Die ehemalige Behrkantine der früheren Wendlinger Möbelfabrik Behr führte lange ein Schattendasein, stand viele Jahre leer oder wurde als Lagerfläche genutzt. Nachdem der Nürtinger Architekt Gunther Single das denkmalgeschützte Gebäude erworben hat und seit vergangenem Jahr restauriert, interessiert sich auch das Wirtschaftsministerium für das bauhistorische Kleinod.
Gaby Kiedaisch
Wendlingen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein fast vergessenes, unscheinbares Gebäude hohen Besuch erwartet. Auf Vorschlag des Landesamts für Denkmalpflege besuchte gestern der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Richard Drautz, mit weiteren Vertretern die ehemalige Kantine im Rahmen einer Denkmalreise.
Was kurz vor Abschluss der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten aus dem heruntergekommenen Gebäude geworden ist, erstaunte gestern selbst die Fachleute. Nach einer gründlichen Überholung des Daches und der Fassade mit Vollwärmeschutz, war es vor allem die überlieferte bauzeitliche Ausstattung, die dem Denkmalamt am Herzen lag. Dazu gehören vor allem die alten Sprossenfenster mit Panzerglas aus den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts. Mit großem Aufwand mussten diese nach heutigem Stand restauriert werden, ohne die filigrane Sprossengestaltung zu zerstören. Gefördert wurden die Sanierungsarbeiten vom Wirtschaftsministerium mit 200 000 Euro aus Mitteln des Landesinfrastrukturprogramms.
Von tragender Bedeutung für den Denkmalschutz war ebenso der Erhalt des großen Saals mit seinen Bögen, mit der Bühne und – wie schon angemerkt – den markanten Sprossenfenstern. Im ehemaligen Kantinenraum soll schon bald wieder ein Restaurant mit Außengastronomie eröffnet werden. Noch im September soll die Entscheidung für den neuen Pächter fallen, meinte Reiner Single gestern auf Nachfrage.
Frühestens noch vor Weihnachten, aber spätestens Anfang des kommenden Jahres, könnte dann der Betrieb aufgenommen werden. Auch im ersten Stock, wo sich früher das Casino für die Führungskräfte befand, sind jetzt sechs hochwertige Hotelzimmer untergebracht und weitere sieben in der sogenannten Mansarde. Um die Wirtschaftlichkeit des Hotels zu erhöhen, sind weitere Hotelzimmer in einem neuen Nebengebäude geplant.
Dabei waren sich Denkmalamt und Architekt nicht immer einig bei der zeitaufwendigen Restaurierung des Gebäudes. Letztlich war die Rückbesinnung auf den ursprünglichen Befund des Objektes für beide Seiten eine gute Richtlinie, der man mit offenem Bekunden folgen konnte. Erhalten werden konnte eine ganze Menge – wie Türen, Zargen, Tore, Holzböden, Lamperien, der rote Magnesit-Estrich im Saal. Dort, wo Teile fehlten, wurden sie mit sensibler Hand nachgebildet oder schalltechnisch auf den neuesten Stand gebracht.
Zufrieden zeigte man sich deshalb auch mit den Lösungen für den Brandschutz und für den barrierefreien Zugang mit Aufzug und abgeschlossenem Treppenhaus mit außen liegender Fluchttreppe.
„Wir wollten mit einer hochwertigen Sanierung ein Zeichen setzen“, sagte Gunther Single über das durchdachte Konzept, das sich auch in der hochwertigen Ausstattung des Gebäudes wiederfinden soll. Synergieeffekte mit dem danebenliegenden Möbelhaus sind deshalb nicht auszuschließen.
Und weil sich Ästhetik und Genuss noch nie ausgeschlossen haben, wird daran gedacht, in der früheren Garage, wo die Betriebsfeuerwehr ihr Fahrzeug unterstellte, eine Espressobar und Vinothek einzurichten.

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