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LOKALES

 

„Beim Laufen formatiere ich meine Festplatte neu“

04.03.2010

Laufen im Hohen reisach

04.03.2010

Eine Stunde durch das Hohe Reisach – ein Lauf mit der SPD-Landtagsabgeordneten Sabine Fohler (6)




Kirchheim. Die Sonne blinzelt schalkhaft aus Wolkenlücken im Himmel. Ein erster Frühlingsvorgeschmack weht über das Hohe Rei-

irene strifler

sach. Noch liegt das Laub welk und grau auf den Wegen. Sabine Fohler stellt mit knallroter Jacke und ebensolchem Stirnband einen Farbtupfer dar im Spätwinter-Einerlei. „Rot ist meine Lieblingsfarbe“, erklärt die 47-Jährige. Das passt: Schließlich sitzt Sabine Fohler seit 2008 für die Roten, die SPD, im Landtag.

Fürs Laufen nimmt sich die Reichenbacherin immer wieder kurze Auszeiten von der Politik. „Hier kann ich meine Festplatte neu formatieren“, erklärt sie gut gelaunt. Zweifellos ist Fohler von Haus aus ein sportlicher Typ. Doch drei Kinder, das Landtagsmandat sowie weitere politische Aktivitäten lassen wenig Zeit für Bewegung. Da kommt ihr das Laufen gerade recht. „Das kann man immer mal reinschieben in den Terminkalender“, betont sie.

An diesem Tag passt das Laufen in den Nachmittag. So blieb Zeit genug fürs Mittagessen mit den Söhnen und der Tochter. Erst am Abend steht der nächste offizielle Termin an. Vom Parkplatz am Wasserturm aus laufen wir über das Brückle, das die Straße zwischen Kirchheim und Notzingen überspannt, und dann immer geradeaus, zunächst am Rand des Waldfriedhofs entlang. Wo keine Sonne hin scheint, ist der Weg ziemlich matschig. Auf der Lichtung wird es trocken, kurz ist der Blick auf die Teck frei.

Für die Landtagsabgeordnete ist der Lauf ein Heimspiel. Geboren in Reichenbach, zog sie als 15-Jährige mit ihren Eltern nach Hochdorf. Erst später, mit ihrem Mann, ging‘s wieder nach Reichenbach zurück. Seither lebt sie dort mit ihrer Familie. Sport steht auch im Heimatort auf dem Programm. Oft sieht man sie mit ihrem jüngsten Sohn beim Laufen oder aber bei einem sportlichen Turnier in einer Turnhalle. Dass sie dabei auf Schritt und Tritt Bekannte trifft, ist für die SPD-Frau ein Vorteil: „Ich mag die Menschen, und Kontaktfreude gehört ebenso wie Neugier zu diesem Job“, erklärt sie.

Es wird merklich kälter, je tiefer wir in den Wald geraten. Wir bleiben auf dem langen, geraden Weg in Richtung Schlierbach. Es geht steil bergab, immer nasser wird das Gelände, wir tänzeln um Pfützen herum, denn Umkehren steht nicht zur Debatte.

Wohldurchdacht ist nicht nur die Jogging-Runde, die auch zum Repertoire des Lauftreffs gehört, wohldurchdacht war für Sabine Fohler auch das Engagement in der SPD. „Ich bin erst zu Beginn der 90er-Jahre eingetreten“, erzählt sie und räumt ein: „In dieser Zeit waren natürlich auch die Grünen eine Option.“ Die Entscheidung hat sie nie bereut und auch nie infrage gestellt. – Auch wenn die einstige Studentin der Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Soziologie nicht im Traum daran gedacht hat, einmal im baden-württembergischen Parlament zu sitzen. Doch 2008 trat sie die Nachfolge von SPD-Urgestein Carla Bregenzer an, deren persönliche Mitarbeiterin sie zuvor lange war. Auch das Engagement als sektenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist ein Bregenzersches Erbe, das sie gerne fortführt.

Im Tal wenden wir uns zweimal rechts und verfolgen dann den Weg, der parallel zur Bundesstraße 297 von Schlierbach nach Kirchheim durch den Wald führt. Kurz darauf drehen wir uns um 90 Grad nach rechts und plötzlich geht es wieder steil bergauf und anschließend nach links gemächlich abwärts. Wir durchlaufen die Lichtung bis zur Bushaltestelle „Kirchheimer Wald“ an der Bundesstraße. Dort befindet sich auch ein kleiner Parkplatz. Dann rüsten wir uns zum letzten Anstieg, tauchen noch mal in den Wald ein, treffen ein paar Trimmdichpfad-Nutzer und laufen den Höhenzug entlang durch die Streuobstwiesen der Wangerhalde weiter Richtung Waldfriedhof. Von hier aus sehen wir den Albtrauf mit Teck, Breitenstein und Hohenneuffen. „Das ist doch einfach fantastisch“, meint Sabine Fohler und erzählt, dass es unter den Abgeordneten in Stuttgart einen Wettstreit gebe, wer den schönsten Wahlkreis habe. „Da bin ich ganz vorne mit dabei“, meint sie augenzwinkernd. Eine harte Konkurrenz stellen die Kollegen aus Südbaden dar.

Mit der Tätigkeit als Landespolitikerin hat sich das Leben im Fünf-Personen-Haushalt Fohler stark verändert. „Ab und zu gönnen wir uns ganz gezielt eine gemeinsame Auszeit als Familie“, erklärt Sabine Fohler, wie der Zeitmangel einigermaßen ausgeglichen wird. Dann stehen zum Beispiel Wochenenden im Allgäu an mit Klettertouren – Spannung muss sein, damit der Nachwuchs zu begeistern ist. Dafür hat die Mutter Verständnis, spricht sie doch auch gern von spannenden Zeiten im Landtag. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem möglichen Kauf der Steuersünder-Daten, den die SPD fast geschlossen befürwortet hatte. Die Ära Mappus wird mit Spannung erwartet. „Herr Mappus ist konservativ“, meint Fohler mit gewisser Skepsis in der Stimme. Spannend wird dann aber vor allem der Wahlkampf, denn im März 2010 ist Landtagswahl. Für die SPD als Oppositionspartei dürfte da ein langer Atem von Vorteil sein – den erwirbt sich Sabine Fohler beim Laufen.

Das Hohe Reisach ist ein Eldorado für Läufer. Bester Startpunkt ist der Parkplatz am Wasserturm. Dort trifft sich auch der Lauftreff, der für jedermann offen ist, mittwochs und samstags um 14.45 Uhr sowie samstags um 15.30 Uhr (Winterzeit). Zur Sommerzeit geht es samstags erst um 16.30 Uhr los, zusätzlich gibt es mittwochs um 18.30 Uhr noch einen Termin.

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