KIRCHHEIM Die Familie räumte die Wohnung, drehte den Schlüssel rum, verschwand und ließ ihre Katze zurück. Für Susi war dies besonders tragisch, lebte sie doch seit ihrer Geburt in derselben Umgebung, war dort verwurzelt und auf ihre Menschen fixiert. Von nun an verließ sie den Platz vor ihrem ehemaligen Zuhause nicht mehr, wartend saß sie tagelang vor der Tür, bewegte sich nicht weg und maunzte herzzerreisend.
Susi lautes "Weinen" brachte ihr die Aufmerksamkeit von tierlieben Menschen ein, deren tägliche Spazierstrecke am Haus vorbei ging. Anfangs dachten diese noch, Susi wollte nur ins Haus und die Besitzer wären eben grad mal nicht da, aber dann fiel auf, dass das Haus unbewohnt war und die einst wohlgenährte Katzendame immer mehr abnahm und zum Schluss erbärmlich dünn war.
Der Kontakt zum Tierschutzverein wurde hergestellt, Susi eingefangen und erst einmal ins Katzenheim nach Kirchheim gebracht. Edelgard Neshyba nahm Susi entgegen und bedankte sich bei den Überbringern, dass diese nicht den Blick abgewendet, sondern sich über Susi Sorgen machten und reagierten. Die Katze zog in die Quarantänestation, bekam frisches Wasser und eine große Schale Futter.
Der Durst wurde gelöscht, aber Fressen wollte sie nicht. Dafür klagte sie weiter und es wurde schnell klar, dass die Katzenseniorin trauerte und sich unter den fremden Menschen, eingesperrt in der Box, alles andere als wohl fühlte. Edelgard Neshyba blieb besonders lange bei ihr, um sie zu beruhigen und war am nächsten Tag erstaunt, dass der Napf leer war und Susi ihre Streicheleinheiten lautstark einforderte. "Normalerweise benötigen ausgesetzte Tiere eine viel längere Zeit, um sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, aber wahrscheinlich half Susi hier ihre Erfahrung mit Menschen, ihre Scheu zu überwinden", so Neshyba.
Es stellte ich heraus, dass Susi eine besonders liebe, verschmuste Katze ist, die Kinder mag und ganz ruhig ungeduldige Kinderhände zulässt. Sobald sich jetzt der Schlüssel im Türschloss dreht, fängt Susi laut an zu miauen und der erste Gang der Mitarbeiterinnen ist immer zu ihr, um sie zu begrüßen. Mittlerweile war Susi auch beim Tierarzt, der der rüstigen Seniorin eine unglaubliche Gesundheit attestierte und die dennoch täglich mehr unter der Enge und dem fehlenden Auslauf im Katzenheim leidet. Ablenken lässt sie sich nur sehr kurzfristig dann schweift ihr Blick ab und die Katzenaugen werden traurig.
Da die meisten Interessenten für Katzen lieber eine junge Katze haben möchten, ist der Tierschutzverein nun in der schwierigen Situation, für Susi ein Zuhause zu finden, in dem die agile 20-Jährige den Rest ihres Lebens verbringen kann. Edelgard Neshyba und ihr Team hoffen, dass sich Tierfreunde für Susi erwärmen können. Unter der Telefonnummer 01 72/7 15 66 87 ist die Leiterin des Katzenheimes zu erreichen.
ina
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