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KIRCHHEIM Zombies haben etwas mit großen Filmemachern gemeinsam sie leben weiter, auch wenn sie schon tot sind. Das Erstlingswerk von "Fabrik Drei Entertainment" hat Pep und Potenzial. In
ALEXANDRA BOGER
ihrem Streifen "One by One We will take you" zeigen die jungen Kamera-Künstler aus der Region Gangster, Zombies und literweise Kunstblut. Die Premiere wurde im Central-Kino in Kirchheim gefeiert.
Das Motiv ist genauso unsterblich wie seine Protagonisten und immer wieder einen Film wert. Zumindest sieht das die Gruppe von "Fabrik Drei" so. Martin Oroszi, Johannes Pelzer, Marco Strobel und Holger Thiel arbeiteten nahezu fünf Jahre daran, Schauplätze, Handlungen und Charaktere zum Leben zu erwecken, nur um sie anschließend gleich wieder sterben zu lassen oder eben auch nicht.
Auf mehr als eine Weise lag am Premierenabend etwas Hollywood in der Luft. Somit darf der Filmfreund gespannt sein, ob der Zombiestreifen vielleicht erst der Anfang war auf dem Weg zur Unsterblichkeit auf dem Filmolymp. Die jungen Männer und Frauen bringen das Thema "Wiedergeburt der etwas anderen Art" so auf die Leinwand, dass es in erster Linie weniger an einen grausigen Horrorschocker erinnert. Differenzierte Charaktere, Liebe zum Detail in Wort-, Schauplatz- und Requisitenwahl ebenso wie der leidenschaftliche Umgang mit künstlichem Blut geben dem Ganzen einen eigenen Stil.
Martin Oroszi versucht, ihn so zu beschreiben: "Es soll generell bizarr sein, Hauptsache schräg. Da kann die Musik schon mal was ganz anderes sagen als das Bild". Der Zombie- und Vampirfan mag das Überspitzte, ins Extreme Tendierende, das sich in dem Streifen "One by One" an verschiedenen Stellen zeigt: Die Hauptrollen spielen Gangster, die aus einer fantastischen Welt gegen die Zombies immer noch als "die Guten" hervorgehen können. Die Charaktere sind sehr ausgeprägt und zeigen sich mit ihren eigenen Lastern und persönlichen Momenten.
Natürlich gibt es Blut und davon viel so viel, dass es anatomisch und physikalisch irgendwann fragwürdig wird. "Wenn die ballern, dann blutet es", beschreibt Martin Oroszi Ursache und Wirkung, die seiner Meinung nach in anderen Filmen zu sehr untergeht. Auch der Handlungsstrang orientiert sich nicht an den Erwartungen der Zuschauer. So ist eines der Lieblingselemente von Holger Thiel der "schlechte Schluss".
Die Helden des Films verlieren. Sie werden einer nach dem anderen one by one zu Zombies. Der Gangsterboss schließlich, den keiner so wirklich mag, ist der einzige, dem sowohl Geld als auch Leben bleiben. "Mit dem Boss wollten wir noch einen drauf setzen", meint der Medien-Ingenieur.
So wirkt der Film beinahe wie eine passionierte Parodie von Helden und Untoten. "Doch am Ende ist es einfach ein Zombiefilm mit Action, alles andere ist Interpretation. Man kann es sehen wie man will", fügt er hinzu.
Vom ersten "Rec-Button"-Druck bis zum letzten Flimmern des Beamers auf der Leinwand des Central-Kinos vergingen über drei Jahre, Drehbuch- und Vorarbeit nicht eingerechnet. Dabei hatte das Filmteam mit einigen Problemen zu kämpfen: vom Auftreiben der finanziellen Mittel und Sponsoring über die Auswahl der geeigneten Schauplätze bis hin zur legendären Hitze des Sommers 2003, den die Schauspieler durchweg im Anzug verbrachten.
Generell hatten die vier Hauptdarsteller Steffen Schwabe, Marco Strobel, Sebastian Laubert und Kathrin Kanzler einiges auf sich zu nehmen, vor allem Kunstblut. Zum einen wurden sie damit beschmiert, zum anderen eimerweise mit einer Unkrautspritze besprüht und aus dem Mund laufen musste es auch. Die "Frau mit den zwei Knarren" sucht nach Vergleichbarem: "Es sollte nach Erdbeer schmecken. Es hat aber chemisch geschmeckt, furchtbar künstlich nach Benzin und Spüli".
