02.03.2010 - 11:45 Uhr

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„Wir mussten nie Werbung machen“

ad

Jede Woche kommen Eltern mit ihren Kleinkindern ins Kirchheimer Mehrgenerationenhaus, um beim Elterntreff Projufa zusammen zu frühstücken, sich über Erziehungsfragen auszutauschen und Tipps zu bekommen. Das Landkreisprojekt, das seit drei Jahren läuft, ist nach Aussage der Koordinatoren ein Selbstläufer.

Antje Dörr

Kirchheim. Wenn das Kind nicht durchschläft, spät anfängt zu krabbeln oder häufig weint, sind viele, gerade junge Eltern verunsichert. Damit sie mit ihren Fragen nicht alleine bleiben, hat der Landkreis das Projekt Projufa „Frühe Beratung und Hilfen“ ins Leben gerufen. In offenen Treffs kommen Eltern mit ihren Kleinkindern bei einem Frühstück zusammen, tauschen sich aus und erhalten, wenn gefragt, praktische Erziehungstipps von Hebammen oder Sozialpädagogen. Auch im Kirchheimer Mehrgenerationenhaus gibt es seit drei Jahren immer dienstags von 10 bis 12 Uhr einen solchen Elterntreff.

Matthias Altwasser, Hausleiter des Mehrgenerationenhauses Linde und Sabine Stoll von Projufa sind voll des Lobs über das Projekt und die Kooperation, die in ihren Augen eine Erfolgsgeschichte ist. „Projufa passt ins Mehrgenerationenhaus“, sagt Matthias Altwasser. Einige Frauen, die den Treff jetzt besuchten, seien früher Stammgäste im Jugendhaus gewesen. „Toll, dass diese Frauen nun als Mütter wiederkommen können“, ergänzt Sabine Stoll. Stolz sind beide auch darauf, dass sie bisher überhaupt keine Werbung für Projufa machen mussten und der Treff dennoch gut besucht ist. „Ich glaube, dass wir den Bedarf mit diesem Angebot genau getroffen haben“, sagt Sabine Stoll. „Projufa ist ein Selbstläufer.“ Die Projektphase geht im März zu Ende, aber die offenen Treffs wird es weiterhin als feste Institution im Landkreis geben.

Laut Sabine Stoll kommen zu den Elterntreffen Familien, die in der Erziehung ihrer Kinder mehr Unterstützung brauchen, aber auch solche, die viel „natürliche Erziehungskompetenz“ haben, weil es ihnen in ihrer Kindheit vorgelebt worden ist. Diese Kombination sei gewollt, denn: „Die Eltern lernen voneinander.“ Darauf setzt Sabine Stoll genauso wie auf Aufklärung durch Gespräche und „kurze Inputs“. Frontalunterricht durch Vorträge soll es bei Projufa nicht geben, sondern praxisnahe Anleitung. „Eltern sollen ganz konkret erleben: Wie leite ich mein Kind beim Spielen an und ziehe mich dann wieder raus“, erklärt Sabine Stoll. Weitere Themen sind Ernährung, Rhythmen und Rituale oder Freizeit- und Alltagsgestaltung für Eltern, die wenig Geld haben.

„Was bisher noch weniger gelingt, ist die Integration türkischer Frauen in Projufa“, gibt Hausleiter Matthias Altwasser zu. Speziell für Migrantinnen gebe es in den Pfingstferien in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und der Stiftung Tragwerk ein Angebot, in dem Erziehungskompetenz vermittelt wird. Matthias Altwasser und Sabine Stoll hoffen, dass einige der Besucherinnen dann auch zu Projufa kommen. Und auch für Väter, die in Elternzeit sind, soll es ab Herbst einen Treff geben.

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