Esslingen. Ob Bilanzsumme, Kundeneinlagen, Kreditvergabe oder Betriebsergebnis – vor allen relevanten Zahlen, die Heinz Fohrer gestern präsentierte, steht im Vergleich zum Vorjahr ein Plus (siehe Anhang). „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt der Bezirksvorsitzende, der zugleich Vorstandsmitglied bei der Volksbank Esslingen ist. Dass die Zahl der Kunden von 320 054 auf 317 247 zurückging, schmälert seine Freude nicht, denn dieser Schwund sei vor allem einer Bereinigung der Datenbestände geschuldet. Von einer Kreditklemme kann aus Sicht der Genossenschaftsbanken keine Rede sein: 2011 gewährten die elf Institute neue Kredite im Volumen von 800 Millionen
Euro. Auch das Geschäft mit Versicherungen, Bauspar- und Leasingverträgen laufe gut. „Was schwächelt, ist das Wertpapiergeschäft“, sagt Fohrer. Am ehesten seien noch Produkte mit Kapitalgarantie gefragt, an denen die Banken wegen niedrigerer Provisionen allerdings nicht allzu viel verdienen.
Eine Besonderheit, auf die die Genossenschaftsbanken stolz sind, ist die Möglichkeit, dass Kunden zugleich Eigentümer der Bank werden können. Zusammen haben die elf Banken im Kreis zurzeit 144 293 Mitglieder, bei manchen Instituten reichen schon 50 Euro um einzusteigen. Für die Volks- und Raiffeisenbanken sei dies auch ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung, betont Fohrer: „Wir sehen es sehr gerne, wenn Kunden, deren Hausbank wir sind, auch Mitglied werden.“
Mit 90 Geschäftsstellen im Kreis soll die Nähe zum Kunden auch in Zukunft ein zentrales Merkmal der genossenschaftlichen Banken bleiben. Allerdings gewinnt Internetbanking auch hier seit Jahren an Bedeutung. Inzwischen führt schon fast die Hälfte der Kunden ihr Konto online. „Und das sind nicht nur die Jungen. Sogar meine Schwiegermutter hat sich vor einiger Zeit zum Onlinebanking angemeldet“, erzählt Fohrer.
Er und seine Vorstandskollegen Hans Roth (Volksbank Hohenneuffen) und Rainer Spannnagel (Volksbank Filder) blicken optimistisch ins neue Jahr. Auf eine neue Wirtschaftskrise deutet nach ihrer Einschätzung zurzeit nichts hin. Einzig die immer strengeren Vorgaben der Bankenaufsicht empfinden die kleinen Institute zunehmend als Ärgernis. „Banken, die mit der Finanzkrise nichts zu tun hatten, werden genauso behandelt wie international agierende Großbanken“, beklagt Roth. „Man sollte aufpassen, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet.“
Die elf Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Esslingen melden für das Geschäftsjahr 2011 folgende Zahlen. In Klammern der Vergleich zum Vorjahr.
Bilanzsumme: 5 843 Millionen Euro (plus 2,11 Prozent)
Einlagen: 4 638 Millionen Euro (plus 4,60 Prozent)
Kundenkredite: 3 667 Millionen Euro (plus 4,55 Prozent)
Betriebsergebnis: 69,7 Millionen Euro (plus 0,52 Prozent)
