MP3-Player im Straßenverkehr können gefährlich sein – darüber sind sich die Passanten einig, die der Teckbote in der Kirchheimer Fußgängerzone befragt hat. Dennoch halten sie ein Verbot der Musikspielgeräte auf der Straße für „Spielverderberei“.
heike allmendinger
Kirchheim. „Ich schimpfe schon manchmal und sage zu meiner Tochter, sie soll die Musik leiser stellen“, erzählt Mareike Schilling aus Ochsenwang. Die 44-Jährige hält MP3-Player im Straßenverkehr auf jeden Fall für gefährlich. Deshalb ist ihr nicht wohl zumute, wenn ihre 13-jährige Tochter Nicole mit ihren beiden Hunden und den Stöpseln im Ohr spazieren geht. „Die Lautstärke sollte so eingestellt sein, dass man noch hört, was auf der Straße passiert“, betont Mareike Schilling. Das Bußgeld in Höhe von zehn Euro, das fällig wird, wenn man mit voller Beschallung ertappt wird, sei „gerechtfertigt“. „Wenn die Jugendlichen die Strafe von ihrem Taschengeld bezahlen müssen, dann merken sie es sich.“ Ein Verbot der Musikspielgeräte lehnt Mareike Schilling allerdings ab: „Das wäre viel zu übertrieben.“
Das bestätigt Hannes Rothfuß aus Bad Cannstatt: „Ein Verbot würde nichts bringen. Das ist doch genauso wie beim Handy am Steuer – es telefonieren trotzdem viele im Auto.“ Wie laut man seinen MP3-Player einstellt, sei im Übrigen die Sache eines jeden Einzelnen. „Für die Polizei ist es doch schwierig, einzuschätzen, wie laut die Musik ist. Das ist reine Auslegungssache“, ist der 19-Jährige überzeugt. Dass aber MP3-Player auf der Straße riskant sein können und dass es deshalb eine Strafe geben muss, steht für Hannes Rothfuß außer Frage. „Aber ob es gleich zehn Euro sein müssen . . . Die meisten Jugendlichen haben doch nicht viel Geld in der Tasche.“
Das sieht Paul Howard aus Kirchheim ganz anders: „Zehn Euro als Strafe sind okay“, betont der 40-Jährige, der beim Joggen selbst stets seine Lieblingslieder hört. „Die Musik darf nicht zu laut sein. Sonst kann man sich nicht mehr auf etwas anderes konzentrieren“, findet der Kirchheimer. Deshalb stellt er seinen MP3-Player immer so ein, dass er die Geräusche in der Umgebung im Griff hat.
Beim Fahrradfahren und Joggen lässt sich auch Sarah Blankenhorn aus Kirchheim mit Musik berieseln. „Ich höre aber die Autos und die Geräusche um mich herum noch“, unterstreicht die 19-Jährige. Dass es eine Strafe für zu lautes Musikhören im Straßenverkehr gibt, ist für die Kirchheimerin neu. „Aber ich finde sie berechtigt.“ Denn Sarah Blankenhorn kennt einige junge Leute, die sich derart beschallen lassen, dass sie nichts mehr mitbekommen. „Wenn man sie anspricht, reagieren sie gar nicht darauf.“ Ein Verbot hält die 19-Jährige aber dennoch nicht für angebracht – schließlich sollte man den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht jeden kleinen Spaß vermiesen.
Fotos: Jean-Luc Jacques
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