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Die Stuttgarter Allgemeinmedizinerin Dr. Gisela Dahl gründete 1995 im Urwald Perus die medizinische Behandlungsstation „Iquitos“. Der Tübinger Heilpraktiker Klaus Herkommer kennt die Methoden der Tibetischen Medizin. Ihr Fazit heißt: Andere Völker reagieren auf Schicksalsschläge oft ergebener als Europäer. Sie sind der Natur näher verbunden, achten ihre Heiler und leben mehr Prävention.
Dr. Gisela Dahl ist Allgemeinmedizinerin und spricht spanisch. Sie kennt die Mentalität der Peruaner, seitdem sie 1995 im Urwald Perus eine medizinische Behandlungsstation gründete. Missernten in den kargen Anden, Überschwemmungen im Amazonasgebiet plagen die Menschen. „Viele sind bitterarm, aber sie beschweren sich nicht und versuchen, es sich trotzdem schön zu machen“, sagt Dr. Dahl. „Achte auf dich, und wenn du etwas falsch machst, dann mach es beim nächsten Mal besser“: Diese Lebensweisheit kennt jeder Peruaner. Frisch gepresste Säfte, Eintöpfe aus Wurzeln, Kräutern und Riesenzitronen, Bohnen- und Linsengerichte sind ungleich gesünder als die Fast Food-Kost vieler Europäer. „Und man weiß, dass man wenig hat, also geht man sorgsam damit um“, sagt Gisela Dahl. Ist man krank, suche man den Schamanen oder eine weise Frau auf. „Peruaner glauben ihrem Schamanen, meine hiesigen Patienten fragen mich, welche Nebenwirkungen hat das Medikament“, vergleicht die Ärztin. Berühren, anfassend behandeln im Sinn von Handeln mit der Hand spielen eine große Rolle in der Volksmedizin der Peruaner. „Der Schamane trägt die Verantwortung, die die Gesellschaft ihm aufträgt und wird dafür bezahlt, in Europa dominiert stattdessen eher Misstrauen gegenüber der Ärzteschaft“, sagt Gisela Dahl.
Doch die Stuttgarter Ärztin möchte auch nichts beschönigen. Denn manchmal helfen nur Antibiotika und Chemotherapie. „Die Urwaldbewohner können sich diese teuren Behandlungen nicht leisten, Lima ist weit, und manchmal kommen wir mit unserer Hilfe zu spät“, sagt Gisela Dahl.
„Umgib dich mit angenehmen Menschen und sorge dich nicht so viel“: Die Tibetische Medizin kennt genaue Anweisungen, damit ein Mensch seine Mitte nicht verliert. Doch Asien ist groß, und die Menschen dort leben sehr unterschiedlich. Der staatlich geprüfte Tübinger Heilpraktiker Klaus Herkommer hat nach seinem Diplom-Sportpädagogik-Studium auch Tibetische Medizin studiert und mehrere asiatische Länder bereist.
„Obwohl die Menschen oft viel ärmer sind, versuchen sie, eine innere Zufriedenheit zu entwickeln“, sagt Herkommer. Der Mensch im Westen sei Profi im perfekten Gestalten der äußeren Welt, das Leben sei stark auf Körperkult, Arbeit und Geldverdienen ausgerichtet. „Wichtig sind die Annehmlichkeiten des Lebens wie Auto, Kleidung und Wohnung sowie der Wunsch nach Sicherheit“, sagt Klaus Herkommer. „In der breiten Bevölkerung Asiens ist das nicht so bedeutsam, die Menschen nehmen sich mehr Zeit, nach innen zu schauen, das können wir von ihnen lernen“, ist der Heilpraktiker überzeugt. Gastfreundlich, humorvoll, spontan: So erleben viele europäische Reisende Menschen in Asien. „Die äußere Welt wird nicht ganz so ernst genommen, also kann man auch über sie lachen und sich freuen“, sagt Klaus Herkommer. Richtig ernähren, richtig verhalten heißt der präventive Ansatz in der Tibetischen Medizin. Ein weiter Blick, der die spirituelle Entwicklung einbezieht. Würden Tibeter krank und ließen sich behandeln, ginge es nicht nur darum, dass das erkrankte Organ wieder gesund werde, sondern der ganze Mensch. „Die Wissenschaft der Tibetischen Medizin ist eng mit der buddhistischen Philosophie verbunden“, sagt Klaus Herkommer. „Vielleicht ist diese Eingebundenheit seit über 2600 Jahren auch der Grund, warum in Asien auf Naturkatastrophen gelassener als bei uns reagiert wird“, schlussfolgert der Tübinger Heilpraktiker.



