17.02.2017 - 02:17 Uhr

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Politik bekennt sich zu Abbruchmaterial

Umweltschutz Minister Franz Untersteller informiert sich bei der Firma Fischer in Weilheim über die neuesten Technologien und verspricht politische Lösungen für mehr RC-Beton in öffentlichen Ausschreibungen. Von Andreas Volz

Große Delegation zu Besuch in Weilheim, mit Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (rechts) an der Spitze.Foto: Carsten Riedl
Große Delegation zu Besuch in Weilheim, mit Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (rechts) an der Spitze.Foto: Carsten Riedl

Ministerbesuch bei Firma Fischer, Weilheim: Da geht es nicht um Schulterklopfen und Schönwetter-Reden, sondern um ernsthafte Gespräche und handfeste Politik. Und dabei stehen nicht etwa die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen im Mittelpunkt, sondern die Umwelt. Schließlich ist nicht der Wirtschaftsminister zu Gast im Gewerbegebiet Tobelwasen, sondern Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller.

„Ein paar brisante Themen“ kündigt Hans-Jörg Fischer, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, nach kurzer Begrüßung an. 2016 betrug die bewegte Masse in seinem Unternehmen rund drei Millionen Tonnen. Die Nachnutzung von Bodenmaterial steht aber schon seit neunzig Jahren auf der Agenda. 1980 habe man in die erste mobile Recycling-Anlage investiert, berichtet Hans-Jörg Fischer weiter: „Damals hieß das noch gar nicht Recycling, da nannte man es noch Wiederverwertung.“ Inhaltlich ging es aber um dasselbe: um den Wirtschaftskreislauf, um neue Nutzungen für alte Materialien.

Beim Recyclingbeton ist das derzeit ein ganz aktuelles Thema, in dem durchaus die angekündigte Brisanz steckt. Hans-Jörg Fischer: „Jeder will Recycling haben. Aber es gibt kaum Genehmigungen für Recyclingplätze. In Ausschreibungen ist Recyclingmaterial ausdrücklich nicht gewünscht.“ Das führt mittlerweile dazu, dass bestes Material nicht verwendet werden kann und dass es auf Deponien landet. Für Hans-Jörg Fischer ist der Fall klar: „Das kann nicht sein.“

Gerade im Großraum Stuttgart fehlt es an Plätzen, um Recyclingmaterial lagern zu können. Die Folge: „Gegenüber 2010 fahren unsere Lkw heute doppelt so viele Kilometer.“ Das belastet die Umwelt zusätzlich - und völlig unnötig. Feinstaubalarm ließe sich also häufig vermeiden, gäbe es ein paar Abladeplätze mehr.

Eine weitere Möglichkeit, Umweltbelastungen zu reduzieren, sieht Hans-Jörg Fischer in der 
E-Mobilität, auch bei Lkws: „Seit Jahrzehnten sind wir Testpartner für Prototypen bei vielen Herstellern.“ Das bezieht sich zwar nicht nur auf die E-Mobilität, zeigt aber, wie die Firma Fischer auch im Umweltschutz aktiv ist. Dazu gehört eine große Photovoltaik-Anlage ebenso wie die Nutzung von Oberflächenwasser - bis hin zur eigenen Regenwasserwaschanlage für den Fuhrpark. Letzterer entspricht zu 40 bis 45 Prozent den aktuellsten Abgasnormen, bis Jahresende sind es „deutlich über 50 Prozent“.

Minister Untersteller weist beim RC-Beton zwar darauf hin, dass gerade in Baden-Württemberg auf diesem Gebiet in den letzten Jahren sehr viel gemacht worden sei. Aber er stimmt Hans-Jörg Fischer zu, dass es immer noch „zäh und mühsam“ ist, Überzeugungsarbeit zu leisten: „Ich habe großes Interesse daran, dass wir die gute Qualität von Recyclingbeton nicht nur für den Unterbau von Straßen verwenden. Ich will da hin kommen, wo Zürich längst schon ist: Öffentliche Gebäude werden nur mit RC-Beton erstellt - außer man begründet ausführlich, warum das nicht geht.“ Eine denkbare Begründung für Baden-Württemberg wäre beispielsweise die große Entfernung zwischen einer Baustelle und dem Hersteller - im Sinne der Umwelt.

Grundsätzlich denkt Franz Untersteller auch an die Ausbildung von Architekten und an das Überzeugen von Bauherren, um den Baustoff RC-Beton insgesamt noch besser zu bewerben.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz fügt hinzu: „Wir haben das Finanzministerium beauftragt, die Ausschreibungsverfahren für den staatlichen Hochbau zu überprüfen.“ Ziel sei eine produktneutrale Ausschreibung - und gegebenenfalls die Empfehlung für RC-Beton. Ähnliche Gespräche gibt es mit dem Verkehrsministerium, das für den Straßenbau im Land zuständig ist. Er verspricht: „Die produktneutrale Ausschreibung wird kommen. Darauf legen wir großen Wert.“

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