Weihnachtsgrüße

22.12.2011 - 12:35 Uhr

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Festlich einstimmen bei 
Barbecue am Strand

TB. Weihnachten in Neuseeland wird etwas anders gefeiert als hierzulande. Allein die Vorweihnachtszeit läuft schon ein wenig anders ab. Während man hier Glühwein auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt genießen konnte, wird in Neuseeland nach der Arbeit noch entspannt gegrillt oder gar im Meer gebadet. Das geht auch dem 16-jährigen Marcel Müller aus Kirchheim so. Dass es ihn ins über 18 000 Kilometer entfernte Neuseeland verschlagen hat, verdankt er seinen Eltern. „Die waren schon immer von Neuseeland begeistert, vor allem von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit der Menschen hier“, erzählt Marcel, der seine neue Heimat recht schnell lieb gewonnen hat. „Mir gefällt hier alles gut. Schule, neue Freunde und auch die neuen Möglichkeiten wie Surfen zu lernen oder einfach nur im Meer zu schwimmen.“ Für Heimweh bleibt da nur selten Zeit. „Es ist nicht so, dass ich Deutschland sehr vermisse, aber Freunde und die restliche Familie fehlen mir schon manchmal“, sagt er, der trotz seines jungen Alters bereits die Lebensqualität als großes Plus des neuseeländischen Alltags für sich entdeckt hat. „Man hat weniger Druck und Stress.“ Marcel wohnt mit seinen Eltern Matthias (48), Bettina (47) und Schwester Jasmin (17) seit September letzten Jahres in der 100 000 Einwohner zählenden Stadt Tauranga an der Nordküste der neuseeländischen Nordinsel. Tauranga ist die größte neuseeländische Stadt, die offiziell einen Namen aus der Maori-Sprache trägt, was übersetzt etwa „geschützter Ankerplatz“ bedeutet.

Die neuntgrößte Stadt Neuseelands ist die am schnellsten wachsende Stadt des ganzen Landes. Insgesamt hat sich die Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren nahezu vervierfacht. Viele neuseeländische Rentner nutzen das angenehme Klima der Region und wollen dort ihren Ruhestand verbringen. Auf der anderen Seite zieht es immer mehr junge Menschen in die Stadt, die den Ozean und die ausgedehnten Strände der „Bay of Plenty“ für verschiedene Sportarten, insbesondere für das Surfen nutzen möchten.

An Weihnachten soll die Sonne scheinen, angenehme 21 Grad gibt es zum Fest. Das Klima in Tauranga ist relativ warm und trocken. Die Jahresdurchschnitts­temperatur beträgt 14 Grad Celsius – das sind vier Grad mehr als beispielsweise in der Region Stuttgart. In Neuseeland fällt die Weihnachtszeit in den Beginn des Hochsommers: „Das Wasser wird warm und die Sonne brennt den ganzen Tag“, erklärt Marcel, „sogar noch stärker als in Deutschland wegen des Ozonloches.“ So trägt man morgens Sonnencreme auf, bevor man das Haus verlässt, anstatt Schal und Handschuhe überzuziehen. Für Europäer sei es schwierig, echte Weihnachtsgefühle aus sich „heraus zu kitzeln“. Es passe einfach nicht zusammen, wenn man so lange an die Kälte oder den Schnee gewohnt war und sich dann um 180 Grad drehen müsse – obwohl sich, abgesehen vom Klima, die Vorweihnachtszeit nicht sehr viel anders als hierzulande präsentiert: Alles blinkt und glitzert in Supermärkten und die Schokoladenweihnachtsmänner lachen einen aus den Regalen an.

