Esslingen. „Augen auf beim Geldabheben“, lautete der Rat von Christine Menyhardt von der Polizeidirektion Esslingen. Die Täter manipulieren Geldautomaten mit Kameras auf seitlich oder oben angebrachten Leisten – angeklebt mit doppelseitigem Klebeband. Die Apparatur lässt sich schnell anbringen und genauso flott wieder entfernen. Die kleine Kamera zeichnet Eingabevorgänge auf und scannt PIN-Nummern.
Ebenso leicht lässt sich mit einer Abdeckung auf der Tastatur arbeiten. Sie sieht genauso aus wie die Tastatur, die der Bankkunde kennt, und sie funktioniert auch so. Der Druck auf die einzelnen Zahlen wird auf die echten Tasten darunter übertragen. Das Geld wird ausgegeben, dem Kunden fällt nichts Ungewöhnliches auf. Allerdings sind während des Eingabevorgangs die PIN-Nummern in die falsche Tastatur abgespeichert worden – das Skimming war erfolgreich.
Am Demo-Automaten, den das Landeskriminalamt entwickelt hat, lässt sich die Arbeitsweise beim Skimmen gut verfolgen. Ein Bildschirm auf dem Demo-Automaten zeigt, was die Ausspähkamera sieht. Ist sie an der Seite angebracht, nützt auch das komplette Abdecken mit der Hand nichts. Meist sitzt sie auf der rechten Seite, denn der Rechtshänder deckt mit der linken Hand ab – die freie Sicht von rechts bleibt.
„Ich dachte immer, das Abdecken der Zahlen mit der Hand reicht aus“, sagte Kürsat Pehlivan. „Mehr habe ich bisher nie gemacht.“ Auch Hasan Ari, der die Vorführungen verfolgte, war überrascht. „Ich dachte, es reicht, die Blicke von anderen auf die Tastatur zu verhindern.“ Dennoch ist das Abdecken nach wie vor wichtig. „Niemand soll die Eingabe sehen können“, erklärt Kriminaloberkommissar Detlef Fellmann. Noch wichtiger aber sei, sich den Bankautomaten genau anzuschauen. „Aufgebrachte Schienen über der Tastatur, eine Tastatur, die übersteht, oder ein ungewöhnlich klobiger Eingangsschlitz für die Karten können Hinweise auf Skimming sein.“ In einer solchen Situation rät Fellmann den Kunden, den Automaten nicht zu benutzen, die Polizei zu verständigen und den Raum möglichst nicht zu verlassen. Ansonsten nimmt der Täter seine Apparaturen an sich und verschwindet mit den aufgezeichneten PIN-Nummern.
Nach den Erkenntnissen der Polizei stammen die Täter meist aus Osteuropa und arbeiten in durchstrukturierten Banden. Die Pin-Nummern werden auf Plastikkarten – meist Telefonkarten – übertragen. Das Geld kann nur im Ausland abgehoben werden, da deutsche und die meisten europäischen Banken einen nicht knackbaren Sicherheitscode auf ihre Karten aufbringen. Die Geschädigten erhalten ihr Geld zwar zurück, aber zunächst haben sie Ärger.
Im Kreis Esslingen haben Skimmer im Jahr 2010 an vier Banken etwa 100 Personen geschädigt und 100 000 Euro abgehoben. Die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2011 verzeichnen eine Halbierung der Delikte: zwei Banken mit 53 Geschädigten; die Schadenssumme beläuft sich auf 65 000 Euro.
Weitere Informationen gibt es bei der Polizei unter der Telefonnummer 07 11/3 10 57 68 30.

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