Lenningen erhält Geld vom Land für die umweltverträgliche Planung des Breitbandnetzes
Im Spannungsfeld von Naturschutz und Fortschritt

Der hohe Besuch gestern im Oberlenninger Rathaus war gerne gesehen, hatte Minister Alexander Bonde doch einen Bewilligungsbescheid von 741 000 Euro im Gepäck. Nochmals den gleichen Betrag investiert Lenningen in den Breitbandausbau.

Lenningen. „Die unglaublich schöne Lage Lenningens bringt das ein oder andere Problemchen mit sich. In diesem Fall geht um die Frage, wie der Zwiespalt zwischen Naturschutz und Fortschritt zu lösen ist“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht. Mit der gefundenen Lösung ist er nun zufrieden. Gemeinde, Planungsbüro und Ministerium arbeiteten eng zusammen, um trotz mannigfaltiger Schutzgebiete die Menschen im ländlichen Raum nicht von der Entwicklung des schnellen Internets auszuschließen. Weil der Markt versagt hat, sieht Michael Schlecht die Kommunen notgedrungen in der Pflicht: „Breitbandversorgung gehört zur öffentlichen Infrastruktur wie sauberes Trinkwasser und Strom.“

Von einem harten Standortfaktor sprach auch Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg. „Internet ist nicht mehr wegzudenken – egal, ob im privaten Bereich oder in der Wirtschaft“, sagte er. Das Land helfe so gut es geht, doch das EU-Recht habe mit seinen klaren Vorgaben enge Grenzen gesteckt. Die ländlichen Gebiete in Baden-Württemberg seien jedoch ein starker Wirtschaftsraum. „Ein Drittel der Menschen leben dort und fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts wird dort erwirtschaftet“, zeigte er die Dimensionen auf. Lenningen ist deshalb kein Einzelfall. Im Ringen um eine möglichst schonende Trassenführung ist dabei das Modellprojekt mit dem wohlklingenden Namen „Breitbanderschließlung einer Kommune unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen von Natur-, Wasser-, Vogel-, und Landschaftsschutz“ entstanden. „Mancher Quadratmeter unserer Markung ist fünf- oder sechsfach geschützt“, verdeutlichte Michael Schlecht die Problematik.

Um so spannender sei deshalb dieses Modellprojekt für das Land.„Sie sind ja umzingelt von Schutzgebieten und die geografische Lage Lenningens ist ebenfalls nicht einfach“, so Alexander Bonde. Auch wenn das Land mit Funktechnik operiere, so ist der Minister überzeugt, dass Glasfaser die Technik mit „Aufwuchspotenzial“ ist und deshalb dort eingesetzt werden sollte, wo die Verlegung machbar ist. „Wie macht man das im Einklang mit der Natur? Ich finde es interessant, wie Lenningen das hinbekommen hat“, lobte Alexander Bonde.

Von einer Herausforderung sprach denn auch Planer Kai Seim. Er habe viel über das deutsche Naturschutzgesetz gelernt. „Das muss man jedoch nicht negativ sehen. In manchem Gebiet wäre man sonst in der Vergangenheit wohl durchgefräst“, erklärte er. Statt dessen werden nun Radwege, Leerrohre und Fallleitungen genutzt, denn Lenningen muss auch zwei Alb­aufstiege – nach Schopfloch und Hochwang – stemmen. „Mit unseren sieben Ortsteilen sind wir selbst schon interkommunal“, verdeutlichte Michael Schlecht die Situation. So kommen insgesamt knapp 16 Kilometer Leitungsnetz kreuz und quer durch Lenningen zusammen. Netto kostet die Maßnahme 1,5 Millionen Euro. Diesen Betrag teilen sich je zur Hälfte die Gemeinde Lenningen und das Land Baden-Württemberg, weshalb Alexander Bonde nun den Bescheid in Höhe von rund 750 000 Euro im Rathaus Oberlenningen an Michael Schlecht überreichen konnte. Für den Minister ist beispielhaft, dass bei der Trassenwahl wenig neue Flächen beansprucht werden und auch sonst großer Wert auf Umweltverträglichkeit gelegt wurde. „Wir achten auf die Brutzeit sämtlicher Vogelarten und sehen dann, wo wir am Ende des Jahres stehen“, so Kai Seim.