Kirchheim. Vom „Olymp“ der deutschen Amateurfilmer sind Barbara und Hartmut Ibsch schon längst wieder abgestiegen, aber nach dem Sonderpreis „Bester Reportagefilm“ bei den 68. Deutschen Filmfestspielen in Krefeld hat es sie gereizt, an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Der Mut hat sich gelohnt. Der Streifen „ich will endlich meine welt erklären“ ist beim 22. Internationalen Filmfestival des nichtkommerziellen Films im österreichischen Kärnten mit der „Diana in Gold“ ausgezeichnet worden. Für das Aufzeigen, wie mithilfe der „gestützten Kommunikation“ ein nicht sprechender Autist nach 29 Jahren der Fremdbestimmtheit sich endlich selbst artikulieren kann, gab es zudem einen Ehrenpokal. Er war der „Sonderpreis für die Darstellung eines wichtigen Anliegens“, gestiftet vom Gemeindevorstand und Kulturreferenten der Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See.
Damit nicht genug: Für seinen Film „Die drey scheenschte Dääg“ über den Basler Morgenstraich durfte das Kirchheimer Autorenpaar eine „Diana in Bronze“ entgegennehmen.
Während des Aufenthalts in Kärnten waren eine Woche lang vom frühen Abend an insgesamt mehr als siebzig Filme zu sehen. Ein Auswahlgremium hatte sie aus über zweihundert Bewerbungen bestimmt, knapp zwanzig Nationen waren dabei vertreten. Arbeiten von Filmhochschulen oder entsprechenden Akademien wurden gesondert bewertet.
Stattgefunden hat dieses Filmfestival in einer Atmosphäre der besonderen Art – international und familiär zugleich. Den beiden Neulingen aus Deutschland wurde es leicht gemacht, dabei zu sein. Spannend war es für sie allemal, über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu sehen, wie beispielsweise in Österreich, Italien, Polen, Frankreich, Malta, Großbritannien, Spanien, Kanada, Russland, Belgien oder im Kosovo Kurzfilme gemacht werden. Mit demselben Herzblut wie überall, könnte der gemeinsame Nenner lauten, es gibt keine „nationalen Merkmale“. Das ist auch gut so, bleibt doch auf diese Weise der Freiraum einer grenzenlosen Fantasie.
Der Film „ich will endlich meine welt erklären“ geht weiter seinen Weg. Barbara und Hartmut Ibsch sind eingeladen worden, damit im November an den 9. Marienberger Film- und Fototagen teilzunehmen, die als „Mekka für TV-Macher aus ganz Deutschland“ bezeichnet werden. Damit verbunden ist ein Wettbewerb um den erzgebirgischen Fernsehpreis „Grenzgänger“. Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik beteiligen sich an den Genres Kurzbericht, Reportagen, Moderation, Werbesendung, Werbespot sowie dem Sonderpreis kulturelle Identität einer Region.
Am ersten Advent schließlich wird das Kirchheimer Autorenpaar Gast des Filmklubs „Objektiv“ in Mönchengladbach sein. Er hat in diesem Jahr erstmals ein „Einladungsfestival“ ins Leben gerufen und angekündigt, „Spitzenfilme des Jahres“ zu präsentieren. Fünf Filme werden gezeigt – „ich will endlich meine welt erklären“ ist dabei. Einen schöneren Ausklang des Filmerjahres 2010 kann es für die beiden nicht geben. b.i.

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