Es bleibt ein Dauerkonflikt, der unlösbar ist: Die einen wollen sich an lauen Sommernächten in der Innenstadt aufhalten – was zwangsläufig mit Lärm verbunden ist. Die anderen, die in der Innenstadt wohnen, wollen nachts ihre Ruhe haben. Der Kirchheimer Gemeinderat hat jetzt beschlossen, den Modellversuch für den Sommer 2010 zu verlängern und die Außenbewirtschaftung freitags und samstags bis 24 Uhr zu gestatten. Die einen freut‘s, die anderen sind strikt dagegen.
Andreas Volz
Kirchheim. Nach zähem Ringen und regelmäßig wiederkehrender Debatte hatte der Gemeinderat im vergangenen Jahr mit einer Mehrheit von 17 zu elf Stimmen erstmals den Modellversuch genehmigt, den SPD und Grüne beantragt hatten. Nun ging es erneut um dasselbe Thema, wobei sich die Argumente wiederholten. Eines allerdings war neu: Zum Modellversuch 2009 hätte eigentlich eine Auswertung gehört. Diese Evaluation ist bislang aber unterblieben. In der Sitzungsvorlage heißt es dazu: „Während des Modellversuchs gab es relativ wenige direkte Beschwerden an das Ordnungsamt. Dies liegt aus Sicht der Verwaltung auch daran, dass aufgrund des relativ kalten und nassen Sommers die verlängerten Außenbewirtschaftungszeiten erst ab Mitte August in Anspruch genommen werden konnten.“
Dass es kaum Beschwerden gab, lässt für Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, nicht den Schluss zu, dass die Innenstadtbewohner nicht trotzdem unter dem Biergartenlärm gelitten hätten. Sie sprach sich ebenso vehement dagegen aus, die Zeiten ein weiteres Mal zu verlängern, wie Wolfgang Schuler (CIK) oder Ralf Gerber (Freie Wähler), der ein flammendes Plädoyer für das Ruhebedürfnis der Innenstadtbewohner hielt: „Vertrauen Sie Leuten, die es selbst erlebt haben und die wissen, was es heißt, in der Kirchheimer Innenstadt zu leben. Wenn das Motto ,wohnen, leben, schlafen‘ heißen soll, dann können Sie das Schlafen streichen.“ Den Lärm der Außenbewirtung verglich er mit dem Lärm der Nachbarn auf Balkonen oder Terrassen: „Das muss nicht ungebührlich laut sein, aber man kann trotzdem nicht schlafen.“
Ralf Gerber fügte aber hinzu, dass er auch innerhalb seiner Fraktion nicht alle Kollegen überzeugen konnte. Die Redner der anderen Fraktionen (SPD, Grüne, CDU und FDP/KiBü) sprachen sich denn auch direkt für die Verlängerung des Modellversuchs aus – unter der Bedingung, dass im Herbst brauchbares Material zur Auswertung vorliegen müsse. Außerdem unterschieden sie zwischen Gastronomie einerseits sowie Randalemachern und Vandalismus andererseits. Sie forderten mehr Polizei- und Vollzugsdienstpräsenz in der Zeit von Mitternacht bis 6 Uhr morgens, um letzteres in den Griff kriegen zu können. Wenn freitags und samstags jeweils eine Stunde mehr im Freien bewirtet werden kann, sahen sie dies dagegen als zumutbar an.
Mit 21 zu zwölf Stimmen hat der Gemeinderat schließlich entschieden, den Modellversuch vom 21. Mai bis zum 11. September zu verlängern. Zusätzlich soll auch an Fußball-WM-Spieltagen vom Achtelfinale an jeweils von 23 bis 24 Uhr eine Außenbewirtung möglich sein – unabhängig vom Wochentag. Zwischen dem 26. Juni und dem Endspiel am 11. Juli betrifft das sechs zusätzliche Tage, die nicht ohnehin auf einen Freitag oder Samstag fallen. Stadtrat Andreas Kenner (SPD) verwies in diesem Zusammenhang noch auf ein mögliches Dilemma nach dem letzten Vorrundenspiel des deutschen Teams am 23. Juni: „Wenn Deutschland dann gegen Ghana in der letzten Minute das Weiterkommen sichert, ist es schon fast 23 Uhr. Dann beginnt ein zweistündiger Autokorso, aber niemand darf nach 23 Uhr draußen sitzen und noch was trinken.“

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