25.08.2010 - 09:49 Uhr

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Keine Chance dem „Enkeltrick“

rum

Die Bürger im Landkreis Esslingen leben sicher. Dennoch setzen täglich Medienberichte ältere Menschen in Angst und Schrecken. Dieser Kriminalitätsfurcht begegnet das Projekt „Sicherheitsberater für Senioren“ (SfS). Kreisseniorenrat und Polizeidirektion Esslingen arbeiten hier zusammen, um durch eine sachgerechte Beratung das Sicherheitsgefühl älterer Menschen wieder zu stärken, ihre Ängste abzubauen und sie aus ihrer Isolation herauszuholen. Das Präventionsprojekt ist Anwärter auf den Ehrenamtspreis 2010.

richard umstadt

Kirchheim. Angesichts einer subjektiv empfundenen Bedrohung der eigenen Sicherheit, wandten sich immer mehr ältere Menschen an die Polizei. „Wir haben uns deshalb Gedanken gemacht, wie gehen wir mit dieser Entwicklung um“, erinnert sich Polizeihauptkommissar Klaus Holzmann von der Kriminalberatungsstelle der Polizeidirektion Esslingen. Das Projekt „Sicherheitsberater für Senioren“, das es anderswo bereits gab, schien für die Polizei der richtige Ansatzpunkt zu sein. Einen Kooperationspartner fand sie sehr schnell im Kreisseniorenrat.

Das war 1999. Damals ließen sich 16 Männer und Frauen aus den Reihen der Senioren zu Sicherheitsberatern ausbilden. Vier davon sind immer noch aktiv. Insgesamt neun Sicherheitsberater im Alter zwischen 40 und 70 Jahren, meist Senioren, sind heute im Einsatz. Etliche von ihnen waren vor dem Ruhestand im Polizeidienst oder in der Polizeidirektion angestellt, doch es findet sich auch ein ehemaliger Rechtsanwalt und ein früherer Fahrlehrer der Bundeswehr darunter.

Rund 26 Veranstaltungen im vergangenen Jahr in Vereinen, Treffs, bei Kirchen und anderen Organisationen weist die SfS-Statistik nach. Dabei erreichten die Sicherheitsberater rund 900 Menschen. Tendenz steigend, denn im ersten Halbjahr 2010 waren es bereits 22 Veranstaltungen, in denen sie ältere Menschen über die aktuelle Kriminalitätslage informierten, über Wechselgeldschwindel, Enkeltrick und andere windige Methoden, Senioren das Geld abzuknöpfen.

Die ehrenamtlichen Sicherheitsberater, die in Esslingen, Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen, Oberboihingen, Wernau, Wendlingen und Kirchheim wohnen, decken damit das gesamte Kreisgebiet mit seinen 128 000 Einwohnern über 60 Jahre ab. „Das Engagement der Sicherheitsberater ist immens“, weiß Klaus Holzmann aus eigener Erfahrung. „Ich habe in all den Jahren auf eine Anfrage eine ablehnende Haltung erfahren.“ Dies bestätigen auch Kreisseniorenratsvorsitzender Rainer Häußler und Vorstandsmitglied Rudi Dölfel. Alle drei sind sich einig: „Die Sicherheitsberatung für Senioren“ ist inzwischen ein Selbstläufer.

Ziel der SfS-Beratung ist es, das subjektive Gefühl einer Bedrohung, das ältere Menschen durch die Lektüre der Zeitung und durch Krimis im Fernsehen und andere Sendungen gerne empfinden, zu objektivieren. „Wir wollen sie beraten und aus ihrer vor lauter Angst selbst gewählten Isolation herausholen“, sagt Polizeihauptkommissar Holzmann. Dabei gehen die Sicherheitsberater in Referaten bei den LandFrauen oder im „Frohen Alter“, dem Donnerstagstreff, der Montagsrunde, in der Bürgerwerkstatt, bei 60Plus oder der „Spätlese“ nicht nur auf die allgemeine Entwicklung in der Kriminalität ein – „junge Menschen werden öfters Opfer von Gewalttaten als ältere“. Sie zeigen auch auf, wie beim sogenannten Enkeltrick aufs Übelste mit den Ängsten der Senioren gespielt und ihnen Tausende von Euros aus der Tasche gezogen werden. Die Sicherheitsexperten tragen dem Wandel der kriminellen Kreativität böser Buben Rechnung und stellen ebenso Themen wie Kaffeefahrten, Internetkriminalität und Gelddiebstähle aus Einkaufswägen in den Mittelpunkt ihrer Vorträge. Außerdem ist auch die „sichere Haustür“ beziehungsweise die „sichere Wohnung“ ein Thema.

Geht es allerdings um konkrete Schritte und sicherheitstechnische Beratung, so sind die Experten der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle gefragt, die kostenlos ins Häusle oder die Wohnung kommen, um vor Ort die richtigen Tipps zu geben. Die Senioren können dann selbst entscheiden, ob eine und welche Fenster- oder Türensicherung eingebaut werden soll.

Die polizeiliche Kriminalitätsprävention beginnt bereits im Kindergarten und betreut alle Altersgruppen. „Besonders interessant für uns sind aber die Senioren, weil sie rund ein Viertel der Kreisbevölkerung ausmachen“, sagt Klaus Holzmann.

Die Sicherheitsberater gehen nach Anfrage im Auftrag der Polizei und des Kreisseniorenrats in die Vereine und Organisationen. Dafür erhalten sie vom Veranstalter pauschal zehn Euro. Nach Abzug der Auslagen erhält Rudi Dölfel als Kassenwart des Kreisseniorenrats das restliche Geld, das auf einem SfS-eigenen Girokonto angelegt wird.

Sowohl für den Kreisseniorenrat als auch für die Kriminalprävention der Polizei ist das Projekt wichtig: „Damit sind wir zum Wohle der Senioren im Kreis sehr gut aufgestellt“, sagt Polizeihauptkommissar Holzmann. „Senioren von ihrer Verbrechensfurcht zu befreien bedeutet, ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.“ Das sieht auch Rainer Häußler so, der im Übrigen auf die sehr gute Zusammenarbeit der Sicherheitsberater untereinander und ebenso mit der Polizei hinweist.

Der Einsatz der SfS-Berater wird kreisweit zentral vom Sachgebiet Kriminalprävention der Polizeidirektion Esslingen gesteuert. Bei Interesse an einem Vortrag der Sicherheitsberater wenden sich Vereine an Polizeihauptkommissar Klaus Holzmann, Telefon 07 11/39 90-131, E-mail-Adresse: holzmann@pdes.bwl.de.

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