27.08.2010 - 15:10 Uhr

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„Überheblich und pomadig“

bk

Es hat wieder nicht geklappt mit dem ersehnten ersten Heimsieg. Auch im dritten Anlauf reichte es für den VfL Kirchheim nur zu einem 2:2 (1:2) gegen Oberliga-Aufsteiger SV Linx. Trainer Rainer Kraft ärgerte sich maßlos über den Auftritt seiner Mannschaft, speziell in der ersten Halbzeit: „Das war überheblich und pomadig. Einige haben wohl gedacht, sie wären noch in Mannheim.“

KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Immer, wenn der VfL positive Schlagzeilen geschrieben hat wie nach dem 2:0-Sieg bei Waldhof Mannheim, scheint der eine oder andere Spieler schnell die Bodenhaftung zu verlieren. Nicht anders ist die Vorstellung in der ersten Halbzeit zu erklären, in der manche meinten, es locker und lässig angehen lassen zu können.

Die Quittung war ein 1:2-Rückstand zur Pause, der Kraft auf die Palme brachte: „Immer die gleichen Fehler, immer stehen wir viel zu weit weg von unseren Gegenspielern. Es reicht eben nicht, wenn man seinen Einsatz zehn oder zwanzig Prozent herunterfährt. Ich bin stocksauer.“ Die erste große Nachlässigkeit in der Abwehr wurde sofort bestraft. Der bullige Mittelstürmer Valon Salihu, einer von sechs Franzosen im Linxer Team, umkurvte drei Kirchheimer wie Slalomstangen und schoss aus 16 Metern unhaltbar für Benny Huber zum 0:1 ein (13. Minute). Beim nächsten Konter verfehlte Salihu nach glänzender Vorarbeit des pfeilschnellen Paul M‘Bela das VfL-Tor nur um Zentimeter (27.). Ein Foulelfmeter bescherte Kirchheim den schmeichelhaften Ausgleich. Der aufgerückte Michael Hofstetter wurde von Sven Huber bedrängt und zu Fall gebracht, Gioacchino Colletti verwandelte links flach zum 1:1 (31.). Der VfL-Anhang schöpfte neue Hoffnung, doch es ging immer noch kein Ruck durch die Mannschaft.

Regen setzte ein, und genau in dieser Phase wurde die Abwehr der Blauen ein zweites Mal nass gemacht. Nico Kauffmann verschätzte sich bei einem Pass auf Nicolas Loison. Dessen Vorlage von rechts verfehlte Hofstetter und Eisenhardt, Salihu bedankte sich mit seinem zweiten Treffer zum 1:2-Pausenstand (35.).

Zur zweiten Halbzeit wechselte Trainer Kraft den kurzfristig verpflichteten Michael Kümmerle ein. Mit ihm kam endlich Struktur ins Spiel. Seine Neben- und Vorderleute liefen plötzlich in die Gassen, die ihnen der erfahrene 31-jährige Ex-Profi mit präzisen Vorlagen eröffnete. Der VfL wurde von Minute zu Minute besser, der Ausgleich lag in der Luft.

Ein Platzverweis in der 68. Minute war dann der Knackpunkt der Partie – ähnlich wie zwei Tage zuvor beim Europa-League-Spiel des VfB Stuttgart gegen Slovan Bratislava. Nico Schlieter foulte Maximilian Laible. Der Linxer, vorher wegen eines Fouls schon mit Gelb belastet, sah die Ampelkarte und musste vom Platz. Der fällige Freistoß von Kümmerle wurde abgeblockt, doch Kapitän Chris Eisenhardt war zur Stelle und erzielte, abgefälscht von Mohamed Savane, den verdienten Ausgleichstreffer (68.).

Mit zehn Mann beschränkte sich Linx darauf, das Unentschieden über die Zeit zu bringen. Noch zweimal lag der Kirchheimer Siegestreffer in der Luft. Erst in der 77. Minute, als Nico Kauffmann einen fulminanten 30-Meter-Freistoß abfeuerte, den Torwart Dominic Bleich mit einer Wahnsinnsparade über den Kasten lenkte (77.). In der 84. Minute hatte der unermüdliche Ferdi Er nur noch den Torwart vor sich, kam ins Stolpern und die Chance war dahin (84.).

Letztlich war das Remis verdient. Wenigstens etwas Positives konnte Kraft mit ins nächste Spiel am Freitag beim Neuling VfB Neckarrems mitnehmen: Die Moral stimmt, der VfL hat zweimal einen Rückstand aufgeholt. Stark verbesserungswürdig sind dagegen das Abwehrverhalten, das Spiel ohne Ball und die Freistöße, die fast alle zu kurz kamen und mühelos entschärft werden konnten. Allen vier eingesetzten Stürmern fehlte der Mut, sich gegen einen defensiv eingestellten Gegner in Eins-zu-Eins-Situationen durchzusetzen. Kraft: „Wir arbeiten dran, aber das kann noch dauern.“

VfL Kirchheim: Huber – Eisenhardt, Hofstetter, Kauffmann, Baradel – Helber (46. Kümmerle), Er, Gürol, Mayer – Colletti (58. Tunjic), Laible (72. Ziegler)

SV Linx: Bleich – Braun, Schlieter, Huber, Azeroual – Krumpa, Savane – M‘Bela (85. Pfisterer), Loison (90. Kastner), Heinz – Salihu (61. Stoll)

Tore: 0:1 Salihu (13.), 1:1 Colletti (31., Foulelfmeter), 1:2 Salihu (35.), 2:2 Eisenhardt (68.)

Gelb-Rote Karte: Schlierer (68.)

Gelbe Karte: Er, Helber, Mayer – Schlierer, Azeroual, Krumpa

Schiedsrichter: Manuel Hellwig (Böblingen)

Zuschauer: 250

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