Einen Überblick über ihre Arbeit gab die AOK Neckar-Fils gestern bei einer Pressekonferenz. Großen Wert legt die Geschäftsführung auf die Präsenz vor Ort und den Dialog mit allen Beteiligten: Patienten, Ärzten und Kliniken.
Iris Häfner
Kreis Esslingen. „Das Gesundheitswesen ist ein Dauerbrenner“, ist sich Dieter Kress, Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, bewusst. Zwar seien laut einer bundesweiten Umfrage 72 Prozent der Befragten grundsätzlich mit dem System zufrieden, politische Diskussionen um Kopfpauschale oder Bürgerversicherung würden die Menschen jedoch verunsichern. „Dabei geht es mehr um Systemfragen, weniger um Inhalte und das ist nicht zielführend“, kritisierte er. Wichtig ist ihm deshalb die Botschaft: Es gibt Versorgungssicherheit, denn die AOK Neckar-Fils sei in den Landkreisen Esslingen und Göppingen gut organisiert. Es bestehe ein gutes Verhältnis sowohl zu den niedergelassenen Ärzten, als auch zu den Kreiskrankenhäusern und städtischen Kliniken.
Von der Kopfpauschale hält Dieter Kress wenig. „Sie löst die Probleme nicht und ist extrem kompliziert zu handhaben“, so seine Einschätzung. Auch von Gerechtigkeit könne keine Rede sein. Die aktuellen Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bezug auf das Gesundheitswesen freut die AOK-Verantwortlichen dagegen: In erster Linie solle es nicht ideologisch organisiert werden, wichtig seien vor allem Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit. „Gute Leistungen und niedrige Ausgaben – das ist ein schwieriger Spagat“, so Dieter Kress. Mit Vertragspartnern vor Ort sei dies jedoch machbar.
Die AOK sei die einzige Krankenkasse mit örtlichen Strukturen. „Wir sind nah beim Menschen und stellen ihn in den Mittelpunkt unserer Arbeit“, erklärte er. Das Serviceversprechen für die Kunden würde ständig hinterfragt, die Erkenntnisse aus den Gesprächen fortlaufend genützt. Die monatliche Auswertung des Beschwerdemanagements liegt in den Händen der AOK selbst. Als ein Kritikpunkt kristallisierte sich beispielsweise eine zu lange Bearbeitungszeit bei Anträgen für Demenzkranke heraus. „Das ebbt ab“, freut sich Thomas Schneider, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils. Wichtig sei, zu erkennen, wo es Probleme gibt und diese dann zielgerichtet und schnell zu lösen.
Service steht weiterhin im Vordergrund. Dazu zählt gute Erreichbarkeit und kompetente Beratung. Zusätzliche Informationen seien bei bestimmten Krankheiten für die Patienten wichtig, etwa verständliche Begründungen, weshalb beispielsweise eine Rücken-OP abgelehnt wird und statt dessen Physiotherapie und regelmäßige Gymnastik angeordnet wird. „Diese Gespräche ersetzen nicht den Arzt, aber dieses Zweitmeinungsverfahren mit namhaften Kapazitäten kommt sehr gut an“, freut sich Thomas Schneider. Dies bestätigt auch eine Test-Umfrage der Zeitschrift Euro zum Thema Serviceleistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hier belegte die AOK Baden-Württemberg den ersten Platz. Wöchentlich lassen sich bei der AOK Neckar-Fils durchschnittlich rund 6 000 Mitglieder beraten, die Hälfte davon über das Telefon.
Damit ihre Mitglieder fit bleiben, gibt es das Projekt AOK und Partner im Sport. Rund 70 Vereinen in den Landkreisen Esslingen und Göppingen hat die Krankenkasse das Prädikat Fit- und Gesundvereine verliehen. Mit dabei sind auch zahlreiche Vereine in der Region rund um die Teck. Das Angebot ist breit gefächert: unter anderem Rückenfitness, Osteoporosegymnastik, Herzsportgruppen, Pilates, Step-Aerobic, XXL-Gymnastik, Sport nach Krebs, Qigong oder Jogging und Walking.
143 Millionen Euro hat die AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Es ist somit das erfolgreichste Geschäftsjahr. „Nach heutigem Stand benötigen wir in diesem Jahr keinen Zusatzbeitrag“, zeigt sich Dieter Kress vorsichtig optimistisch, dass dies auch so bleibt.

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