21.09.2012 - 02:02 Uhr

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„Die Rente war ein Glücksfall“

Heike Allmendinger
Dieter Ruoff aus Kirchheim ist als ehrenamtlicher Landschaftsführer am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb tätig. Außerdem hat sich der 63-Jährige der Fotografie verschrieben.Foto: Jean-Luc Jacques
Dieter Ruoff aus Kirchheim ist als ehrenamtlicher Landschaftsführer am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb tätig. Außerdem hat sich der 63-Jährige der Fotografie verschrieben.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Als Dieter Ruoff noch mitten im Berufsleben stand, wunderte er sich stets über die Rentner, die sich über zu wenig Zeit beklagten. „So wollte ich nie werden – und
 heute bin ich vielleicht der Schlimmste von allen“, sagt der Kirchheimer schmunzelnd.

Dieter Ruoff, auch bekannt unter seinem Pseudonym „Albpluto“, ist ein umtriebiger und noch relativ junger Rentner. Der heute 63-Jährige hängte mit 55 seinen Job bei der damaligen Dresdner Bank (heute Commerzbank) an den Nagel. Für den Bankkaufmann ergab sich damals die Chance, aus dem Berufsleben auszusteigen und sozialverträglich in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen. „Viele große Unternehmen und Banken haben zu der Zeit im Rahmen der sogenannten 55er-Regelung Personal abgebaut“, erzählt Dieter Ruoff. Das Ganze geschah auf freiwilliger Basis und war mit gewissen, aber „relativ geringen“, finanziellen Einbußen verbunden, fügt er hinzu.

Nach knapp 40 Berufsjahren fiel dem Kirchheimer die Entscheidung nicht leicht – dennoch beschloss er schließlich, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Für seine Partnerin sei dies zunächst schwierig gewesen, doch für Dieter Ruoff war schnell klar: Langweilig wird es ihm nicht. Schließlich hat der Kirchheimer einige Hobbys. „Ursprünglich wollte ich in meinem Ruhestand in die Dolomiten zum Klettern gehen – stattdessen bin ich an der Gutenberger Höhle hängen geblieben“, erzählt er mit einem Grinsen.

Doch der Reihe nach. Zu Beginn seines Ruhestands beschloss Dieter Ruoff, der Gutenberger Höhle einmal wieder einen Besuch abzustatten. Dort nahm er an einer Führung teil und kam mit den beiden Höhlenführern ins Gespräch. „Sie wunderten sich darüber, dass ein 55-Jähriger während der Woche Zeit hat“, erzählt Dieter Ruoff. Im Laufe des Gesprächs hätten die Höhlenführer erfahren, dass der frischgebackene Ruheständler begeistert ist von der Landschaft auf der Alb und am Albtrauf. „Und dann sagten sie zu mir: Genau so einen wie dich brauchen wir!“ Das eine Wort gab das andere, und schon bald durfte sich Dieter Ruoff ehrenamtlicher Landschaftsführer am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb nennen.

Als solcher ist er nun seit Dezember 2004 auch als Höhlenführer in der Gutenberger Höhle tätig. Außerdem bietet er Führungen am Randecker Maar, Schopflocher Moor, an der Ruine Sperberseck und im Steinbruch am Naturschutzzentrum an. Sein Engagement im Naturschutzzentrum nahm nach und nach immer mehr Zeit in Anspruch, „aber das geschah alles freiwillig. Denn ich mache es gerne, und es macht mir unheimlich viel Spaß“, betont Dieter Ruoff. Seinen Auftrag als Landschaftsführer sieht er in erster Linie darin, die Jugend an die Natur heranzuführen. Es ist ihm besonders wichtig, den Spagat „zwischen Natur und Event“ zu schaffen – und zwar „in einem vertretbaren Gleichgewicht“.

Parallel zu seiner ehrenamtlichen Arbeit beim Naturschutzzentrum hat Dieter Ruoff in seinem Ruhestand seine Leidenschaft für das Fotografieren wiederentdeckt. Den Teckboten-Lesern dürften seine Bilder bekannt sein – schließlich veröffentlichen wir regelmäßig Dieter Ruoffs herrliche Landschaftsaufnahmen der Alb und des Biosphärengebiets sowie seine teils recht lustigen Fotografien von Mensch und Tier. Dieter Ruoff ist viel auf der Alb und am Albtrauf unterwegs, oft schon am frühen Morgen und immer mit seiner Kamera „bewaffnet“. „Ich fotografiere nach Gefühl“, sagt der 63-Jährige, der sich als „spontanen Erlebnisfotografen“ bezeichnet. Viele seiner „emotionalen Bilder“ entstehen durch Zufall. Manchmal nimmt er sich aber auch ein bestimmtes Ereignis vor, wie zum Beispiel die Linsenernte bei Böhringen, die er kürzlich mit der Kamera begleitet hat.

Dieter Ruoffs Fotografien kommen überaus gut an. Das zeigte auch die Fotoausstellung, die er vor einigen Monaten zusammen mit seinem Landschaftsführer-„Kollegen“ Reiner Enkelmann in Weilheim veranstaltet hat. Das beweist aber auch die Resonanz auf die Fotopräsentationen, mit denen Dieter Ruoff die Menschen in Seniorenheimen, bei den Landfrauen oder beim NABU begeistert. Zusammen mit Reiner Enkelmann und Dr. Wolfgang Wohnhas, Leiter des Naturschutzzentrums, hat der 63-Jährige das Buch „Am Albtrauf“ erarbeitet, das vor zwei Jahren auf den Markt kam und zahlreiche Fotografien beinhaltet. Außerdem gestaltete er mit Reiner Enkelmann einen Foto-Kalender für das Jahr 2012.

Im Leben von Dieter Ruoff gibt es keinen einzigen Werktag in der Woche, an dem er mal nur zu Hause ist. „Manchmal ist es mir fast schon zu hektisch. Aber ich darf nicht jammern, ich bin ja selbst schuld“, winkt der 63-Jährige ab. Durch die Hobbys Natur und Fotografie kämen andere Dinge, wie Gartenarbeit und Haushalt, aber auch Freundschaften ab und an zu kurz, räumt er ein. „Manchmal sehe ich nichts anderes mehr um mich herum. Dann muss ich wieder zurechtgestutzt werden“, erzählt er schmunzelnd.

Mit 55 in den Ruhestand zu gehen, „war schon ein bisschen bald“, sagt er rückblickend. Im Nachhinein aber sei es schlichtweg ein Glücksfall gewesen. „Was ich bisher in meinem Ruhestand erlebt habe, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“ Die Freiheit, die gute Luft und der Menschenschlag auf der Alb haben es ihm angetan. Er sieht es als Privileg an, auf die Alb fahren zu dürfen – und nicht mehr nach Stuttgart zu müssen, wo er zuletzt gearbeitet hat. Zwar sei er seiner Tätigkeit bei der Bank gerne nachgegangen, aber dieser Zeit trauere er nicht nach. Vielmehr genießt er nun seinen Ruhestand auf der Alb „mit ihren Kleinoden, ihrer Ruhe und ihren einsamen Ecken“.

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