24.07.2014 - 02:02 Uhr

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„In der Vielfalt liegt die Kraft“

Integration durch Musik und Kultur: Das ist ein Konzept, das die Bruderhaus-Diakonie mit ihrem „Fachdienst Jugend, Bildung Migration“ an der Alleenschule erfolgreich umgesetzt hat. Schüler der internationalen Vorbereitungsklassen konnten sich vielfältig künstlerisch einbringen bei dem Bühnenprojekt, das einen passenden Titel hat: „In der Vielfalt liegt die Kraft“.

Musikkooperationsprojekt in Zusammenarbeit mit der Bruderhausdiakonie Nürtingen / gefördert von der Liz Mohn-Stiftung, Musikprojekt an Alleenschule
Musikkooperationsprojekt in Zusammenarbeit mit der Bruderhausdiakonie Nürtingen / gefördert von der Liz Mohn-Stiftung, Musikprojekt an Alleenschule

Andreas Volz

Kirchheim. Die beiden internationalen Vorbereitungsklassen an der Kirchheimer Alleenschule sind etwas Besonderes. Die Fragen, wie viele Schüler diese Klassen besuchen oder aus wie vielen unterschiedlichen Ländern die Schüler kommen, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Das kann sich von Tag zu Tag ändern. Auch vom Alter her sind die Schüler längst nicht so homogen, wie man das in einer „normalen“ Schulklasse erwarten würde: Das Alter der Kinder und Jugendlichen, die da gemeinsam eine Vorbereitungsklasse besuchen, liegt zwischen elf und 16 Jahren.

So unterschiedlich die Länder sind, aus denen sie hergekommen sind, so unterschiedlich können auch die Motive sein, deretwegen sie nach Deutschland gekommen sind. Etliche von ihnen sind vor Krieg, Terror und Verfolgung in ihren Heimatländern geflohen. Genauso unterschiedlich wie ihre jeweiligen Geschichten sind auch die Sprachen, die sie sprechen. Die Gemeinsamkeit, die sie alle haben, ist ihr anfängliches Defizit in der deutschen Sprache. Genau deshalb sind sie in der Vorbereitungsklasse, die sie sprachlich darauf vorbereiten soll, nach ein bis zwei Jahren am Unterricht in einer „Regelklasse“ teilnehmen zu können.

Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es aber doch etwas, was die Schüler der Vorbereitungsklassen fest miteinander verbindet: ihr gemeinsames Projekt, das die Bruderhaus-Diakonie in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Linde und dem Club Bastion sowie mit finanzieller Unterstützung der „Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung“ für diese beiden Klassen auf die Beine gestellt hat.

Zum Bühnenprojekt gehören Musik, Gesang, Tanz und Bildende Kunst. Gemeinsam haben die Schüler einen Liedtext verfasst. Zum Refrain „In der Vielfalt liegt die Kraft“ gehören die folgenden beiden Strophen: „Musik liegt uns im Blut, / der Rhythmus tut uns gut. / Wir Kinder dieser Welt / wollen, dass sie uns gefällt. – Musik ist wunderschön, / lasst uns auf die Reise geh‘n / durch alle Länder dieser Erde / vielfältig und schön.“

Auf diese Reise begeben sie sich nicht nur sprachlich – mit Übersetzungen ins Französische und ins Italienische. Auch musikalisch haben sie ihre Reise zum Thema „Vielfalt“ angetreten, denn Sid Ahmed Serour, der Leiter der Kirchheimer Band „Wüstenblumen“, hat den Text vertont. Mit großer Begeisterung singen die Schüler seither „ihr“ Lied – einfach so, auf dem Pausenhof, oder bei einem Bühnenauftritt, wie etwa bei der Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen der Kirchheimer Alleenschule oder gestern bei der Vorstellung der Wahl-Pflicht-AGs an ihrer Schule.

Zum Gesang – im Chor wie auch solistisch – gesellt sich bei den Auftritten der Tanz, den Diane König gemeinsam mit den Schülern einstudiert hat. Hinzu kommen Breakdance-Einlagen oder auch ein persischer Rap, den Massoud aus Afghanistan vorträgt. Genau diese verborgenen Talente sind es, von denen Projektleiterin Anja Hennig ganz begeistert ist: „Im Verlauf haben sich ganz viele überraschende Talente aufgetan.“ Von den Begabungen beim Rappen oder im Breakdance habe zuvor niemand etwas gewusst, außer den Jugendlichen selbst. Auch so mancher Lehrer der Alleenschule sei überrascht gewesen, wenn etwa ein Schüler, der sonst eher still und dazu noch langsam und bedächtig ist, plötzlich auf der Bühne loslegt und zeigt, wie viel unerwartete Impulsivität in ihm steckt.

Der Aspekt der Bildenden Kunst war bei den Vorführungen nicht ganz so schnell zu erkennen – von den Flaggen der einzelnen Länder einmal abgesehen, die während des Projekts gemalt worden waren. Aber die 
T-Shirts, die die Schüler der Vorbereitungsklassen trugen, zeigten eben nicht nur ihre Zusammengehörigkeit an, sondern waren zudem mit einem Logo versehen, das sie unter Anleitung selbst entworfen hatten.

Anja Hennig spricht von einem ganz anderen Zusammenhalt und von einer Identifikation, die sie seit dem Projekt in den beiden Klassen ausgemacht habe. Aber auch sonst habe das Thema „In der Vielfalt liegt die Kraft“ bereits für Nachhaltigkeit gesorgt. Zum einen sind die Schüler im Mehrgenerationenhaus an Proben der „Wüstenblumen“ beteiligt gewesen. Mitunter sei die ganze Klasse in die Linde gekommen – also auch diejenigen, die gar nicht an der Musik beteiligt waren. Manche von ihnen haben dadurch einen Zugang zur Linde und zu deren Angeboten gefunden. Das andere nachhaltige Ergebnis zeigt sich Anja Hennig zufolge in der Kooperation der Alleenschule mit der Musikschule Kirchheim: Künftig sollen auch die internationalen Vorbereitungsklassen in diese Kooperation mit eingebunden sein.

Musik verbindet: Das zeigt sich auch am Erfolg, den das Programm gestern beim begeisterten jungen Publikum hatte. Schulleiter Uwe Häfele knüpfte in seiner Schlussansprache direkt daran an: „Der eine nimmt den andern mit, wo es nur geht. Die Schüler der Vorbereitungsklassen sprechen immer besser deutsch, und ihr könnt deshalb immer mehr mit ihnen machen. Sie gehören zu uns.“

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