24.06.2008 - 10:59 Uhr

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Harter Hund mit Händchen

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Kirchheims Basketballer sind auf der Suche nach einem Nachfolger von Pat Elzie fündig geworden: Branislav Ignjatovic heißt der neue Mann auf der Bank der Knights. Der 41-jährige Serbe, der vom Liga-Konkurrenten TV Langen kommt, soll den Aufsteiger in der neuen Saison auf einen Platz im Mittelfeld der Pro A führen.

Bernd Köble

Kirchheim. Dass er derzeit Urlaub unter der glühenden Sonne Spaniens macht, ist kein Beleg für ein sonniges Gemüt. Branislav „Frankie“ Ignjatovic eilt in der Szene eher der Ruf eines „harten Hundes“ voraus. Einer, der zwar nah an der Mannschaft ist, jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er von demokratischer Entscheidungsfindung auf und neben dem Spielfeld wenig hält. Was auf den ersten Blick wie der Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Pat Elzie erscheint, wird bei genauerem Hinsehen zur logischen Fortsetzung des bisherigen Kirchheimer Kurses. Denn ausschlaggebend für die Entscheidung waren am Ende die Parallelen beider Trainer.

Ignjatovic gilt als Mann mit sicherem Gespür für junge Talente. Einer, dem die Nachwuchsarbeit am Herzen liegt, der während seiner dreijährigen Arbeit in Langen ein glückliches Händchen bewies und gleichzeitig den Nachweis erbrachte, dass bei richtiger Pflege auch auf kargem Boden üppiges Grün gedeihen kann. „Aus einer blutjungen Langener Mannschaft hat er das Optimum he­raus geholt“, meint Kirchheims sportlicher Leiter Michael Schmauder. Ein Profil, das zur Aufbruchsstimmung in der Teckstadt passt wie der Deckel auf den Topf. Denn die Kirchheimer haben zu bieten, was beim Tabellenneunten der Pro A vor Beginn der neuen Saison fehlt: eine Perspektive. Den Hessen, die aus finanziellen Gründen auf schlagkräftige Verstärkung verzichteten, steht ein schweres Jahr mit dem Ziel Klassenerhalt ins Haus. „Frankie hat uns in den intensiven Gesprächen die wir geführt haben, sehr überzeugt“, sagt Knights-Gesellschafter Stefan Schmauder. „Seine Arbeitsweise und seine Persönlichkeit passen gut zu unserer Struktur in Kirchheim.“

Gut für die Kirchheimer dürfte auch die Tatsache sein, dass der 41-Jährige, der 2003 zum hessischen Jugendtrainer des Jahres gekürt wurde, ein Erfahrener in Sachen Kooperationsmodell ist. Was den Knights der große Bruder aus Ludwigsburg ist, sind den Langenern die Skyliners aus Frankfurt. Der Schulterschluss mit den Barockstädtern wird auf jeden Fall fortgesetzt. Die wichtigsten Eckdaten sind bereits geklärt, mit der Unterzeichnung des neuen Kooperationsvertrages wird Mitte Juli gerechnet. Dass die handelnden Personen inzwischen andere sind, ändert nichts an der Grundvereinbarung. Nach dem Abschied von Pat Elzie, den es zurück in seine Wahlheimat Hamburg zieht, setzten die Ludwigsburger vor Wochenfrist Silvano Poropat nach einer enttäuschenden Saison den Stuhl vor die Tür. Der Neue ist schon da und heißt Rick Stafford, zuletzt zweiter Mann neben Bambergs Meistertrainer Dirk Bauermann. Beide Neutrainer werden sich in den kommenden Wochen zu ersten Gesprächen treffen, bei denen es dann vermutlich auch um die Zukunft von David McCray im Kirchheimer Trikot gehen wird.

Die Zukunft des letztjährigen Erfolgsgaranten ist nicht die einzige mit Fragezeichen. Durch die Verpflichtung des neuen Trainers will man in Kirchheim nun auch in punkto Spielerverträge zügig zum Abschluss kommen. Nach wie vor Handlungsbedarf besteht auf der Aufbauposition und unter dem Korb. „Wir sind aktiv und hoffen bereits Ende kommender Woche Vollzug melden zu können“, sagt Michael Schmauder. Auch für den Rest des Kaders liegen noch keine unterschriftsreifen Verträge vor. Ziel sei es nach wie vor, so betont Schmauder, den Stamm der Mannschaft zu halten.

Die Altgedienten unter den Knights dürften an den neuen Coach indes schlechte Erinnerungen knüpfen: Ignjatovics erster Auftritt in der Teckstadt fand vor fünf Jahren statt und war der Anfang vom Ende der Kirchheimer Aufstiegsträume in die zweite Liga Süd. Mit seinem damaligen Club TSG Ober-Ramstadt entführte der 41-Jährige wichtige Punkte in der Aufstiegsrunde der Regionalliga. Das Odenwald-Städtchen vor den Toren Darmstadts wird auch weiterhin eine wichtige Rolle im Leben des Trainers spielen. Dort ist der Vater eines elfjährigen Sohnes zu Hause, dort betreibt er gemeinsam mit seiner Frau ein kleines Fuhrunternehmen und dort wird er bis auf Weiteres auch wohnen bleiben. Knights-Geschäftsführer Siegfried Meissner vertraut angesichts des bevorstehenden Pendler-Modells auf die Professionalität des Trainers: „Wir haben ausführlich über dieses Thema gesprochen und sind überzeugt, dass die Betreuung der Mannschaft nicht da­runter leidet.“ Ignjatovic soll zunächst einen Einjahresvertrag erhalten – Verlängerung nicht ausgeschlossen.

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