„Hier in Neuseeland wird sehr viel geschmückt. Mir gefallen die geschmückten Einkaufsstraßen oder Einkaufshäuser, jedoch nicht die völlig überfrachteten Tannenbäume“, erzählt Marcel. Vor lauter Lametta und Kitsch würde man kein Grün mehr erkennen. Weitere Beobachtungen ungewohnter Weihnachtsbesonderheiten sind verkleidete Hunde, ein weihnachtlich geschmücktes Fastfood-Restaurant, die Erleuchtung des Coca-Cola-Weihnachtsbaums in Auckland mit Countdown, Musik-Event und abschließendem Feuerwerk oder kombinierte Bademode mit Nikolausmützen. Eine weitere Besonderheit in der neuseeländischen Vorweihnachtszeit sind die vielen Weihnachtsparaden. Jeder noch so kleine Ort präsentiert seine eigene Weihnachtsparade, bei der sich die Teilnehmer verkleiden und ein Umzug mit Wagen und Tieren durch den Ort zieht. „Unser Weihnachtsumzug am 1. Advent in der Innenstadt erinnerte mich mehr an Fasching als an Weihnachten“.

In Deutschland hat Familie Müller oft erst am Morgen des 24. Dezember den Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt, dann das Essen vorbereitet und Weihnachtsmusik gehört. „Abends sind wir dann noch mit der ganzen Familie in die Kirche zum Gottesdienst, danach gab es das Weihnachts­essen. Und als jeder mit dem Essen fertig war, durften wir Kinder als erstes die Geschenke öffnen“, erinnert sich Marcel. Das sei jetzt verschoben – zumindest um einen Tag. „Weihnachten wird hier wie in England am 25. Dezember gefeiert, die Geschenke werden dann oft schon morgens ausgepackt – ähnlich wie in den USA. Man verbringt den Feiertag mit Familie und Freunden oft am Strand.“ Meist wird ein Barbecue veranstaltet, dabei wird Lamm, Rind oder Huhn gegrillt – und der Glühwein durch ein kühles Bierchen ersetzt. „Je nachdem, wie religiös eine Familie ist, geht man auch in die Kirche. Der Gottesdienst gleicht denen in den USA. Es werden keine langen Bibelgeschichten erzählt, die Ansprache handelt mehr über das Leben heute und beinhaltet oft Erfahrungen, die der Pfarrer in seiner Amtszeit gemacht hat. Sie sind auch oft kürzer als in Deutschland“, erklärt Marcel. Nach der Kirche geht man nach Hause: „Der Turkey oder Truthahn ist recht teuer. Jedoch wird an Weihnachten doch gerne ein Auge zugedrückt. Das Festessen ist durch kulturelle Einflüsse jedoch mehr dem Englischen und Amerikanischen angepasst – so wird zum Nachtisch ein English Pudding serviert“. Und wie verbringen die Neuseeländer die Weihnachtsfeiertage? „Viele fahren über Weihnachten auch zu ihrem Ferienhaus und verbringen dort die Weihnachtszeit oder mieten ein Haus in der Natur zusammen mit Freunden. Der zweite Weihnachtsfeiertag heißt hier wie in England oder Australien auch Boxing-Day. Dann bieten alle Läden superreduzierte Preise auf Herbst- und Wintermode zu Beginn des neuseeländischen Sommers. Viele Familien und Touristen kaufen Geschenke ein oder sind auf Schnäppchenjagd – bei Rabatten bis 70 Prozent ist das auch nicht verwunderlich“, so Marcel. Und wie sieht es mit Heimweh aus? „ Ja, das gibt es schon, denn Weihnachten ohne den kalten Wind und ohne Schnee fühlen sich schon komisch an. Man vermisst auch das gemeinsame Feiern mit Opa und Oma. Ich versuche aber auch, das neue Weihnachten zu genießen.“ Gegen das Heimweh gibt es Post und Internet: „Wir verschicken Päckchen oder telefonieren, wobei wir oft lieber skypen, wenn es möglich ist: Es ist einfach schöner, wenn man Freunde auch sehen kann. Und E-Mails werden insbesondere zu Weihnachten an alle Freunde und Bekannte verschickt – oft mit lustigen Bildern oder einer selbstentworfenen Postkarte.“ Dieses Jahr kommen die Grüße auch per Bild durch die Tageszeitung – in diesem Sinne „Frohe Weihnachten“ oder „Merry Christmas“, wie man am anderen Ende der Welt zu sagen pflegt.

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