08.11.2011 - 17:47 Uhr

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„Weichspüler-Kritiken mag ich nicht“

Die meisten kennen Jo Müller als den SWR3-Movieman. Was die wenigsten wissen: Der Kirchheimer kritisiert nicht nur fremde Filme, er dreht auch eigene. Linda Heimisch hat mit ihm gesprochen.

Linda Heimisch

Auf Ihrer Homepage bezeichnen Sie sich selbst als Filmemacher, Autor und Journalist. Wie passt das alles zusammen?

Jo Müller: Ich arbeite seit Jahren multimedial. Für SWR3 bin ich als Movieman tätig, für das Fernsehen drehe ich Dokumentationen, Reportagen und Kurzspielfilme. Daneben verfasse ich den einen oder anderen Artikel für Zeitschriften, und ab und zu komme ich auch dazu, ein Buch zu schreiben. Das ergänzt sich wunderbar gegenseitig. Ich wusste durch meine Arbeit als Filmjournalist schon immer sehr viel über das Medium Film, sowohl historisch als auch handwerklich, und das erleichtert die Arbeit bei eigenen filmischen Projekten. Als Movieman und Kino-Berichterstatter durfte ich sehr viele international anerkannte Filmschaffende kennenlernen und interviewen. Tatsächlich kann man von Leuten wie George Clooney, Clint Eastwood, George Lucas, Steven Spielberg, David Lynch oder Roman Polanski extrem viel lernen, wenn man sich mit ihnen unterhält. Und wenn man viele Monate lang an Sets von Roland Emmerich „Hinter den Kulissen“-Dokus dreht, bekommt man schon eine Menge Tricks und Kniffe mit, die sich für eigene Produktionen nutzen lassen. Diese Produktionen sind dann aber natürlich wesentlich bescheidener.

Wie kamen Sie darauf, in die Medienbranche zu gehen?

Jo Müller: Kino hat mich schon als Kind total fasziniert. Ich bin selbst mit der Super-8-Kamera meines Vaters in verschneite Steinbrüche gepilgert, um dort kleine Science-Fiction-Filme zu drehen. Dazu habe ich alle erdenklichen Filmbücher verschlungen und bin ständig ins Kino gerannt. Hitchcock, Kubrick und Spielberg waren meine Helden. Und sie sind es heute noch. Film ist das aufregendste Medium der Welt, in keinem anderen lassen sich Geschichten emotionaler erzählen.

Auf welchem Weg sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Jo Müller: Ich habe Politik und Germanistik studiert, parallel dazu als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet und bei SDR3 als Filmjournalist. Danach wurde ich Moderator. Meine Erfahrung ist, dass es in diesem Beruf keinen Königsweg gibt. Der eine macht alle vorgeschriebenen Ausbildungswege, der andere ist als Quereinsteiger erfolgreich. Wer diesen Job wirklich und wahrhaftig machen will, der wird es auch schaffen. Um es mit den Worten Bruce Springsteens zu sagen: „No retreat, no surrender!“

Haben Sie ein Lieblings-Filmgenre?

Jo Müller: Keine Frage: Dem deutschen Problemkino konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Auch die sogenannte Kunstfilme sind mir sehr suspekt, das heißt, bei Produktionen von Lars von Trier renne ich spätestens nach der Hälfte schreiend und schimpfend aus dem Kino. Oft wird unter dem Deckmantel des Kunstbegriffs nur die handwerkliche Unfähigkeit der Regisseure kaschiert. Ich bin mit Hollywood-Filmen aufgewachsen und noch heute ein großer Anhänger der Traumfabrik. Dort werden die besten Ideen geboren, dort gibt es die weltbesten Handwerker. Dazu mag ich Genre-Filme sehr gerne. Ich würde aber einschränkend dazu sagen: Lieber ein durchschnittlicher Psychothriller als eine gute Romantik-Comedy. Aber im Prinzip ist es so: Ich bevorzuge das Genre des Guten Films. Denn eigentlich sollte man Filme nur in diese beiden Kategorien einteilen: gute oder schlechte. Die Frage, die sich für jeden Zuschauer, auch mich, letztlich stellt, ist: „Hat mir der Film gefallen oder nicht?“

Und wenn Ihnen ein Film nicht gefallen hat: Rechnen Sie in Ihren Kritiken knallhart damit ab oder müssen auch Filmkritiker objektiv bleiben?

Jo Müller: Filmkritik ist immer subjektiv. Ich finde es aber wichtig, dass Filme eingeordnet und nicht sofort verdammt werden, nur weil sie einem Genre angehören, das der Kritiker nicht mag. Obwohl Teenie-Komödien oder Liebesromanzen nicht zu meinen Lieblings-Kinogattungen gehören, muss ich schon in einer Besprechung feststellen, ob der jeweilige Film innerhalb seines Genres etwas taugt. Und wenn mir ein Film nicht gefällt, dann sage ich das auch. Weichspüler-Kritiken mag ich nicht.

Sehen Sie bei den aktuellen Filmproduktionen neue Tendenzen, was Inhalt oder Technik der Filme betrifft, oder glauben Sie, dass die Grundstrukturen der Filmproduktion immer dieselben waren und sein werden?

Jo Müller: Momentan ist leider die Tendenz, dass Hollywood alte Kinostoffe unaufhörlich recycelt. Das finde ich schade. Eigentlich mag ich auch Filme mit vielen visuellen Effekten, aber momentan erleben wir einen absoluten Overkill der Computereffekte, die mittlerweile nur noch langweilen, weil die Geschichten oft nur dazu da sind, die Tricks zur Geltung zu bringen. Was Kinotechnik selbst angeht: Sowohl bei den Projektoren im Lichtspieltheater als auch bei den Kameras beim Dreh wird inzwischen zum allergrößten Teil digital gearbeitet. Das ändert aber letztlich nichts an der Produktionsweise und es macht die Filme auch nicht billiger.

 
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