Da wurde doch glatt der Verkehrsgutachter eines Besseren belehrt: Allen Unkenrufen zum Trotz ist die untere Max-Eyth-Straße auch ohne Nordwesttangente ein Eldorado für Fußgänger geworden. Die offizielle Einweihung der neuen Flaniermeile in Kirchheims Innenstadt findet heute Abend statt.
Iris Häfner
Kirchheim. Kaum hatten die Bauarbeiter die rot-weißen Absperrungen entfernt, nahmen auch schon Fußgänger die neu gestaltete untere Max-Eyth-Straße in ihren Besitz. Ohne Rücksicht auf Autos nehmen zu müssen, schlendern seit einigen Tagen Passanten entspannt durch die breite Straße und toben Kinder umher. „Der Wunsch, die Innenstadt mit Teck- und Nanzcenter zu verbinden, wurde schneller Wirklichkeit, als gedacht“, freut sich Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer.
Erstaunlich schnell haben Verwaltung und Gemeinderat auf die neue Situation reagiert. Völlig überraschend hatte sich während der Umbauzeit herausgestellt, dass sich der Umleitungsverkehr der rund 6 500 Autos recht problemlos auf verschiedene Straßen verteilt. Wesentlich dazu beigetragen hat die völlig veränderte Ampelschaltung am Postplatz: Fußgänger haben in einer Phase komplett grün und die Busse keine Schalt-Vorfahrtsberechtigung mehr. „Der Postplatz funktioniert besser als vorher“, ist nicht nur Günter Riemer von dieser Entwicklung überrascht. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Um 20 Prozent hat der Verkehr auf der Paradiesstraße zugenommen, einschließlich Lkws. „Das ist eine bittere Pille für die Anwohner, aber wir überlegen, wie wir das verträglich gestalten können“, verspricht der Bürgermeister.
Wenig erfreut ist er auch darüber, dass in der neuen guten Stube Wettbüros und Spielhallen ihr Domizil aufgeschlagen haben. Schon in den nächsten Wochen wird es eine Bürgerinfo für das Sanierungsgebiet „Max-Eyth-Straße/Untere Vorstadt“ geben, wie es unter anderem mit der Straße ab der Brücke und dem Postplatz weitergehen soll. Die Postbank und der gesamte Service rund um die Post bleibt vorerst bestehen. Allerdings gibt es laut Auskunft von Günter Riemer seitens der Postbank die Überlegung, mittelfristig in einen Neubau zu ziehen, der direkt an der Kolbstraße auf dem einstigen EZA-Gelände entstehen soll. Anfahren können die Kunden die jetzige Post in Zukunft nicht mehr. Der bislang bestehende „Wurmfortsatz“ wird ebenfalls Fußgängerzone. Schwere Pakete können die Kunden aber bequem in der neuen Filiale mit Eingang in der Ziegelstraße abgeben, wo notfalls im kleinen Hof geparkt werden kann. Dort sind auch bereits die Postfächer untergebracht.
„Wir warten ab, was die Händler machen“, sagt Günter Riemer im Hinblick auf die weitere Ausgestaltung der Max-Eyth-Straße. An Hülsen für Sonnenschirme ist bereits gedacht. Riemer hofft auf den einen oder anderen Gastronom, der mit Außenbewirtung ebenfalls für Abwechslung sorgen kann. „Wir werden nachlegen“, so Günter Riemer.
Karl-Michael Bantlin ist gleich in zweifacher Hinsicht involviert. „Als Anwohner der unteren Max-Eyth-Straße begrüße ich die Maßnahme sehr. Die Kunden sind viel entspannter als vorher“, freut sich der Inhaber des gleichnamigen Bekleidungshauses. Als Vorsitzender des City Rings war bei ihm aber auch eine große Portion Skepsis dabei, wie sich der Autoverkehr entwickeln wird. „Der fließt dank der neuen Ampelschaltung am Postplatz schneller ab“, zeigt er sich erstaunt und ist überzeugt, dass alle Seiten gewinnen: Stadt, Passanten, Kunden und Geschäftsinhaber. „In den nächsten Wochen muss diskutiert werden, wie die Straße attraktiv gestaltet werden kann. Für alle Beteiligten entstand ja innerhalb von wenigen Wochen eine völlig neue Situation. So schnell konnte niemand umplanen“, so Karl-Michael Bantlin. Er kann sich Ruhebänke und Pflanzkübel als Gestaltungselemente vorstellen, eventuell auch Bäume.
Heute Abend wird nun die untere Max-Eyth-Straße um 19 Uhr offiziell an der Ecke Alleenstraße/Max-Eyth-Straße im Rahmen des Mitternachts-Shoppings eingeweiht. Eine große Feier ist nicht geplant, da allerorten in der gesamten Innenstadt viele Aktionen in Geschäften und Gaststätten die Besucher locken. Um 21 und 22 Uhr beginnt jeweils vor dem Max-Eyth-Haus eine Stadtführung bei Nacht. Gaukler, Feuerschlucker und Feuertänzer zeigen ab 21 Uhr an verschiedenen Plätzen ihre Kunst, ab 23.30 Uhr gibt es das obligatorische Mitternachts-Spaghetti-Essen und um 23.53 Uhr das große Abschlussfeuerwerk.

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