Mit der überraschenden Silbermedaille im Staffelwettbewerb als Motivationspille geht Manuel Fumic heute mit vagen Podiumshoffnungen ins WM-Einzelrennen im kanadischen Mont Sainte Anne. Die Junioren Lukas Kuch und Christian Pfäffle fiebern derweil ihrer WM-Premiere entgegen.
Edgar Veloci
Mont Sainte Anne. Manuel Fumic wirkt ganz entspannt. Grade kommt er von der WM-Strecke, hat Laufräder getestet. Harte Trainingseinheiten sind tabu. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel mache. Der Weltcup in Windham steckt noch im Körper“, sagt der Kirchheimer, nachdem er sich auf eine Bank gesetzt hat. Er blickt den Mont Sainte Anne hinauf. „Die Jungen sagen, die Strecke macht Spaß, aber im Renntempo macht hier gar nichts mehr Spaß. Da wird jeder Stein und jede Wurzel zur Falle.“
In Windham war er in der Spitzengruppe bis sein Sattel brach. Kann er im WM-Rennen (Start heute um 14 Uhr kanadischer Ortszeit) wirklich mit Schurter, Absalon und Kulhavy mithalten? Manuel Fumic nickt. „Ja, ich glaube schon. Ich konnte immer reagieren und dabei musste ich schon am Anfang nach Absalons Defekt eine Lücke zufahren.“ Dass er eine Medaille anstrebt, dabei bleibt er. „Es kann auch schiefgehen, aber warum sollte ich es nicht versuchen“, sagt der 28-Jährige. Unabhängig davon, was bei der Weltmeisterschaft tatsächlich raus springt, sei er eine „gute Saison“ gefahren. Achter im Gesamtweltcup, das wäre doch schon was. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt er. Alles auf eine Karte setzen, alles versuchen – mit diesem Motto will der Cannondale-Biker in das WM-Rennen gehen.
„Mani ist gut drauf“, hat Nachwuchs-Bundestrainer Peter Schaupp kurze Zeit vorher bemerkt, als der Kirchheimer über die Strecke gekurvt ist. Er scheint tatsächlich rechtzeitig zum Höhepunkt seiner Form noch die richtige Wendung verpasst zu haben. Platz fünf 2007 war in der Elite-Klasse die bisher beste Platzierung für Manuel Fumic. Würde er sie verbessern, wäre er schon sehr nahe an einer Medaille. Es wäre übrigens die erste WM-Medaille in der Herren-Klasse für einen deutschen Cross-Country-Biker überhaupt.
Bereits zehn Tage vor der WM sind die BDR-Junioren nach Kanada geflogen. Das diente einerseits der Überwindung der Zeitdifferenz, war aber auch der Beschaffenheit der Strecke geschuldet. Kurvenreich, mit vielen, vielen offenen Wurzeln, mit vielen felsigen Sektionen, die das Tempo extrem verlangsamen. Fahrtechnisch schwierig, auch bergauf, stures Treten ist auf diesem Kurs nicht drin, auch wenn er durch seine vielen Höhenmeter konditionell genauso anspruchsvoll ist.
„Die Strecke ist richtig geil“, findet Lukas Kuch vom Kirchheim Team Radsport Fischer & Wagner. Der Junior hat sich das Terrain schwieriger vorgestellt. Allerdings sind Training und Rennen zwei Paar Stiefel. Das weiß auch der WM-Neuling. „Wenn du in den letzten Runden kaputt bist, dann summieren sich kleine Fehler gleich zu großen Abständen“, sagt Kuch. Er sei „gut drauf“ und freue sich auf die WM. Besonders aufgeregt sei er eigentlich nicht. „Ich hatte eine gute Saison und die WM ist das i-Tüpfelchen, auch von meiner bisherigen Karriere. Es ist vermutlich vorerst meine letzte WM“, führt Lukas Kuch aus und bekennt, dass er sich selbst schon Druck macht, weil er es „nicht versauen will“. Er träumt von den Top 15, doch alles, was besser als 30 sei, wäre bei einer WM auch okay.
Das ist auch bei seinem MTB-Teck-Vereinskameraden Christian Pfäffle so. Der Neuffener vom Ghost Racing Team muss sich allerdings selbst keinen ganz großen Druck machen. „Ich sehe es relativ entspannt, weil ich ja dem jüngeren Jahrgang angehöre“, sagt Pfäffle. Von ihm erwartet Bundestrainer Schaupp keine Wunderdinge. Mit einem Platz unter den besten 30 wäre er aus seiner hinteren Startposition im Soll.
Im Gegensatz zu Lukas Kuch hat Christian Pfäffle jedoch alles andere als eine optimale WM-Vorbereitung hinter sich. Die Erkältung, die ihn schon bei der deutschen Meisterschaft Mitte Juli plagte, hat sich als Keuchhusten herausgestellt und vor dem Abflug nach Kanada waren die Bronchien immer noch nicht komplett frei. „Die Beine fühlen sich eigentlich ganz gut an“, zeigt er sich dennoch optimistisch, dass er sein Leistungsvermögen annähernd abrufen kann.
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