25.08.2007 - 01:30 Uhr

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Radfahren im Alltag schmackhaft machen

Gesund, leise, schnell, flexibel, ökologisch, günstig . . . Radfahren hat viele positive Seiten. Kirchheim zur fahrradfreundlichen Stadt zu machen, haben sich die Stadtverwaltung und die Initiative "FahrRad" auf die Fahnen geschrieben. Im Blick hat man dabei nicht nur die Freizeitradler, sondern all jene, die das Rad als Fortbewegungsmittel im Alltag nutzen.

IRENE STRIFLER

KIRCHHEIM Vor allem bei Distanzen bis zu fünf Kilometern gilt das Rad als effizientes Verkehrsmittel, das den Nutzer ohne Stau und Parkplatzsuche ans Ziel führt. Seit sechs Jahren ist die Initiative "FahrRad" mit der Verwaltung bemüht, Radlern mehr Sicherheit zu bieten und bessere Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Bürgermeister Riemer, Präsident des Württembergischen Radsportverbandes, lobt die schon jetzt gute Infrastruktur in Sachen Rad, deren Qualität von Jahr zu Jahr wachse. Im Gemeinderat herrsche ein positives Bewusstsein in punkto Rad. Die Neuerungen würden auch angenommen: "Die Zahl der Radfahrer ist in Kirchheim enorm hoch", verweist Riemer auf aktuelle Untersuchungen.

Einen Überblick über die Maßnahmen für den Radverkehr, die in den vergangenen drei Jahren ausgeführt wurden, gab die Stadtverwaltung im Gemeinderat. Zu den größeren Neuerungen gehört, wie Planungsamtsleiter Dr. Oediger erläuterte, das Radwegeteilstück beim Donzdorfer Tal südlich der Bundesstraße 297. Die Weiterführung Richtung Reudern steht noch aus, bisher führt der Freizeitverkehr über Waldwege. Zum innerstädtischen Großprojekt "Wegeverbindung entlang der Lauter" gehört die Fertigstellung des Fuß- und Radweges im Bereich der Neubebauung zwischen Ziegelstraße und Lohmühlgasse.

Umgesetzt wurden auch eine Reihe von Maßnahmen aus dem Gesamtkonzept zur fahrradfreundlichen Markierung des Hauptstraßennetzes. Weitere sind für 2008 und 2009 geplant. Seitens der Initiative "FahrRad" wird die schrittweise Umsetzung der Konzeption begrüßt, wenn sich auch Dieter Hutt und seine radbegeisterten Leute so manches Mal ein schnelleres Tempo wünschten. Aktuell richten sie ihren Blick auf die Kolbstraße. "Dort sollte beidseitig sicheres Fahrradfahren möglich sein", bedauert Hutt, dass mit dem Abriss des Kolb-und-Schüle-Areals nicht die dafür erforderliche Straßenbreite entsteht. Schließlich stelle die Kolbstraße eine wichtige Verbindung zum Bahnhof dar. Den Aspekt der Sicherheit für Radler rückt Riemer in den Mittelpunkt der Überlegungen um die Kolbstraße. Langfristig soll der Radverkehr großflächig anderweitig geführt werden.

Zu den umgesetzten Vorhaben zählt der Schutzstreifen in Ötlingen zwischen der Einmündung in die Stuttgarter Straße und der Eduard-Mörike-Schule. Beidseitig der Schöllkopfstraße gibt es Schutzstreifen von der Kolb- bis zur Hegelstraße. Auf der Fahrbahn der Eichendorffstraße wurden ebenfalls beidseitig Schutzstreifen angebracht zwischen der Aichelberg- und der Tannenbergstraße. Im Spätsommer wird in Jesingen auf der Kirchstraße und der Holzmadener Straße ein Schutzstreifen angebracht, der vor allem Schülern nutzt. Im Einmündungsbereich der Plochinger Straße in die Paradiesstraße wurden Aufstellflächen markiert für Radler, die aus der Paradiesstraße nach links abbiegen wollen, um stadteinwärts zu fahren. Diese Konstruktion wurde allerdings im Technischen Ausschuss als reichlich gefährlich bezeichnet.

Die Fahrradboxen, die neben 160 überdachten Plätzen am Kirchheimer Bahnhof installiert wurden, sind ein voller Erfolg und alle vermietet. Deswegen sollen dort bald weitere gesicherte Einstellmöglichkeiten für Zweiräder aufgestellt werden. Auch am Bahnhof Ötlingen wurden die ursprünglich drei Boxen auf sechs erhöht, alle sind vermietet. Weitere offene Abstellmöglichkeiten wurden im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Stadteingänge geschaffen.

Neu gebaut werden soll nun eine Fuß- und Radwegeverbindung vom Gaiserplatz zum Schießwasen. Was der Initiative "FahrRad" Kopfschmerzen bereitet ist die Unterquerung des Südbahnhofs, die für Radler derzeit fast unzumutbar ist. Die Verbindung Bahnhof/Spitzwegstraße wurde im Ratsrund als "Express-Radweg-Verbindung" zwischen Ötlingen und dem Süden Kirchheims gelobt.

An der Radwegeverbindung von Weilheim nach Bissingen mit Neubau einer Querungshilfe westlich der Einmündung der K 1210 beteiligt sich die Stadt mit dem Ausbau eines Feldwegabschnittes in Nabern.

Auch über das Jahr 2009 hinaus gibt es eine Reihe von Planungen, die maßgeblich auf Vorschläge der Arbeitsgruppe "FahrRad" zurückzuführen sind. An einem runden Tisch werden regelmäßig Maßnahmen für den Radverkehr erörtert, Vertreter der Arbeitsgruppe nehmen auch an Terminen der Verkehrskommission teil. Gemeinsam wird derzeit ein Beschilderungssystem entwickelt, das die Orientierung erleichtern soll.

"Viele, viele kleine Schritte machen Fahrradfahren im Alltag erfreulich", lautete ein Statement im Gemeinderat. Überwiegend herrschte Einigkeit, dass sich vieles zum Positiven verändert habe, wenn auch einiges zu tun bleibe. Viele benutzten mittlerweile in Kirchheim das Rad als alltagstaugliches Verkehrsmittel, das keine Folgekosten nach sich ziehe.

Folgekosten entstehen höchstens indirekt: Auf Nachfragen der Stadträte bestätigte die Oberbürgermeisterin, dass Kirchheim eine Hochburg des Fahrraddiebstahls sei. Beispielsweise am Freibad sucht die Verwaltung mit Hilfe von Ein-Euro-Jobbern die Langfinger in den Griff zu bekommen. Im Übrigen aber sollte jeder im ureigensten Interesse selbst Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

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