Kirchheim. „Die Idee zu MiA entstand aus der praktischen Arbeit und geistert schon seit vielen Jahren durch meinen Kopf“, sagt Inge Starzmann, Leiterin des CJD Jugenddorfs Hohenreisach. Hinter dem Kürzel CJD verbirgt sich das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland mit Sitz in Ebersbach. „Keiner darf verloren gehen“ lautet das Motto des CJD, und so erhalten in Kirchheim Jugendliche die Chance, erste Gehversuche in die Berufswelt in einem geschützten Rahmen zu unternehmen. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) heißt diese einjährige Ausbildung, bei der Jungs und Mädchen praktische und theoretische Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten, etwa Gartenbau, Hauswirtschaft, Metall oder Kosmetik und Körperpflege.
An den „eigenen Mädchen“ haben Inge Starzmann und Vicky Donabauer, Leiterin des Internats im Hohenreisach, erlebt, vor welchen Problemen junge Mütter stehen, wenn sie sich für ein Kind und gegen eine Abtreibung entschieden haben. Es gibt unterschiedliche Helfersysteme, die völlig unkoordiniert auf die Frauen einströmen. Die Mädchen haben weder einen konkreten Ansprechpartner noch den Überblick über Fördermaßnahmen, weshalb MiA sich künftig um Unterhalt, Hartz IV, Erziehungsgeld und vieles mehr kümmern wird. „Über die Beratung hinaus wollen wir aber auch praktische Hilfe anbieten. Das fängt bei der Suche nach einem Praktikumsplatz an und hört bei der Kinderbetreuung – solange die Mutter beispielsweise beim Vorstellungsgespräch ist – noch lange nicht auf“, erklärt Inge Starzmann. MiA ist deshalb auch ein gemeinsames Projekt von Jugenddorf Hohenreisach, ProjuFa und pro familia.
Der Schritt in die Erwerbstätigkeit bleibt den meisten Mädchen in der Regel von Anfang an versagt, weil viele Chefs das Wagnis mit einer jungen Mutter als Auszubildender nicht eingehen wollen. Diesen Teufelskreis will MiA durchbrechen und den Frauen den Zugang zur Arbeitswelt ermöglichen. Dies ist ein wichtiger Schritt in die Eigenständigkeit und funktioniert nur über eine gute Ausbildung, sind die beiden Initiatorinnen des Projekt überzeugt. „Dabei geht es nicht nur um die Qualifizierung der Mutter, sondern auch um die Vermeidung von Kinderarmut“, spricht Inge Starzmann ein aktuelles Thema an.
„Es gibt sehr motivierte Mütter, die gute Voraussetzungen mitbringen, aber keine Chance bekommen, aus ihrer Situation herauszukommen – mit einem kleinen Kind sind sie beim Arbeitsamt schwer vermittelbar“, so die Erfahrung der beiden Fachfrauen. Den Mädchen würde so der Mut ein Stück weit schon von vornherein genommen. Manche von ihnen geben deshalb resigniert auf, sehen ihre Aufgabe plötzlich als Mutter und bekommen weitere Kinder, nicht selten von verschiedenen Vätern.
Auf der anderen Seite beklagt die Wirtschaft den Fachkräftemangel. „Jeder junge Mensch wird gebraucht, allein schon im Hinblick auf den demografischen Wandel“, sagt Vicky Donabauer. Sie und ihre Kollegin sehen die jungen Mütter als stille Reserve, die dringend in die Arbeitswelt integriert werden sollten. Deshalb wendet MiA sich künftig an Mütter allen Alters. Im Moment begleiten Inge Starzmann und Vicky Donabauer eine Mutter. Ohne je die Werbetrommel für das Projekt gerührt zu haben, meldeten sich bereits 15 junge Mütter, die von MiA gehört haben und daran teilnehmen wollen. „Der Bedarf ist unwahrscheinlich groß“, fühlen sich die engagierten Frauen in ihrem Engagement bestätigt. „Wir halten uns aber noch bedeckt, weil es bislang keine Finanzierung gibt“, nennen sie den Grund für den Art Probelauf mit einer Mutter. So wird sich erst im Laufe der nächsten Wochen zeigen, wie intensiv Mutter und Kind begleitet werden müssen. Das Konzept erstellten die Frauen ehrenamtlich, die Betreuung läuft bislang nebenher. Die Teckboten-Weihnachtsaktion soll für die Anschubfinanzierung sorgen.
Derzeit sind die zwei Frauen mit Betrieben im Gespräch, um für die Teilzeitausbildung zu werben. Die Vorteile sind ihrer Anisicht nach nicht zu unterschätzen, die junge Mütter zu bieten haben. „Unsere ist mit ihren 19 Jahren und einem sechs Monate alten Säugling sehr viel reifer als andere in ihrem Alter. Sie hat sich für ein Kind entschieden und somit für einen unbequemen Weg“, sagt Vicky Donabauer.
Wichtig ist beiden die Zustimmung von IHK und Handwerkskammer. „Ohne geht es nicht“, sind sie sich bewusst. MiA bietet im Gegenzug zahlreiche Dienstleistungen und die Begleitung über die gesamte Ausbildungszeit. Somit bleiben die Initiatorinnen ständig in Kontakt mit den Betrieben. „Unser Ziel ist, Unterstützung in sämtlichen Bereichen zu bieten und sobald Probleme auftauchen, die Steine aus dem Weg räumen und nach Lösungen suchen“, sagt Inge Starzmann. Etwa, wenn es um die Frage geht, wie sich der Berufschultag integrieren lässt oder der Schulstoff bewältigt werden kann – oder um wie viel Monate sich die Ausbildungszeit bei einer 20-Stunden-Woche verlängert. Die Mütter selbst müssen lernen, Struktur in den Alltag zu bringen. Das heißt: Wo lässt sich eine Kinderbetreuung durch Oma oder Opa einbauen oder ist eine Tagesmutter sinnvoll. „Es ist einfach anders, mit Kind einen Beruf zu erlernen“, so Vicky Donabauer.

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