02.05.2013 - 02:02 Uhr

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Aus sechs mach‘ 140​

Der Andrang auf den Internationalen Kirchheimer Hahnweide-Segelflugwettbewerb bleibt ungebrochen: 140 Piloten, darunter gut ein Viertel aus dem Ausland, steigen beim achttägigen Meeting (3. bis 11. Mai) in fünf Starterklassen in die Cockpits von 121 Flugzeugen. „Mehr geht aus organisatorischen Gründen nicht“, sagt Hahnweide-Pressesprecher Rainer Rauch.

Thomas Pfeiffer
Hahnweide, Impressionen vom Hahnweidwettbewerb
Hahnweide, Impressionen vom Hahnweidwettbewerb

Kirchheim. Es ist eine breit aufgestellte Multikulti-Piloten-Truppe, die beim Hahnweide-Wettbewerb vom Boden abheben wird. Luftsportler aus 12 Ländern haben sich via Internet angemeldet, die meisten stammen naturgemäß aus Deutschland (87). Die zweitstärkste Fraktion bilden Briten (9) vor Österreichern (6), Schweizern (5), Belgiern (4), Tschechen (3) und Franzosen (2). Ein-Mann-Teams stellen der schwedische Hochschulprofessor Ulf Ringertz, der Japaner Makoto Ichikawa, der Finne Eric Heinonen und der Australier Tim Englert. Bei den bis zu acht möglichen Wettbewerbsflügen sind sie allesamt auf sich alleine gestellt – müssen ohne landsmannschaftliche Unterstützung auskommen.

Der Run auf den Wettbewerb, bei dem es zwar Weltranglistenpunkte, aber keine Geldprämien zu gewinnen gibt, war in diesem Jahr so groß wie nie. Bereits sechs Minuten nach Öffnung des Anmelde-Portals im Internet waren sämtliche Starterplätze vergriffen. „Um 11 Uhr haben wir das Portal geöffnet, um 11.06 Uhr ging schon nichts mehr“, rekapituliert Rainer Rauch den Anmeldevorgang in Rekordzeit. Welcher Pilot zu spät einloggte, den bestraften an jenem Sonntag die strengen Anmeldekriterien: Über 80 Piloten landeten anstatt auf der Starterliste auf einer Warteliste.

Selbst profilierte Piloten wie die Ex-Weltmeister Holger Karow (Fliegergruppe Wolf Hirth) und Werner Meuser (Kirchhain) hatten an jenem 13. Januar Künstlerpech. Berufspilot Karow („ich habe mich an diesem Tag über die geplatzte Anmeldung ziemlich geärgert“) hofft bis zum Eröffnungsbriefing am morgigen Freitagabend aber, vielleicht doch noch einen Starterplatz zu ergattern.„Manche Piloten sagen aus irgendwelchen Gründen manchmal noch kurzfristig ab“, wie er aus Erfahrung weiß. Wird nichts aus der Nachmeldung, wäre Karpow unglücklich: Den Hahnweide-Start hatte der Nationalflieger aus Landshut fest in seinem Terminkalender eingeplant. Härtefälle à la Karow soll es spätestens ab dem 48. Wettbewerb mit einer veränderten Vorgehensweise nicht mehr geben: „Die Anmelde-Problematik im Internet diskutieren wir in der Fliegergruppe Wolf Hirth schon längst“, sagt Rainer Rauch. Ein Neu-Modus mit „Wild cards“ für besonders erwünschte Sportler wie beim Tennis ist denkbar.

Auch ohne Karow ist das Hahnweide-Teilnehmerfeld 2013 nicht von schlechten Eltern: Neun absolute Segelflug-Größen, die schon Europameister, Weltmeister oder sogar beides waren, tummeln sich in den fünf Starterklassen. Der österreichische Offene-Klasse-Pilot Wolfgang Janowitsch (50/FRA Wiener Neustadt) bringt mit einem WM-Titel und zwei EM-Triumphen die meisten Referenzen mit unter Kirchheims Himmel, jeweils eine Weltmeisterschafts-Goldmedaille haben die Briten Steve Jones (fliegt in der 18-Meter-Klasse), Phil Jones (15-Meter-Klasse) und Arndt Hovestadt (LFV Greven/Standardklasse) als persönliches Erfolgs-Highlight vorzuweisen. Hovestadt (43) wurde im slowakischen Prievdiza vor drei Jahren Weltmeister der Clubklasse und wird in der klassenübergreifenden Weltrangliste der International Gliding Commission (IGC) aktuell als Zwölfter geführt – damit ist er im gesamten Hahnweide-Starterfeld bester Deutscher. „15 der 140 aktuellen Hahnweide-Starter stehen in der Top 100 der Weltrangliste“, sagt Rauch voller Stolz.

Noch stolzer würde er, gelänge einem Wolf-Hirth-Piloten endlich mal wieder ein Sieg in der Gesamtwertung: Der letzte liegt lange zurück. Im Gegensatz zur Lokalkonkurrentin FG Dettingen/Teck, für die Andreas Belz vor drei Jahren die Standardklasse gewann, datiert der letzte Wolf-Hirth-Triumph aus dem Jahr 2008: Damals gewann Johannes Breckel in der Standardklasse. Fünf Wettbewerbe später setzen die Wolf-Hirth-Leute auf Andreas Lutz in der 15-Meter-Rennklasse, wo das Wolf-Hirth-Mitglied, ein Schempp-Hirth-Ingenieur, einer der Mitfavoriten ist. „Lutz hat eine Siegchance“, sagt Rauch, der allerdings nur zu gut weiß, dass Prognosen im Segelflugsport wie in keinem anderen Sport mit höchster Vorsicht zu genießen sind.

Den Auftakt des 47. Hahnweide-Wettbewerbs bildet das Eröffnungsbriefing am morgigen Freitag ab 20  Uhr in der Wolf-Hirth-Halle. Anschließend erwarten den Veranstalter acht Großkampftage. „Von den rund 150 Wolf-Hirth-Mitgliedern sind in verschiedenen Schichten etwa zwei Drittel im Einsatz“, weiß Rauch. Der Verein rackert für einen harmonischen Wettbewerb.

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