Mit dem vorläufigen Aus für das Kirchheimer Radrennen verliert die Stadt eines ihrer sportlichen Aushängeschilder. Günter Riemer, Bürgermeister und Präsident des Württembergischen Radsportverbandes (WRSV) weiß: Kirchheim ist nur ein Beispiel von vielen.
Bernd Köble
Herr Riemer, Sie sind mit ganzem Herzen Radsportfan. Wie sehr schmerzt das Aus fürs Rennen in Kirchheim?
Riemer: Für die Stadt Kirchheim ist es sicherlich ein großer Verlust. Das Rennen war immer Anziehungspunkt für viele Menschen in der Innenstadt. Es war ein herausragendes Ereignis in unserem Veranstaltungskalender und für mich als Radsportbegeisterten war es vor allem eines: Radsport zum Anfassen.
Kommt das Ende für Sie überraschend?
Riemer: Wenn man die Gesamtsituation betrachtet, in der sich der Radsport befindet, natürlich nicht. Fast alle Radsportvereine haben Probleme, Geldgeber zu finden. Vor allem Profirennen sind aufgrund der anhaltenden Dopingproblematik nur noch schwer zu vermarkten. Die Wirtschaftskrise legt noch einen drauf und macht es für Veranstalter inzwischen schwierig, selbst an Kleinstbeträge zu kommen.
Lässt sich diese Entwicklung irgendwie in Zahlen fassen?
Riemer: Wir haben im Verbandsgebiet des WRSV 2010 noch 39 Rennen im Kalender stehen. Vor einigen Jahren waren das noch mehr als 60. Der Trend macht sich überall bemerkbar. Die Veranstaltungen in Esslingen und Ravensburg gibt es nicht mehr. Die Regio-Tour ist kein Profirennen mehr, in Albstadt gibt es inzwischen nur noch Mountainbiker und selbst traditionelle Großveranstaltungen wie die Deutschland-Tour sind Geschichte. Die Liste wird immer länger.
Was also tun?
Riemer: Es muss ein konsequenteres Eintreten für den Antidopingkampf geben. Der BDR ist meiner Meinung nach in diesem Punkt nicht offensiv genug. Dann gilt es, im Nachwuchsbereich die Grundlagen für eine bessere Zukunft zu legen. Wir arbeiten im Verband an vielerlei Konzepten, die aufklären, aber auch Werbung für den Radsport sein sollen.
Ein Beispiel?
Riemer: Seit vergangenem Jahr bereits gibt es das Projekt „Bike-Pool“, eine Kooperation von Kultusministerien und Landesverbänden. Schulen, örtliche Radsportvereine und Händler schließen sich dabei zusammen und bieten Fahrrad-AGs an. Dabei werden auch Schulmannschaften gegründet und Rennen veranstaltet. Das Besondere daran ist, dass die Räder zur Verfügung gestellt werden. Oft ist die Anschaffung des teuren Sportgeräts das größte Hindernis beim Einstieg in den Radsport.
Der Veranstalter des GP Kirchheim hat seine Hoffnungen auf eine Neuauflage noch nicht begraben. Er schielt dabei mit einem Auge auf die Wirtschaftsförderung der Stadt.
Riemer: Auch wenn das Thema Wirtschaftsförderung nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fällt: Ich sehe im Moment keinen Ansatzpunkt, der realistisch wäre. Die Stadt hat das Rennen in der Vergangenheit schon durch Bauhofleistungen unterstützt. Für ein finanzielles Engagement darüber hinaus ist es sicherlich nicht die richtige Zeit.
Schon 2009 waren in Kirchheim deutlich weniger Profis am Start. Stattdessen wurde vom Veranstalter der Nachwuchs mehr in den Blickpunkt gerückt und das Hobbyrennen neu belebt. Wäre dies ein Weg für einen möglichen Neuanfang?
Riemer: Schwierig. Es ist natürlich immer zu befürworten, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Der besondere Reiz des Kirchheimer Rennens liegt aber in seinem Kurs mitten durch die Innenstadt. Eine ganze Innenstadt für einen kompletten Tag abzuriegeln, ist ein sehr hoher Aufwand. Da gilt es abzuwägen: Handelt es sich um eine Großveranstaltung mit entsprechendem Werbecharakter für die Stadt oder um einen Rennkurs mit geringer Teilnehmerzahl und entsprechender Zuschauerresonanz, der genauso gut auch anderswo stattfinden könnte?
Unser aktuellstes Sonderthema

Wir suchen Zusteller für die regelmäßige Verteilung des Teckboten sowie des Kirchheimer Echos, Prospekten und diverser vom GO Verlag herausgegebenen Mitteilungsblätter.
Bei Interesse klicken Sie einfach hier!








(4 Kommentare)
(1 Kommentare)
(1 Kommentare)