30.11.2012 - 02:17 Uhr

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Plochingen kämpft um seine Klinik

Im Dezember entscheidet der Esslinger Kreistag über die Zukunft der Kreiskliniken. Es wird erwartet, dass die Schließung des größten Teils der Plochinger Klinik beschlossen wird. Die Plochinger sind damit nicht einverstanden.

Hans-Joachim Hirrlinger
Kreiskrankenhaus Plochingen
Kreiskrankenhaus Plochingen

Plochingen. Plochingen kämpft um sein Krankenhaus. Irgendwie scheint dieser Kampf auch mit dem Gefühl verbunden, dass Plochingen dieses Krankenhaus nach 150 Jahren Bestand einfach zusteht. Immerhin war es eins der ersten öffentlichen Krankenhäuser der Region. Da streicht man nicht einfach einen Standort, sondern löscht mit der medizinischen Versorgung auch Geschichte aus.

Das bewegt nicht nur einen Mann wie Gerhard Remppis, der als Stadt- und Kreisrat (SPD) um die Klinik kämpft und sagt: „Es ist ein Jammer, was hier passiert.“ Ähnliche Verzweiflung klingt in den Stellungnahmen der anderen Fraktionen im Gemeinderat durch. Beispielsweise bei Brigitte Friederich (OGL): „Nun ist der schlimmste Fall fast eingetreten. Das Krankenhaus liegt im Sterben.“ Oder Reiner Nußbaum (CDU), der an die Proteste im Frühjahr erinnert, als 16 000 Unterschriften aus Plochingen und dem Umland belegten, wie sehr den Menschen dort ihr Krankenhaus am Herzen liegt. Hans-Ulrich Rauchfuß (BVP) versichert: „Wir werden den Kampf fortführen.“

Bewegt scheint auch Bürgermeister Frank Buß, trotz aller äußerer Ruhe. Er appelliert erneut eindringlich und schriftlich an alle Kreisräte, die Entscheidung über die faktische Schließung der Klinik zu verschieben, bis Anfang 2013 das Gutachten von Ernst & Young vorliegt. Es soll auf die Gesamtsituation der Kreiskliniken eingehen und Perspektiven für eine Kooperation mit den Esslinger Kliniken aufzeigen.

Doch mit all dieser kämpferischen Bewegtheit ist auch ein gutes Stück Resignation verbunden. Buß erwartet, dass der Kreistag am 13. Dezember trotzdem der Verlagerung der Inneren Abteilung nach Kirchheim zustimmen wird. Das sei ein Bauern­opfer und eine weitere Fehlentscheidung vor dem Hintergrund früherer gravierender Fehlentscheidungen des Kreistags zum Ausbau der Kreiskliniken, darin sind sich alle mit Buß einig. Denn aus Sicht Plochingens fehlen belastbare Fakten und Zukunftsperspektiven für ein an sich intaktes Haus. Schließlich sei das Defizit der Inneren Abteilung vor allem eine Folge der Verlagerung der Chi­rurgie nach Kirchheim und Nürtingen vor einem Jahr, und das Defizit der Kreiskliniken wesentlich eine Folge von Fehlinvestitionen in Ruit. Wer so argumentiert, hat vielleicht sogar recht, aber der Kreistag wird nach allem, was bisher bekannt ist, am 13. Dezember nur das aktuelle Defizit der Kreiskliniken so schnell wie möglich senken wollen – und dabei aus Sicht Plochingens ein Bauernopfer in Kauf nehmen.

Das sieht auch Bürgermeister Buß so: Der Kreistag gebe durch den vorgezogenen Beschluss politischen Gestaltungsspielraum aus der Hand. Plochingen hofft allerdings noch auf eine medizinische Nachnutzung des modernen Gebäudekomplexes. Aber auch für die Psychiatrie hat der Landkreis andere Optionen in Kirchheim und/oder Nürtingen. 300 Arbeitsplätze drohen trotz gegenteiliger früherer Zusicherungen ersatzlos verloren zu gehen. Falls der Kreistag wirklich die somatischen Abteilungen schließe, argumentiert Buß, übernehme er gleichzeitig die Verantwortung für eine Weiterentwicklung des Standorts Plochingen. „Es muss etwas Sinnvolles kommen.“

Denkbare Ansätze sehe die Stadt bei der geriatrischen Akutbehandlung, der Gerontopsychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie, „jeweils verbunden mit einem medizinischen Versorgungszentrum, das auch der Bevölkerung zugutekommt.“ Doch das müsse im Zusammenhang mit der Schließung der ­somatischen Abteilungen und im ­Gesamtrahmen der künftigen Krankenhausversorgung im Landkreis geklärt werden. Alles andere mache keinen Sinn.

Plochingens Bürgermeister verweist darauf, dass das Areal unter dem Stumpenhof als Sondergebiet Krankenhaus ausgewiesen sei. „Mögliche andere Nutzungen sind nur mit der und nicht gegen die Stadt Plochingen möglich.“

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2 Kommentare

Die Plochinger haben keine Chance gegen den Kirchheimer Bürger(meister) Eininger. Die Klinik wird zerpflückt, um Kirchheim zu erhalten. Nach Chirurgie, Pflegeschule, Innere kommt die Küche dran. Die Küche kocht Plochinger Schulen das Mittagessen, macht Gewinn. Jahrelang hatten Fachleute den Neubau der Psychiatrie in Kirchheim geplant, jetzt werden auf Parkettböden Zwischenwände eingezogen, weil die Räume für die Rheumatologen aus Plochingen zu groß sind. Der Berliner Flughafen lässt ......
Tapfer besteht Herr Buß darauf, auf das Gutachten zu warten. Doch bis Januar 2013 wird die Plochinger Klinik erledigt sein. Kirchheim wollte nie die Psychiatrie. Daher holte man die Wirbelsäulenchirugie ins Haus, damit für die psychisch Kranken nicht mehr ausreichend Platz im Hause war. Der Umzug von Nürtingen nach Kirchheim war damit so nicht mehr möglich. Jetzt noch die Plochinger Rheumatologen dazu. Im Juni 2013 ist in der Plochinger Innere Urlaubssperre, wohl für den vorab ......