08.02.2016 - 02:02 Uhr

Share | | | |

Höhenflieger und heimliche Stars

Der Stadtverband für Leibesübungen (SfL) und die Stadt Kirchheim rufen – und alle kommen: Fast 90 Ehrungen für 150 Athleten sind gestern an die besten Kirchheimer Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2015 verliehen worden. Erneut ganz vorne dabei: die Fliegergruppe Wolf Hirth, die alle der insgesamt drei Simonsiegel in Gold – die höchste Auszeichnung der Stadt – erhielt.

Helge Waider
Anerkennung für ein Ausnahmetalent: Noemi Rapp, hier mit Moderator Stefan Gölz, erhielt neben einer Sportplakette noch einen von der Kreissparkasse ausgelobten Scheck. Foto: Ralf Just
Anerkennung für ein Ausnahmetalent: Noemi Rapp, hier mit Moderator Stefan Gölz, erhielt neben einer Sportplakette noch einen von der Kreissparkasse ausgelobten Scheck. Foto: Ralf Just

Kirchheim. Es war bereits die neunte Auflage der Sportlerehrung in Form einer separaten Matinee – und mit exakt den gleichen Ausrichtervereinen und Moderatoren wie bei der Premiere vor acht Jahren: Die Tauchgruppe Teck schickte erneut Stefan Gölz als galante, kompetente und scheinbar allwissende Plaudertausche ins Rennen. Der Rad- und Kraftfahrerverein (RKV) hielt wieder mit Vereins-Urgestein „Tille“ Maier charmant dagegen. Beide zusammen bescherten den über 200 Gästen einen unterhaltsam-kurzweiligen Vormittag.

Ebenso bemerkenswert: Die meisten der Geehrten waren tatsächlich persönlich in die Stadthalle gekommen, um aus den Händen von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und dem SfL-Vorsitzenden Hermann Schnizler die Urkunden und Medaillen entgegen zu nehmen – und das trotz Schulferien. Das ehrungserprobte Stammpublikum aus den Kirchheimer Sport-, Politik- und Verwaltungskreisen nahm‘s erfreut zur Kenntnis – wohl wissend, dass dies nicht immer so war.

SfL-Vorsitzender Schnizler erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, dass die Richtlinien der Ehrung so ausgelegt seien, dass nicht nach Sportarten, sondern ausschließlich nach Erfolgen differenziert werde, und freute sich über insgesamt 45 Simonsiegel in den Stufen Gold, Silber und Bronze, vier Großmedaillen für Mannschaften, 16 Ehrenurkunden für B-Jugendliche, Jüngere sowie Senioren, 71 Sportplaketten und vier lobende Erwähnungen. „Über den Sport“, so Schnizler weiter, „funktioniert auch Integration unkompliziert, denn man kommt ins Gespräch, und es entstehen Freundschaften.“

Den besten Beleg lieferte ein 2015 neu gegründeter Verein: Der Move Club Kirchheim, hervorgegangen aus dem HipHop-Bereich des 1. TSC Kirchheim, startete von Null auf Hundert durch und heimste insgesamt 33 Medaillen und Urkunden sowie eine Mannschafts-Großmedaille ein. Rund 40 Tänzerinnen und Tänzer, allesamt in verschiedensten Zusammensetzungen im HipHop und Videoclip Dancing aktiv, boten auf der Bühne eine noch nie da gewesene multikulturelle Vielfalt. Move Club-Sportwartin Jessica Guimaraes und ihre Schwester Stefanie schossen sportlich den Vogel ab und wurden für erste Plätze bei den bayrischen und bei den süddeutschen Meisterschaften im Duo Videoclip Dancing mit dem Simonsiegel in Silber ausgezeichnet.

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker hatte zuvor in ihrem Grußwort gleichfalls das Thema Integration aufgegriffen, sich bei den Sportvereinen für die rasche und unkomplizierte Aufnahme von Flüchtlingen bedankt und die entsprechende Wertschätzung dieses sozialen Beitrags angekündigt: „Die Stadt erkennt dies durch eine Verbesserung der Sportförderung an.“

Tatsächlich liegt dem SfL ein Verwaltungsvorschlag vor, nach dem die Förderung – Gemeinderatszustimmung vorausgesetzt – um 42 000 Euro auf rund 117 000 Euro erhöht werden soll. Das Geld soll unter anderem zur Steigerung der Nachwuchsförderung, zur Förderung von (Vereins-)Zusammenschlüssen und zur Sportentwicklung in Kirchheim durch innovative Projekte verwendet werden.

Neben den Höhenfliegern der Fliegergruppe Wolf Hirth, die durch Europameister Andreas Lutz, Sebastian Nägel (WM-Dritter bei den Junioren) und Tilo Holighaus (Dritter bei den World Air Games) alle drei gestern vergebenen Simonsiegel in Gold einheimsten, war ein junger Karateka des VfL Kirchheim so etwas wie der heimliche Star: Der 14-jährige Lukas Thomas holte nicht weniger als 19 Titel, die jeweils einzeln schon zur Auszeichnung gereicht hätten. Fast schon folgerichtig kam der Karatekämpfer als einer von zwei Preisträgern auch in den Genuss des mit einem Scheck dotierten Sonderpreises der Kreissparkasse Esslingen für herausragende Nachwuchsathleten.

Den zweiten Scheck überreichte KSK-Direktor Michael Malter an Noemi Rapp. Die VfL-Turnerin wurde Erste der baden-württembergischen Nachwuchsmeisterschaften im Kunstturnen und trainiert leistungsorientiert im Kunstturn-Forum Stuttgart. Sechsmal pro Woche fährt Rapp, die zu den großen deutschen Nachwuchstalenten zählt, dafür mit der Bahn in die Landeshauptstadt. Der Applaus des Publikums spiegelt den Respekt vor dem Aufwand der Athletin wider. Die Zehnjährige genoss diesen ähnlich verlegen wie den Preis des Sponsors.

Artikel kommentieren
Share | | | |