Lenningen. 18 Kilometer bis ins thüringische Sonneberg und das an der Lindenkreuzung bei Schopfloch aus Richtung Reußenstein kommend – wo gibt‘s denn so was? Ganz
Iris Häfner
einfach: beim Film. Illusionen schaffen in der Realität, das gelingt der Crew von „Löwenzahn – Das Kinoabenteuer“ gleich in mehrfacher Hinsicht. Statt Bauarbeiten finden Dreharbeiten statt, für die die Autofahrer an den extra installierten Ampeln warten müssen, bis die Probe fertig oder die Szene im Kasten ist. Dann haben die Schauspieler Pause, damit der Verkehr wieder fließen kann. Dass es sich bei der Produktion um absolute Profis handelt, macht sich bis ins kleinste Detail bemerkbar: Die Bauarbeiter, die an den Ampeln auf Anweisung via Knopf im Ohr von rot auf grün oder umgekehrt schalten, könnten glatt als solche durchgehen mit ihren total verdreckten Arbeitshosen. Für diesen Eingriff in den Straßenverkehr gibt es ganz offiziell eine Genehmigung vom Landratsamt Esslingen und von Aufregung bei den Autofahrern ist keine Spur, ganz im Gegenteil: Alle fahren langsam am Set vorbei und schauen neugierig auf die Szenerie, die sich da mitten in der freien Landschaft abspielt.
Guido Hammesfahr, den wohl jedes Kind als Fritz Fuchs aus der ZDF-Sendung Löwenzahn kennt, steht am Straßenrand und lässt sich schminken. Immer wieder darf er an diesem sonnigen Nachmittag mit einem klapprigen Postmotorrad in Richtung Naturschutzzentrum den Berg hochfahren, um dann auf Kommando mit „Keks“, dem Berner Sennenhund, im Beiwagen und Laila, gespielt von Ruby O. Fee, als Sozia, für die Filmszene wieder runterzufahren. Sie treffen sich nämlich an der mächtigen Linde, unter der bereits ein alter, orangefarbener VW-Bus mit dem tollen Kennzeichen BÄR - P 743 parkt, mit Yasemin, gespielt von Sanam Afrashteh.
Das Geschehen verfolgt nicht nur Regisseur Peter Timm ganz genau, sondern auch zahlreiche Kinder aus Schopfloch, die die Ferien nutzen, um mal live bei einem richtigen Kinodreh dabei zu sein. Sie stellen dabei viele Dinge fest. So eine Filmcrew braucht beispielsweise vor allem Geduld, denn das Drehen ist eine äußerst langwierige Angelegenheit. Alles muss stimmen, das Licht, die Einstellung und jedes noch so kleine Detail. „In der vorigen Szene war der Reißverschluss bis oben zu – war die Tasche im Auto drin?“, gehen zwei Crewmitglieder die einzelnen Positionen vor dem Dreh genau durch.
Bei all dem den besten Überblick hat Kameramann Achim Poulheim. Er schwebt in etwa drei bis vier Metern Höhe geradezu über der gesamten Szene und nimmt sie vor allem durch die Linse wahr. Nebenher gibt er noch Handzeichen, damit die Assistenten, die den großen Kameraarm zu zweit bewegen, ihn noch höher in Position oder wieder dem Boden näherbringen – der Mann muss schwindelfrei sein.
Insgesamt wuseln, sitzen oder kreuzworträtseln etwa 60 Leute rund um die Linde. „Das sind alles absolute Profis und Spezialisten auf ihrem Gebiet“, sagt Birgit Hettich von der Agentur Watchout in Stuttgart. Ihr ist auch der Drehort bei Schopfloch zu verdanken. „Ich bin auf der Suche nach einem idealen Standort für diese Szene durch die Gegend gefahren und hier vorbeigekommen“, erzählt Birgit Hettich. Dieser tolle Platz ist für sie nahezu perfekt: „Es ist ein markanter Punkt in einer schönen Gegend, den man nicht verfehlen kann, um sich mit jemandem zu treffen.“
Eigentlich spielt der Film in Thüringen – deshalb auch die Namen Sonneberg, Bockelhagen, Meuselwitz, Kühndorf und Ringleben auf dem Schild. Immerhin darf der Hinweis auf das Naturschutzzentrum bleiben. Gedreht wird auch in den Alpen und der Region Berlin-Brandenburg. Seit 21. Juli ist die Crew nun schon unterwegs, der Film selbst soll am 24. März 2011 in den Verleih kommen.
Viel über den Inhalt verraten die Macher nicht, nur das: Nachdem skrupellose Diebe die Baupläne von Fritz Fuchs‘ neuer Erfindung, einem solarbetriebenen Paraglider, gestohlen und viel schlimmer noch, drei kleine Hundewelpen entführt haben, ist es für Fritz Fuchs und Laila klar: sie müssen die Tiere retten. Die beiden neuen Freunde machen sich gemeinsam auf die Suche und entdecken bald, dass die Einbrecher ein ganz anderes, böses Ziel verfolgen. Nach einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd durchs ganze Land kommt es schließlich in den Alpen zum spannenden Showdown. „Ich bin der James-Bond-Bösewicht für Kinder“, sagt Dominique Horwitz in einem Interview über seine Rolle.
Und dann haben die Filmprofis doch noch mit einem echtem Problem zu kämpfen: Wo bekommen sie jetzt um diese Jahreszeit sowohl blühenden Löwenzahn als auch Pusteblumen für den Dreh her, die Fritz Fuchs gedankenverloren neben Yasemin unter der Schopflocher Linde in den Wind bläst? Dieses Geheimnis verraten die Filmemacher nicht, der liebevolle und fürsorgliche Umgang mit diesem Gewächs spricht allerdings Bände.

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