aus. Vier Punkte beträgt der Vorsprung des VfL Kirchheim auf die beiden Verfolger aus Plochingen und Reichenbach. Kann da noch etwas schiefgehen? VfL-Coach Ralf Wagner ist überzeugt: Seine Mannschaft ist reif für die Landesliga.

Bernd Köble

Kirchheim. Hielte der Mann es im Straßenverkehr ähnlich wie im Sport, ein Stammplatz auf der Flensburger Sünderliste wäre ihm wohl sicher. Ralf Wagner ist kein Freund von Tempolimits. Wer ihm gedanklich auf den Fersen bleiben will, braucht eine gute Auffassungsgabe und seit seine Mannschaft umsetzt, was der Chef in rasante Sätze packt, geht auf dem Spielfeld die Post ab. Der VfL 2010 – das ist Handball, der Emotionen schürt und für volle Ränge sorgt. Nicht immer hochgradig effizient, aber meist erfolgreich. Führt Ralf Wagner die Blaugelben wie erwartet in die Landesliga, dann ist er in seiner zweiten Saison beim VfL dort angelangt, wo der Verein sein „Fernziel“ verortet hat.

Dies, obwohl die Mannschaft in der Hinrunde nur ein einziges Mal auf Platz eins der Tabelle stand. Das war am ersten Spieltag nach einem fulminanten 39:17-Sieg gegen den jetzigen Aufstiegskonkurrenten TV Plochingen II. Danach gab lange Zeit der Lokalrivale aus Weilheim den Ton an. Phasenweise roch es gar nach einem Zweikampf beider Teckteams um den Titel. Seit Januar ist der VfL nicht nur einsame Spitze, er hat nach geglückter Revanche fürs Hinspiel auch die Weilheimer de facto aus dem Wettbewerb gekegelt.

Jetzt fehlen noch drei Punkte aus drei Spielen, um aus eigener Kraft alles klar zu machen. Ein Vier-Punkte-Polster auf das Verfolger-Duo aus Plochingen und Reichenbach schenkt kurz vor dem entscheidenden Dreikampf Sicherheit. Gewissheit gibt es frühestens am 21. März nach dem Auswärtsspiel in Neuhausen, vorausgesetzt die Konkurrenz rollt nicht schon vorher die Segel ein. Die Partie auf den Fildern gilt für den Trainer denn auch als die schwerste Prüfung auf dem Weg zur Meisterschaft. „Dort weiß man nie, was einen erwartet“, rechnet Wagner mit dem einen oder anderen Rekruten aus dem erweiterten Kreis der Regionalliga-Mannschaft. Ob schon kommende Woche in der Egelsee-Sporthalle die Korken knallen werden oder erst eine Woche später beim finalen Heimkampf gegen den TV Denkendorf, hängt von einem Dritten ab, den man auf dieser Rechnung nur allzu leicht übersieht: Mit dem TSV Neckartenzlingen kommt am Samstag der Drittletzte in die Walter-Jacob-Halle. Das klingt wenig Furcht einflößend, doch man erinnere sich: Gegen das Neckar-Team ließen die Kirchheimer in der Hinserie einen von bisher nur fünf Punkten auf der Strecke. Nicht nur deshalb spricht Ralf Wagner von einem „unbequemen Gegner“, der überdies schon den TV Reichenbach in dessen eigener Halle zu Fall brachte. Also, nichts dem Zufall überlassen, zumal der VfL im direkten Vergleich mit den Reichenbachern den Kürzeren ziehen würde.

Schaulaufen für die Galerie war deshalb gestern: „Ab jetzt gibt es keinen Schönheitspreis mehr zu gewinnen“, versucht der Trainer den Kreativdrang seiner Mannschaft etwas zu bremsen. Er glaubt fest daran, dass das Nervenkostüm hält. „Wir stehen schon seit Wochen konstant unter Druck“, sagt Wagner. „Die Mannschaft hat sich mit dieser Situation inzwischen angefreundet.“ Bestes Beispiel: Der hart erkämpfte Arbeitssieg am vergangenen Sonntag in Stuttgart zählt zu jenen Spielen, die Kraft kosten, dafür den Glauben an die eigene Stärke zementieren. Damit die Kraft bis zur Ziellinie reicht, hat Wagner die Zügel im Training zuletzt etwas gelockert. Mit Erfolg: „Die Akkus sind wieder voll aufgeladen und alle Mann an Bord,“ sagt er. Damit hat der VfL am Samstag gegen Neckartenzlingen auch wieder eine zusätzliche Alternative auf der Spielmacherposition. Mit Mittelmann Matthias Mikolaj, der beim Sieg gegen Weilheim vor einem Monat mit angebrochenem Nasenbein vom Feld musste, kehrt ein wichtiger Impulsgeber zurück.

Die Zuversicht beim VfL ist groß, und hinter den Kulissen wird schon eifrig am Gerüst für die neue Saison gezimmert. Seit klar ist, dass Spielmacher Roman Keller ein Jahr im Ausland verbringen wird, hat die Suche nach Verstärkung im zentralen Rückraum begonnen. Eine Personalentscheidung mit Blickrichtung Landesliga war bereits die Verpflichtung des 22-jährigen Matthias Bauer, der erst vor Wochen vom Württembergligisten TG Nürtingen kam und den linken Rückraum verstärkt. „Keine Frage, wir müssen punktuell nachrüsten“, bekräftigt Ralf Wagner. Bei drei Direktabsteigern aus der Landesliga stürzt der Fahrstuhl nur allzu schnell wieder in die Tiefe.

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