Dettingen. Gerade einmal 60 Minuten standen Erwin Hermle zur Verfügung, um die vom Dokumentationsteam gewissenhaft erarbeitete Chronik der langen Vereinsgeschichte Revue passieren zu lassen. Dennoch blieb genügend Zeit, um auch Details zu würdigen und vor allem immer wieder mit historischen Aufnahmen das Interesse der Besucher zu wecken.
Dass 150 Jahre Chorgesang natürlich nicht nur faktenreich per Power Point Präsentation abgefeiert werden dürfen, versteht sich von selbst und so formierte sich zunächst der Männerchor, um mit „Es löscht das Meer“ stimmgewaltig darüber zu singen, was der untergehenden Sonne droht.
Der von Andreas Hummel moderierte Festabend wurde von dem für die Präsentation der Vereinschronik verantwortlich zeichnenden Eugen Hermle in vier Epochen aufgeteilt, die unter der Überschrift „Gründungsjahre“ zunächst die Zeit von 1862 bis 1945 beleuchtete, um sich dann noch vor der Pause unter dem Motto „Gründung der Eintracht“ mit der Zeit von 1945 bis 1960 zu beschäftigen.
„Jubiläen und neue Chorgruppen“ bestimmten die Themen der dritten Epoche von 1960 bis 1990, der sich mit dem gewährten Überblick über die Jahre 1990 bis 2012 auch der Ausblick auf das wichtige Thema „Der Verein und die Zukunft“ anschloss.
Die Frage, was eine zu würdigende Zeitspanne von 150 Jahren bedeutet, stellte sich auch Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Er kam zu dem Ergebnis, dass es bei dem Blick auf eine so lange Zeit um zwei Menschenleben gehe, um fünf Generationen einer Familie oder eben auch um einen Zeitraum, in dem sich die Einwohnerschaft Dettingens immerhin verdreifacht und „von der Industrialisierung bis zum Medienzeitalter unserer Tage“ entwickelt habe. Er erinnerte in seiner Rede pointiert an markante Eckpunkte der Vereinsgeschichte.
Dass beispielsweise im Dettinger Gesangverein plötzlich englische Lieder angestimmt werden sollten, hatte einst für genau so viel Wirbel gesorgt wie der Vorstandswechsel, der mit Gudrun Strauß und ihrer Stellvertreterin Sigrid Höhn gleich zwei Frauen an die Doppelspitze einer lange Jahre hart verteidigten reinen Männerdomäne gebracht hatte.
Dass der Gesangverein Dettingen 150 Jahre lang immer die richtigen Antworten auf anstehende Fragen gefunden habe, konnte Bürgermeister Rainer Haußmann den versammelten Besuchern des Festabends bestätigen. Zugleich machte er aber auch darauf aufmerksam, dass sich der älteste Verein der Stadt gewaltigen Herausforderungen gegenüber sieht. „Wir werden älter und weniger“ stellte Bürgermeister Haußmann fest und sensibilisierte seine Zuhörerschaft dafür, dass Jugendliche sich heutzutage angesichts zuvor nie erreichter Freizeitangebote immer weniger binden und verpflichten wollen.
Dass die vielfältigen Aktivitäten eines Gesangvereins unverzichtbar sind und eine Gemeinde wie Dettingen gegenüber anonymen Großstädten auszeichnen, machte der Dettinger Bürgermeister unmissverständlich deutlich, mahnte aber zugleich auch, dass für das Fortbestehen und die Zukunft eines so traditionsreichen Vereins mit der versprochenen Unterstützung der Stadt weiter hart gearbeitet werden müsse.
Udo Goldmann überreichte als Präsident der Chorvereinigung Karl Pfaff und zugleich auch in seiner Funktion als Vertreter des Schwäbischen Sängerbundes der ersten Vorsitzenden Gudrun Strauß eine Urkunde. Er bestätigte, dass sich der lange Zeit nur von Männern dominierte Dettinger Gesangvererein längst der Musikpflege als gesamtgesellschaftliches Kulturgut verschrieben habe. Neben dem Männer- und dem 1954 nach demokratischer Abstimmung gegründeten Frauenchor bemühe sich der Verein längst auch generationsübergreifend im „All Generations Chor“ engagiert um die Pflege des Gemeinsinns.
„Klänge der Freude“ rundeten unter der musikalischen Leitung von Franz Hanicz den gelungenen Festabend ab, der noch ausreichend Gelegenheit bot, sich in Ruhe mit den ausgestellten Fotografien und Dokumenten der 150-jährigen Vereinsgeschichte zu beschäftigen.