Für Kathrin Kanzler war eben diese Szene dennoch eine ihrer liebsten, in der sie sich mit Dillon prügeln und gewinnen darf. Was des einen Freud, ist des anderen Leid und so ist sich Steffen Schwabe, der den Dillon spielt, sicher: "Meine Backe kann beweisen, dass ein Soundeffekt echt war und nicht nachvertont".
Statisten, die vor allem für die Zombiemassen gesucht wurden, waren schwer zu finden und sprangen dann teilweise auch wieder ab. Die Pläne und Bilder, die sich beim Schreiben eines Drehbuches festsetzten, waren dementsprechend immer Kompromissen unterlegen. "Damals hat Martin noch gemeint: Da machen wir die ganze Halle voller Zombies. Nachher waren es halt nur zehn", erinnert sich Holger Thiel. Selbst nach der Fertigstellung des Films waren die Probleme noch nicht vorbei beispielsweise, wenn es um das Marketing ging. Darum, wer die Becher für den Premierensekt besorgt und wie viele, oder um die schwierige Aufgabe, eine inhaltlich-stilistisch passende Übersetzung für das Wort "Miststück" ins Französische zu finden. Denn es gibt den Film in ausgewählten Läden oder auf der filmeigenen Homepage auf DVD und das mit Untertiteln in mehreren Sprachen.
Hollywood-Atmosphäre wurde bei der Premiere in Kirchheim von der ersten Minute an verbreitet: Ein voll besetztes Kino und davor immer noch eine Schlange von Fans. "Wir erwarten einen Gangsterfilm mit viel Blut", meint Annette Arndt. Die nötige Spannung wurde mit zwei Vorfilmen von "Nigthfall-Entertainment" ebenfalls aus Kirchheim aufgebaut. Zur Handlung genügen einige Sequenzen, um zu erkennen, dass Anklänge an so manchen Filmklassiker zu sehen sind. Offensichtlichste Parallelen finden Filmkenner zu "Return of the Living Death" oder "From Dusk till Dawn". Daneben gibt es Assoziationen zu "Oceans Eleven" und "Reservoir Dogs".
Abgesehen von der Handlung bietet "One by One" auch filmisch so manchen Höhepunkt. Die Qualität von Farben und Atmosphären wurde technisch nachbearbeitet. Schnitte, Perspektiven und Musik lassen keine Langeweile aufkommen. So holten "Fabrik Drei" ein Stück der Filmmetropole in die Region um die Teck, wenn sie "George Cloony-like" in das Stuttgarter Casino marschieren und es plündern. Quentin Tarantino lässt in einer Wendlinger Fabrik grüßen, wo die Gangster ihren Treffpunkt haben und einer der Bösewichte einen Bauschschuss abbekommt. Die Szene des Ninja-Schwert-Kämpfers auf dem Motorrad wurde sogar schon gedreht bevor sie in dem Film "Kill Bill" überhaupt angedacht war.
Sogar die Filmmusik stammt aus dem Kreis der "Fabrik Drei". Ralf Thiel und Marco Strobel sind Mitglieder der Band "Pussybats", die aus den Dreharbeiten zum Film entstand. Auf Professionalität ließ auch die personelle Zusammensetzung schließen. Holger und Ralf Thiel steuerten mit ihrem Studium im Bereich Medien das Fachwissen bei.
Martin Oroszi und Marco Strobel bringen es auf den Punkt: "Die Kranken sind für die Ideen, die Fachleute für die Umsetzung." Hin und wieder musste so mancher Aktionismus zugunsten des Verständnisses abgebremst werden, gibt Marco Strobel zu: "Ist ja in Ordnung, wenn sie sich abschlachten, aber vielleicht sollten sie noch sagen weshalb".
Da es an Ideen und Aktionismus von keiner Seite mangelte, war es schwer, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Ob es irgendwann einmal auch noch "Two by Two" geben wird, bleibt offen. Vorerst ist angedacht, in Zukunft Musikvideos für kleinere Bands zu drehen. Wirklich "ausgeschlachtet" ist der Zombie jedenfalls auch nach diesem Film noch nicht, weiß Ralf Thiel: "Es ist schnell alles gesagt, aber es dauert lange, bis alles gezeigt ist."
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