12.11.2010 - 16:14 Uhr

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Frauenlesenacht in der Kirchheimer Stadtbücherei

ank

Kirchheim. Während vielfach beklagt wird, dass Multikulti nicht mehr das sei, was es einmal war und den Feminismus nun das gleiche Schicksal ereile, lud frauenbewegt

Brigitte Gerstenberger

und durch kulturelle Vielfalt geprägt der Kirchheimer Pädagoginnentreff selbstbewusst zur Frauenlesenacht in die Stadtbücherei ein. Das Angebot nahmen zahlreiche Besucherinnen gerne wahr. Bei afrikanischen Rhythmen und kulinarischen Leckereien aus aller Frauen Länder ließ sich unkompliziert und männerfrei über alle kulturellen Schranken hinweg gemütlich plaudern, den Geschichten aus Afrika, der Türkei, Ungarn, Tschechien und Finnland wurde interessiert zugehört. Sprachengewirr kam aus verschiedenen Leseecken. Die Fremdartigkeit der Sprachen vermittelte Nähe zu den Kulturen. Natürlich wurden die gesprochenen Worte auch ins Deutsche übersetzt, leben doch die Frauen schon seit vielen Jahren in Deutschland.

Ruhsar Aydogan, geboren in Bietigheim, verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und in der Türkei, sie studierte Germanistik in Istanbul und arbeitet heute als Autorin und Schauspielerin in Stuttgart. Großartig fabulierend nahm sie die Zuhörerinnen mit auf ihre bewegten „Wanderjahre“ zwischen der Türkei und Deutschland. Im roten Kleid gewandet, versehen mit aufwendiger Stickerei, erfuhren die Besucher von Rushar Aydogan von der Bedeutung dieser türkischen Handarbeit. „Je aufwendiger die Stickerei, umso talentierter ein Mädchen und umso mehr wird es von Männern umworben.“

Ihr Kleid hingegen hatte für sie die Großmutter gefertigt, die auch in ihrem Buch „Das Radio am Fenster“ eine wichtige Rolle spielt. Es ist die Geschichte eines Kindes, das auf dem beschwerlichen Weg zum Erwachsenwerden zwischen der schwäbischen Heimat und seiner zweiten Heimat, der Türkei, pendelt, wo es bei den Großeltern und der Großfamilie einen Teil der Kindheit verbrachte. Vor allem Frauen unterstützen sich in einem türkischen Familienverband gegenseitig bei der Hausarbeit, im Garten und auf dem Feld. „Ich habe sechs Mal Integration hinter mir“, fügt Rushar Aydogan schmunzelnd hinzu, während sie einen köstlichen Brotaufstrich mit selbst gemachtem Tomaten- und Paprikamark reicht. „Im Herbst ist in meiner türkischen Heimat einfach viel los, da werden die geernteten Früchte verarbeitet.“

Sprach- und Literaturforscher konnten sich bei Katharina Kiss-Müller schlau machen. Die gebürtige Donauschwäbin und studierte Ingenieu­rin hat Ungarn vor vielen Jahren verlassen, um zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Sie erklärte: „Es gibt etwa dreieinhalb mal so viele ungarische Wörter wie deutsche. Deutsch arbeitet mit zusammengesetzten Wörtern, im Ungarischen wird für alles ein Wort kreiert.“ Während man in sozialistischer Zeit eher einen Scheinfeminismus in der Literatur gepflegt habe, stellten die ungarischen Autorinnen heute das Thema Frau mehr in den Mittelpunkt. Eine Liste mit ungarischen Schriftstellerinnen sowie in Ungarn lebenden deutschsprachigen Schriftstellerinnen brachte das ein oder andere Schmankerl zum Vorschein. Beispielsweise schildert „Blaubarts Handy“ von Katrin Kremmler mit spritziger Ironie den abenteuerlichen Alltag einer studierten lesbischen Büromaus.

Inmitten der kulturellen und literarischen Mannigfaltigkeit präsentierte die internationale Hilfsorganisation ROKPA farbenfrohe Handarbeiten aus Kathmandu. ROKPA ist das tibetische Wort für „helfen“ oder „dienen“. Ziel ist, unabhängig von Religion und Kultur das Leben von Menschen dort zu erleichtern, wo es notwendig ist. Die Organisation setzt sich für Waisenkinder, in der Gesundheitsförderung, im Umweltschutz, in der Bildung und Versorgung mit Nahrung und Obhut sowie für die Erhaltung des kulturellen Erbes ein.

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