30.08.2010 - 11:39 Uhr

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Schwimmen lernen und Leben retten

alm

Leben retten und möglichst vielen Menschen das Schwimmen beibringen: Um diese wichtigen Aufgaben erfüllen zu können, leisten die Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Kirchheim im Jahr etwa 2 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Die Kirchheimer DLRG gehört zu den zehn Anwärtern auf den diesjährigen Ehrenamtspreis.

heike allmendinger

Kirchheim. Seinen Mitmenschen das Leben retten, es jedem ermöglichen, das Schwimmen zu lernen, und gute Schwimmer zu Rettungsschwimmern ausbilden – das sind die drei Grundgedanken der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Allerdings ist es keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass alle Kinder an den Schulen das Schwimmen lernen und später vielleicht sogar selbst als Rettungsschwimmer aktiv sind. „Ein erschreckend hoher Anteil der Lehrer, die an Grundschulen Schwimmunterricht geben, haben keine ausreichenden Kenntnisse“, hat Ulrich Baade von der Kirchheimer DLRG beobachtet. Hinzu komme, dass die Lehrer sich nicht um jedes Kind individuell kümmern könnten, weil die Klassen schlichtweg zu groß sind, ergänzt Michael Blank. Der Vorsitzende der Kirchheimer DLRG weiß, wovon er spricht – schließlich hat er schon selbst den Dritt- und Viertklässlern der Kirchheimer Freihof-Grundschule Schwimmunterricht gegeben, als die Schule mit Lehrermangel zu kämpfen hatte. „Ich habe damals gesehen, dass viele Kinder nicht richtig schwimmen können“, erzählt Michael Blank.

Kein Wunder also, dass die Schwimmkurse der Kirchheimer DLRG überaus begehrt sind. „Früher konnten wir nur einen Anfängerschwimmkurs im Jahr anbieten, weil wir nicht genügend Übungsleiter hatten“, erinnert sich Michael Blank. Mittlerweile jedoch warten die DLRG-Mitglieder mit vier Kursen im Kirchheimer Hallenbad auf, bei denen jährlich etwa 30 Kinder ab fünf Jahren mit dem „Seepferdchen“ ausgezeichnet werden. „In den vergangenen Jahren ist unsere Mitgliederzahl nahezu explodiert. Deshalb gibt es bei uns fast eine Eins-zu-eins-Betreuung – das findet man in keinem anderen Schwimmkurs“, freut sich der Vorsitzende. Möglich ist dies nur durch die vielen ehrenamtlich engagierten DLRG-Mitglieder. Trotzdem stehen derzeit immer noch 30 Kinder auf der Warteliste – „und es werden immer noch mehr.“

Die Kirchheimer DLRG, die in den 30er-Jahren gegründet wurde und der momentan etwa 400 Mitglieder angehören, bietet darüber hinaus in Zusammenarbeit mit der Familien-Bildungsstätte Baby- und Kleinkind-Schwimmlehrgänge sowie Aqua-Fitness-Kurse an. Außerdem gibt es seit September vergangenen Jahres Schwimmkurse für Erwachsene, die ebenfalls sehr gut angenommen werden. „Im vergangenen Jahr waren die Voraussetzungen der Teilnehmer sehr unterschiedlich: Manche konnten schon ein bisschen schwimmen, andere wiederum hatten Angst vor dem Wasser“, verdeutlicht Ulrich Baade. Die Teilnehmer, die zwischen 19 und 70 Jahre alt waren, hätten letztlich aber alle großen Spaß gehabt und sich über ihre Fortschritte gefreut. „Diese hätten sie vorher nicht für möglich gehalten.“

Die DLRG ist ehrenamtlich jedoch nicht nur im Bereich des Breitensports aktiv, betont Ulrich Baade. „Genauso wie zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz zählen wir zu den offiziellen Rettungskräften.“ So gibt es zum einen die ehrenamtlich tätigen Rettungswachgänger und zum anderen die Schwimmer, die in den Wasserrettungsdienst des DLRG-Bezirks Esslingen eingebunden sind. Letztere rücken immer dann mit speziellen Fahrzeugen und Booten aus, wenn Menschen am, im oder auf dem Wasser in Gefahr sind. Der Wasserrettungsdienst ist aber auch bei Veranstaltungen vor Ort, die in der Nähe eines Flusses oder Sees stattfinden. Die Rettungswachgänger hingegen schauen während der Sommermonate an den Wochenenden im Kirchheimer Freibad nach dem Rechten – zur Unterstützung der Schwimmmeister. Außerdem sind sie zwei Mal im Jahr am Aileswasensee in Nürtingen zugegen.

Die Übungsleiter, Rettungswachgänger und die Mitglieder des Wasserrettungsdienstes müssen alle eine bestimmte Ausbildung absolvieren. Diese umfasst unter anderem Erste Hilfe und das Erlernen von unterschiedlichen, auf die Rettung von Menschen ausgelegten Schwimmarten. Bei einer theoretischen und praktischen Prüfung stellen die Teilnehmer schließlich ihr Können unter Beweis. „Wir achten bei der Ausbildung darauf, dass sich die Mitglieder ihrer Sache sicher sind“, unterstreicht DLRGler Andreas Boesen. „Man muss genau wissen, was man tut. Denn auch, wenn man mal einen schlechten Tag hat, muss es klappen“, fügt Michael Blank hinzu.

Um ihr Wissen immer wieder aufzufrischen, nehmen die DLRG-Mitglieder regelmäßig an Fortbildungen und Rettungsvergleichskämpfen teil, bei denen sie gegen andere Ortsgruppen und Bezirke antreten. Dabei geht es darum, möglichst schnell einen vermeintlich Ertrinkenden zu retten. „Kirchheim ist hier immer sehr erfolgreich. Wir haben es schon oft bis auf Landesebene geschafft“, erzählt Ulrich Baade stolz. Aber auch die Erste-Hilfe-Kurse erneuern die Schwimmer regelmäßig – „denn es gibt hier immer wieder neue Vorschriften, die man kennen muss“, sagt Ulrich Baade.

Neben den zahlreichen Aufgaben der DLRG-Mitglieder, die ihren Verein über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Kursgebühren finanzieren, kommt aber auch der Spaß innerhalb der Ortsgruppe nicht zu kurz. So stärken die Schwimmer ihre Gemeinschaft bei vielen gemeinsamen Veranstaltungen und Ausflügen – wie zum Beispiel jüngst bei einer Kanufreizeit in Frankreich.

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