Gestern gegen 11 Uhr eröffnete Jugendratssprecher und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums Björn Ebert die „Kundgebung für mehr Demokratie und Chancengleichheit an Schulen“. Sie fand an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule statt, stellvertretend für alle Kirchheimer Schulen. Trotz mäßigem Freibad-Wetter hielt sich die Schar der Zuhörer mit etwa 130 Schülerinnen und Schülern in Grenzen.
alexander gölz
Kirchheim. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Forderungen, etwa wie mehr Mitbestimmung für Schüler, Lehrmittelfreiheit und Chancengleichheit für alle. Gerade die Chancengleichheit ist in der Vergangenheit des Öfteren zur Sprache gekommen. Es ist bekannt, dass Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächeren Familien und Familien mit Migrationshintergrund es sichtlich schwerer haben als Jugendliche aus wohlhabenderen Familien.
So verwies Ebert auf die OECD-Studie und den ersten Paragrafen des Schulgesetzes. Dieser beschreibt den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule: „Jeder junge Mensch hat, ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage, das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung.“
Die Schüler sähen sich als nicht richtig wahrgenommen und unfair behandelt. So sei eine Sparpolitik der Landesregierung schuld, dass es bei einem Klassenteiler von 32 Schülern pro Klasse den Lehrern nicht möglich sei, auf jeden einzelnen einzugehen und zu unterstützen. „Besonders an Gymnasien wird es in Zukunft zu Problemen führen, da immer mehr auf diese Schulart wechseln und so die Schülerzahl nochmals ansteigt. G8 verschärft diese Problematik zusätzlich“, bekräftigte der junge Redner. Die Forderung wurde laut nach einem Klassenteiler von 25. So wäre die Gewährleistung von mehr Unterstützung und Betreuung durch Lehrer gegeben, sagte der Schüler der zwölften Klasse. Unter den gegebenen Umständen kommen schwächere Schüler nicht mit und würden resignieren.
Das Lehrerkollegium der Schöllkopf-Schule stand, nach Aussagen einiger Lehrkräfte, größtenteils hinter den Streikenden. Besonders die jungen Lehrer sehen eine Chance, mit dieser Aktion ein Zeichen setzen zu können.
In Tübingen fand eine noch größere Demo statt, hier waren aber auch die Forderungen drastischer: weg vom dreigliedrigen Schulsystem, hin zu einem Gesamtschulkonzept. Davon wollen sich die Kirchheimer Schülerinnen und Schüler aber klar distanzieren.
Zusätzliche Kritik ging an das „Elite-Denken“ der Gesellschaft. Es müsse jedem klar sein, dass es nicht nur „Eins-Komma-Kandidaten“ geben könne. So bemerkte der Jugendsprecher: „Man muss akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Fähigkeiten haben. So sollte man auch Schülern mit schlechteren Noten Chancen geben, da diese Begabungen in anderen Bereichen vorweisen können, wie zum Beispiel soziale Kompetenzen“.
Weiter wurde in der gut 20-minütigen Rede genannt, dass Bildung zukunftsweisend sei, und dass das Wissen und Know-how das Kapital der Gesellschaft seien. Es erging ein Appell an alle Verantwortlichen, dass das Thema Bildung von Grund auf neu definiert werden müsse. Der Stellenwert von guter Bildung müsse klar werden. „Bildung ist unsere Ressource Nummer eins. Ich weiß, dass gute Bildung teuer ist. Nur eines kostet noch mehr: schlechte Bildung. Erst werden wir Mittelmaß, dann sind wir Schlusslicht.“ Mit diesen Worten wurde der Schülerstreik geschlossen.
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