Der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann hatte Vertreter aus Politik und Verwaltung in die Hauptschaltzentrale der EnBW Transportnetze AG (TNG) nach Wendlingen eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von der europaweiten Stromversorgung zu machen. Für Karl Zimmermann ging es dabei insbesondere um den Nutzen von Windenergie in Baden-Württemberg.
Andreas Volz
Wendlingen. In einer Broschüre über die TNG wird die Aufgabe der Schaltzentrale in Wendlingen genau beschrieben: „Da Strom nicht in großen Mengen speicherbar ist, muss zu jeder Zeit die Stromerzeugung in den Kraftwerken mit dem Stromverbrauch der Kunden im Gleichgewicht sein. Ähnlich wie ein Seiltänzer gleichen wir in jeder Sekunde das Gesamtsystem der Stromversorgung aus und übernehmen Verantwortung für Baden-Württemberg, damit nicht nur in Stuttgart Tag für Tag das Licht brennt.“
Dr. Jürgen Neumaier, der Technische Leiter der Transportnetzgesellschaft, stellte den Gästen einen typischen Tag im November vor, an dem Strom von Windkraftanlagen aus dem Nordosten Deutschlands in den Südwesten geliefert wird. Mitunter fließe dieser Strom auf dem gemeinsamen europäischen Strommarkt auch durch Leitungen im benachbarten Ausland: „Da sind unsere Kollegen dann nicht sehr erfreut, dass wir deutschen Strom kostenfrei auch durch andere Netze führen.“
Trotz aller Windenergie seien aber konventionelle Kraftwerke für eine sichere Stromversorgung wichtig, „um die Spannung zu halten“. Die vielen Windkraftwerke im Norden würden durchaus zur Spannungserhaltung beitragen, „die wenigen bei uns aber nicht“.
Insgesamt, so war in Wendlingen zu erfahren, gibt es in Deutschland etwa 21 000 Windkraftanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von circa 25 Gigawatt. Nur zwei Prozent dieser Leistung kommen aus Baden-Württemberg, wo es bislang lediglich 360 Windkraftanlagen gibt. Auf die pointierte Frage Karl Zimmermanns, ob ein Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg sinnvoll sei oder nicht, antwortete Jürgen Neumaier: „Es gibt sicher lukrativere Standorte als Baden-Württemberg. Lukrative Gebiete sind küstennah.“ Auf eine weitere Frage, ob mehr Windkraft in Baden-Württemberg tatsächlich dazu führe, dass fossile Energieträger zurückgefahren werden, sagte Rainer Joswig, Vorstand Technik bei der TNG: „Egal, wo eine Windkraftanlage steht, schreibt das Gesetz vor, dass die Winderzeugung gleichmäßig vermarktet werden muss.“ Baden-Württemberg beispielsweise sei verpflichtet, immer 14 Prozent des jeweiligen Windenergieaufkommens zu übernehmen.
Auf ein besonderes Problem, das sich aus der erneuerbaren Energie für den Strommarkt ergibt, hatte zuvor bereits Bernd Jauch, der Leiter des Energiemarkts bei der TNG, verwiesen: auf die negativen Preise. „Wenn viel Windenergie vorhergesagt ist, die zu hundert Prozent an die Strombörse geht, und dazu noch wenig Verbrauch da ist, dann muss man ein konventionelles Kraftwerk abstellen.“ Für den Kraftwerkbetreiber lohne es sich aber nicht, seine Anlage runterzufahren, nur um sie eine Stunde später wieder hochfahren zu können. Um das zu verhindern, sei der Betreiber sogar bereit, noch Geld dafür zu zahlen, dass ihm jemand den Strom abnimmt. In anderen Ländern, beispielsweise in Spanien, erfolge die Einspeisung erneuerbarer Energien zu ganz normalen Marktkonditionen. In Deutschland dagegen gebe es das Vorrangprinzip der erneuerbaren Energien: „Ob es passend ist oder nicht, es gibt immer eine feste Vergütung.“
Um bei der vielen Windenergie aus dem Norden und Nordosten trotzdem die Sicherheit der Stromversorgung gewährleisten zu können, setze die TNG auf den massiven Ausbau des Netzes, erklärte Jürgen Neumaier: „Wir nutzen die vorhandenen Trassen und rüsten sie auf eine höhere Spannung um.“ Dass die EnBW die Notwendigkeit zur Modernisierung des Stromnetzes erkannt hat, lobte der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Peter Hauk ausdrücklich, ebenso wie die Tatsachen, dass die Netze nicht aus der Hand gegeben werden und dass es kaum zu nennenswerten Stromausfällen komme.
Schließlich bezog noch der Vorsitzende der Regionalversammlung, Thomas Bopp, Stellung zur Windenergie in der Region. Der Antrag der Grünen zum Ausbau der Windkraftanlagen werde objektiv geprüft. Es gebe durchaus Kommunen, die gerne noch mehr solche Anlagen hätten. Aber am Albtrauf geht Thomas Bopp – auch aus touristischen Gründen – von einer restriktiven Handhabung aus. Ohnehin werde die Windkraft in Baden-Württemberg niemals eine ähnliche Bedeutung erhalten wie an der Nord- oder an der Ostsee.

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