Naberner Bürger wollen ihr DSL-Schicksal in die eigene Hand nehmen: In der Zehntscheuer gab es deshalb eine Informationsveranstaltung. Der Abend diente auch dazu, sich über gemeinsame Interessen zu verständigen. Um die Wünsche der Naberner noch besser einschätzen zu können, soll nächste Woche ein Fragebogen an alle Haushalte gehen.
Andreas Volz
Kirchheim. Das Interesse war groß, wie Jürgen Hülß, der Leiter der Veranstaltung, mitteilt: Etwa hundert Naberner haben sich zwei Stunden lang über die Möglichkeiten ausgetauscht, flächendeckend eine bessere Internetversorgung im gesamten Ortsteil zu erhalten. Zunächst hatte Jürgen Hülß die Versammlung über den Stand der Dinge informiert: dass die Stadt Kirchheim eine Beihilfe von maximal 25 000 Euro ausgeschrieben hat, damit ein Anbieter bereit ist, ganz Nabern mit einer Internetanbindung zu versorgen.
Allerdings betonte Jürgen Hülß auch, welches Problem mit einer solchen Ausschreibung verbunden ist. Bei der Vergabe sei das günstigste Angebot zu berücksichtigen – auch wenn es nicht mehr zu bieten hat als den Mindeststandard der Grundversorgung: eine Übertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde.
Wie die Situation derzeit in Nabern aussieht, stellte Jürgen Hülß in der Zehntscheuer ebenfalls dar. Demzufolge steht Kabel BW ausschließlich in den Hofbaumgärten zur Verfügung. Bei der „sehr schnellen Anbindung“ des Industrieparks Nabern bestehe die Möglichkeit, die Kabel einmal um etwa 20 Meter und einmal um etwa 200 Meter zu verlängern. Außerdem seien Funkverbindungen nach Bissingen möglich.
Die Frage, was die Naberner selbst machen können, um ihre Internet-Versorgungslage zu verbessern, war natürlich der Kernpunkt der Veranstaltung. Weil es sich dabei um eine Privatinitiative handeln muss, um nicht ebenfalls unter die Ausschreibungsrichtlinien der EU zu fallen, war der Informationsabend auch kein offizieller Akt des Ortschaftsrats oder der Verwaltung. Die Veranstalter waren die Wählervereinigung Nabern und die SPD/UBL Nabern.
Was nun die Einwohner tun können, das wäre einerseits eine Bündelung ihrer Verträge: Wenn sie sich bei Telefon und Internet auf einen Anbieter einigen – egal, auf welchen – und diesem zusagen, dass sie bestehende Verträge bei ihm erweitern beziehungsweise Verträge bei anderen kündigen und dann neue Verträge bei dem gemeinsamen Anbieter abschließen, dann kann dieser Anbieter besser kalkulieren. Das würde bedeuten, so Jürgen Hülß, dass der ausgewählte Anbieter in der laufenden Ausschreibung ein günstigeres Angebot abgeben kann. Andererseits haben die Naberner aber auch die Möglichkeit, selbst Geld in die Hand zu nehmen und die Deckungslücke zu finanzieren. Somit könnten sie auch selbst mit einem Anbieter verhandeln.
Um herauszufinden, was die Naberner mehrheitlich wünschen, soll nun ein detaillierter Fragebogen an alle Haushalte gehen. Je nachdem, wie sich die Naberner entscheiden, könnte der Stadt Kirchheim dadurch auch die komplette Beihilfe von 25 000 Euro erspart bleiben.
Das Fazit, das Jürgen Hülß vom Naberner Informationsabend zieht, ist ausgesprochen positiv: „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass der klare Wille und das Engagement vorhanden sind, auch durch Einbringung von Zeit und Geld die Grundlage zu schaffen, nicht nur eine Grundversorgung, sondern ein leistungsfähiges Internet zu bekommen.“

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