30.08.2010 - 11:56 Uhr

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„Wolf Hirth“ im Steigflug

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Die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte ist für Kirchheims Segelflieger am Wochenende mit einem weiteren Titel zu Ende gegangen: Kathrin Wötzel wurde in Zwickau Deutsche Meisterin der Clubklasse. Mario Kießling gewann zeitgleich den Qualifikations-Grand Prix in Samedan (Schweiz). Die Fliegergruppe Wolf Hirth hat nun mit Patrick Puskeiler (Junioren), Mario Kießling, Holger Karow, Kathrin Wötzel und Klaus Lenhart (Motorkunstflug) fünf aktuelle deutsche Meister in ihren Reihen.

Rainer Rauch

Kirchheim. Geduld und gute Nerven waren bei den deutschen Meisterschaften der Frauen in Zwickau gefragt. Wasserfestspiele war nach regnerischen Tagen unter der Woche denn auch der spöttische Titel für den Wettbewerb. Das lange Warten erforderte Geduld, die geringen Punktabstände in der Wertung gute Nerven: Nur drei Punkte trennten Kathrin Wötzel in der Endabrechnung von der zweitplatzierten Swaantje Geyer: umgerechnet in Flugzeit weniger als 30 Sekunden nach vier Wertungstagen und 890 geflogenen Kilometern. Trotz der schlechten Bedingungen schaffte Kathrin Wötzel das Kunststück, an allen vier Wertungstagen die Strecke zu umrunden. Zweimal war sie Schnellste im Feld. Der Tagessieg am letzten Wertungstag sicherte ihr letztlich den Gesamtsieg. Die Hahnweide-Pilotinnen Andrea Irlbeck (Platz zehn in der Clubklasse) und Cornelia Schaich (Platz sieben in der Standardklasse) komplettierten das gute Abschneiden aus Kirchheimer Sicht.

Deutlich mehr Wetterglück hatten die Piloten beim Qualifikations-Grand Prix im Schweizer Engadin. Dort kämpften 16 Piloten aus ganz Europa um die Teilnahme am Grand- Prix-Finale nächsten Sommer auf der Wasserkuppe bei Fulda. Die Teilnehmer am Finale werden weltweit in insgesamt zehn regionalen Qualifikationswettbewerben ermittelt. Die Kirchheimer Mario Kießling und Tilo Holighaus konnten beim Grand-Prix-Finale im Januar in Santiago de Chile schon reichlich Erfahrung für diese Form des Wettbewerbs sammeln. Kießling holte in seinem Ventus 2ax nach zwei Tagessiegen bei insgesamt fünf Wertungstagen den Gesamtsieg. Mit Durchschnittsgeschwindigkeiten bis 130 km/h blieb ihm vermutlich wenig Zeit, die prächtige Kulisse der Engadiner Alpen zu genießen.

Aus den geringen Punktabständen konnte man bis kurz vor Ende des Wettbewerbes am Samstag keine Favoriten herauslesen. Hinter dem in Topform fliegenden Kießling belegte Uli Schwenk (Münsingen) in der Gesamtwertung Platz zwei. Entspannt zurücklehnen konnten sich jedoch beide nicht. Die in den Alpen beheimateten Eduard Supersperger (Österreich) und Fridolin Hauser (Schweiz) waren mit jeweils einem Tagessieg dem Duo von der Alb dicht auf den Fersen.

Dass eben auch Glück notwendig ist, um punktemäßig ganz vorne zu liegen, musste Tilo Holighaus am dritten Wertungstag erfahren. Zusammen mit dem Schweizer Fridolin Hauser hatte er sich einen Vorsprung auf das übrige Feld erflogen. Er entschied sich für die thermisch zuverlässige Wegvariante, entlang eines Grates zurück zum Ziel. Der gewählte Kurs bedeutete zwar wenige Kilometer mehr Flugweg – aber eben sichere Thermik über den Bergrücken. Hauser trennte sich von ihm, flog direkt Kurs und fand mitten über dem Tal an einer sehr untypischen Stelle starke Steigwerte. Nachfolgende Piloten erkannten die Situation, folgten Hauser und konnten damit am Kirchheimer noch vorbeiziehen. Platz zehn an diesem Tag war das ernüchternde Ergebnis für den Kirchheimer. Mit Tagesplatz zwei am Samstag meldete sich Holighaus dann aber wieder eindrucksvoll in der Spitzengruppe zurück und belegte in der Endabrechnung Platz sieben.

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