Einen großen Erfolg konnte der in Kirchheim aufgewachsene Fabian Daub gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Gräfenstein feiern. Ihre Dokumentation „Was übrig bleibt“ über illegalen Kohleabbau in Polen wurde von der Jury des 42. Deutschen Wirtschaftsfilmpreises in der Kategorie aufstrebender Newcomer mit einem dritten Preis belohnt.
WOLF-DIETER TRUPPAT
Kirchheim. Fabian Daub, der 1972 in Aachen zur Welt kam und in Kirchheim aufgewachsen ist, kam durch seinen Zivildienst in den hohen Norden und blieb dort auch hängen. Der Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der „Ecole Superieure D’Art visuel Geneve“ ist inzwischen in Hamburg als freier Regisseur und Produzent tätig.
Den vor zwei Jahren gedrehten Film „Was übrig bleibt“ verwirklichte er gemeinsam mit dem 1975 in Bernburg geborenen Andreas Gräfenstein, der nach einem Philosophie- und Kunstgeschichte-Studium an der TU Dresden an die Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg wechselte, wo er sich für Visuelle Medien/Film eingeschrieben hatte.
Die Idee zu dem Film reifte bei Fabian Daub bei einer Auftragsproduktion über eine Theaterinszenierung in Niederschlesien. Der Intendant des Theaters hatte dem Filmemacher aus dem Schwabenland erzählt, dass in Niederschlesien Tausende von sogenannten „Kohlespechten“ ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie unter extremen Bedingungen und unter größten Gefahren für Leib und Leben in selbst gegrabenen Schächten und Gruben illegal Kohle abbauen.
Das Thema interessierte den aus Kirchheim nach Hamburg gezogenen Filmemacher sehr und nach einem Besuch vor Ort beschloss er, auf eigene Faust darüber einen Film zu drehen und konnte auch seinen Studienkollegen Andreas Gräfenstein für dieses Projekt gewinnen.
Während Fabian Daub seinen Lebensunterhalt vorwiegend mit der Produktion von Image- und Werbefilmen über kleine und mittelständische Unternehmen verdient, begab er sich mit dem Projekt über die „Kohlespechte“ auf völlig unbekanntes Terrain, das ihn und seinen Mitstreiter gleichermaßen faszinierte.
Dass sich das Ergebnis sehen lassen kann, wurde schon mehrfach bestätigt. Auf über 50 Festivals war der Streifen mit dem Titel „Was übrig bleibt“ in den letzten beiden Jahren europaweit zu sehen und konnte dabei zehn Wettbewerbspreise einfahren. Auch jenseits des „Großen Teichs“ stieß der Streifen auf Interesse und war neben dem Festival „Outstanding Cinema“ im Museum of Modern Art in New York beispielsweise diesen Sommer auch schon beim Dokumentarfilmfestival „Silverdocs“ nahe Washington oder beim Internationalen Filmfestival in Brooklyn zu sehen.
Bei dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Berlin ausgelobten Wettbewerb um den „Deutschen Wirtschaftsfilmpreis“, der zu den ältesten Filmwettbewerben Deutschlands zählt, mussten sich Fabian Daub und Andreas Gräfenstein mit ihrer ehrgeizigen Eigenproduktion gegen starke und vor allem auch finanziell entsprechend geförderte Konkurrenzprodukte behaupten.
Neben den beiden klassischen „Ressorts“ mit Filmen „aus der Wirtschaft“ und „über die Wirtschaft“ musste die Jury außer der speziell eingerichteten Kategorie für Aufmerksamkeit verdienende Newcomer erstmals auch Produktionen bewerten, die ausschließlich für das Internet hergestellt wurden. Von insgesamt 145 für den Wettbewerb eingereichten Produktionen waren jeweils fünf für diese vier Kategorien nominiert.
Bei dem mit dem dritten Preis gekürten Wettbewerbsbeitrag „Was übrig bleibt“ ist die engagierte Eigenarbeit schon auf den ersten Blick zu erkennen. Die Kategorien „Auftraggeber“, „Hersteller“ und „Gestalter“ sind hier durchgängig mit den beiden Namen Fabian Daub und Andreas Gräfenberg ausgewiesen.
Ort der Handlung des Dokumentarfilms ist Waldenburg. In dem Städtchen im niederschlesischen Kohlerevier sind die Zechen längst dicht. Lukasz und sein Freund Jacek bauen dort aber schon seit Jahren immer noch Kohle ab – auf eigene Faust und unter lebensgefährlichen Bedingungen. Wie Hunderte andere „Kohlespechte“ in der Region graben auch sie vor den Toren der Stadt illegal nach dem „Schwarzen Gold“, um mit dem, was sie unter größten Strapazen mit Hammer und Meißel zutage fördern, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dass ihre versteckten Abbaustellen unter Tage schon oft zusammengebrochen sind und die beiden „Kumpel“ schon mehrfach verschüttet wurden, macht die eindrucksvolle Dokumentation genauso deutlich wie die andere Gefahr, der sich Lukasz und Jacek täglich aussetzten müssen. Die Polizei ist den beiden „Kohlespechten“ und ihren vielen Kollegen ständig auf den Fersen, doch sie alle haben keine Wahl. Sie machen weiter, jeden Tag aufs Neue. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als ihr Leben zu riskieren, um zu überleben.
Besonders glücklich sind die beiden Filmemacher Fabian Daub und Andreas Gräfenstein darüber, dass sie trotz ihres vergleichsweise bescheidenen Budgets in ihrer Kategorie entsprechend gewürdigt wurden. Mit ihrer inzwischen schon elften Auszeichnung konnten sie das Dutzend der mit ihrem Dokumentarfilm eingefahrenen Preise fast voll machen und sich von „ihrem“ Laudator Ministerpräsident Günther Oettinger feiern lassen. Auch Sabine Christiansen war zum Galaabend ins Forum am Schlossberg in Ludwigsburg geladen worden, um an der im Kreis von 750 geladenen Gästen gefeierten Preisverleihung mitzuwirken, die von Cherno Jobatey moderiert wurde und Fabian Daub und Andreas Gräfenstein sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.
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