Der Papierfabrik Scheufelen in Oberlenningen liegen ihre Auszubildenden am Herzen. Sie sollen in ihrer Lehrzeit nicht nur Fachwissen ansammeln, sondern auch anderweitig an Reife gewinnen. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Soziales Engagement“ aus der Taufe gehoben.
Iris Häfner
Lenningen. „Jedes Jahr führen wir zahlreiche Bewerbungsgespräche. Vor drei Jahren haben wir bemerkt, dass es bei vielen Auszubildenden Defizite im sozialen Bereich gibt“, sagt Christine Schilling, eine der drei Ausbilder der Papierfabrik Scheufelen. So fehlt in vielen Haushalten beispielsweise der Kontakt zu den Großeltern, weil sie nicht selten viel zu weit weg wohnen. „Umgekehrt leiden viele Ältere darunter, dass sie ihre Enkel aus demselben Grund kaum sehen“, so Christine Schilling.
Die sozialpädagogischen Tage der Scheufelen-Azubis auf der Burg Teck brachten die Wende. Werner Schulmeyer hatte dort im Jahr 2007 das Lenninger Netz als Projektpartner eindrucksvoll vorgestellt. In Kleingruppen erarbeiteten die Lehrlinge daraufhin Ziele und Ideen, die sie am Abschlusstag präsentierten – die waren bunt gemischt und reichten bis zur Ü 60-Party. „Wir haben uns dann aber doch für den Besuch des Freilichtmuseums Beuren entschieden“, meint Werner Schulmeyer lachend. Wichtig war den Verantwortlichen, dass Jung und Alt gemeinsam etwas unternehmen. Gewünschter Nebeneffekt: Die Azubis sammelten reichlich Erfahrung, was alles an Organisation dazugehört. „Das Lob der Älteren hat gut getan“, so Ausbilder und Auszubildende unisono. So war es für alle Beteiligten beeindruckend, was sich alles auf die Beine stellen lässt und welch gegenseitiges Verständnis aus gemeinsamen Erlebnissen erwachsen kann. Dazu zählt auch eine Nikolausfeier, bei der die Azubis für Kaffee, Kuchen und Programmpunkte sorgten. Außerdem waren die jüngsten Scheufelen-Mitarbeiter auch schon als Messebauer für die Seniorenmesse in der Lenninger Sporthalle tätig. Gern gesehen waren die jungen Frauen und Männer dort auch als Ansprechpartner und Begleiter, denn die Halle ist nur über eine Treppe zu erreichen. Hier war vor allem der Oberlenninger Jörg Bader, angehender Industriekaufmann, gefragt, den viele der Besucher zumindest vom Sehen schon seit Jahren kennen.
Ihr handwerkliches Geschick konnten die jungen Leute auch bei einem firmeninternen Projekt unter Beweis stellen. „Unter den Linden“ ist schnell zu einem beliebten Sitzplatz bei den Beschäftigten geworden. Ausbilder und Lehrlinge hatten aus alten Materialien Ruhebänke gezimmert, die im Beisein der Geschäftsleitung feierlich eingeweiht wurden. „Wenn dort was liegen bleibt, geht das auf uns zurück. Wir säubern und reinigen den Platz deshalb immer wieder“, sagt Ausbilder Rainer Wolf. Somit werden die Lehrlinge hautnah mit den Nachteilen der Wegwerfgesellschaft konfrontiert.
Den von den Azubis geführten Papershop – Manager ist der Mechatronik-Auszubildende Christian Schäfer – wollen die Ausbilder in Zukunft mehr im Bewusstsein der Bevölkerung verankern und das Angebot erweitern. In Pforte zwei bei der Lkw-Zufahrt können zurzeit freitags von 13.30 bis 15.30 Uhr hochwertiges Papier, Restposten und Produktionsüberschüsse sowie Marketingartikel der Papierfabrik gekauft werden. In diesem Betriebszweig lernen alle Azubis, zu denen auch Helmut Egel gehört, selbstständig ein kleines Unternehmen zu führen – mit allem, was dazugehört: Kalkulation, Buchhaltung, Lager, Kundenbetreuung und vieles mehr. „Scheufelen hat die schwierigen Jahre hinter sich. Unsere Auftragsbücher sind gefüllt und wir schreiben schwarze Zahlen“, freut sich Ausbildungsleiter Achim Kälberer über die guten Zukunftsaussichten seiner Schützlinge.
Die Ideen gehen allen Beteiligten nicht aus. Beim Männerstammtisch des Lenninger Netzes geht es beispielsweise um das Thema „Ausbildung früher und heute“. Dazu passt auch ein Besuch im firmeneigenen Museum für Sanitär, Kupferschmiede und Flaschnerei von Gottlieb Dangel in Oberlenningen.

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